Faustregeln zum Blickverlauf auf Web-Seiten (Teil 2)

Seit Gründung der eResult GmbH vor 6 Jahren haben wir auf mehr als 200 Webseiten und bei ca. 3000 Personen Blickverläufe gemessen und analysiert. Diese Datenbasis stellt eine wichtige Grundlage für unsere Forschungs- und Beratungsprojekte dar. Hierauf basieren auch die im Folgenden dargestellten Daumenregeln. Dabei möchten wir jedoch nicht verschweigen, dass die Varianz beim Blickverlauf auf Webseiten noch immer sehr hoch ist. Neue Technologien, innovative Gestaltungselemente und auch Veränderungen bei den personenbezogenen Merkmalen (z. B. Web-Erfahrung) beeinflussen und verändern Blickverläufe. Es ist daher noch nicht möglich, den Blickverlauf auf einer speziellen Webseite „vorherzusagen“. In den nächsten Jahren kann daher auf Eyetracking-Messungen (noch) nicht verzichtet werden, wenn man erfahren möchte, wie lange, wie häufig und zu welchem Zeitpunkt einzelne Seitenelemente betrachtet werden.

Erwartungen steuern den Blickverlauf!

Exemplarischer Blickverlauf auf einer Web-SeiteDies zeigt sich vor allem bei Messungen mit Erstnutzern, also Personen, die die betreffende Webseite zum ersten Mal aufrufen. Stellt man dabei z. B. eine konkrete Suchaufgabe, dann wandert der Blick in den ersten Sekunden an den oberen rechten Seitenrand. Viele Nutzer erwarten an dieser Stelle das Eingabefeld einer internen Suche. Interessant ist nun, wie Nutzer reagieren, wenn sich das Sucheingabefeld nicht an der erwarteten Stelle befindet. Der danach angeregte Suchprozess trägt häufig dazu bei, dass sich die Aufmerksamkeit gleichmäßig auf alle Seitenelemente verteilt – was durchaus Vorteile haben kann!

Toter rechter Seitenrand!
Vielleicht liegt es an der gängigen Praxis unwichtige Elemente einer Webseite am rechten Seitenrand zu positionieren. Oder aber auch daran, dass immer mehr Skyscraper geschaltet werden. Jedenfalls gilt: Der rechte Seitenrand erhält relativ wenig Aufmerksamkeit – unabhängig von personenbezogenen und situativen Merkmalen. Was tun?
Wir empfehlen unseren Kunden immer öfter, wichtige, auf der betreffenden Seite erwartete Elemente, am rechten Seitenrand zu positionieren. Z. B. auf einem Reise-/Hotel-Portale die Schnellsuche nicht in der Seitenmitte, sondern stattdessen am rechten Seitenrand bereitzustellen. Die aufmerksamkeitsstarke Seitenmitte kann dann z. B. für Hinweise auf Top-Angebote genutzt werden. Möchte ein Nutzer die Reise-/Hotelsuche einsetzen, dann wird er sie auch dann finden, wenn diese am rechten Seitenrand positioniert ist. Er geht einfach davon aus, das ihm ein Reiseportal ein solches Element zur Verfügung stellt!

Blickverlauf auf Trefferseiten!
Tunnelblick – dies umschreibt recht gut, wie sich Nutzer auf Trefferseiten (z. B. einer Pro- duktsuche) orientieren. Die ersten und letzten Treffer – bezogen auf eine Trefferseite – erhalten die meiste Aufmerksamkeit. Elemente an den Seitenränden – vor allem dem rechten Rand – gehen jedoch „unter“. Es ist daher sehr wichtig, funktionale Suchelemente, wie z. B. Filter, aufmerksamkeitsstark zu gestalten und/oder dort zu positionieren, wo die Blicke zuerst hinwandern (z. B. oberhalb des ersten Treffers).

Weitere Faustregeln zum Blickverlauf auf Web-Seiten in Teil 1!!

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