Usability-Evaluationen im Web 2.0: Was wird sich ändern?

Vieles – so viel steht bereits jetzt fest!
Beginnen wir mit den Methoden der Usability-Evaluation.

Expertenbasierte Usability-Evaluationen stellen eine gute eine Alternative zu Usability-Tests im Lab dar. Die Ergebnisse dieser beiden Evaluationsmethoden sind vergleichbar wenn:

  • – Die Usability-Experten über umfangreiche Erfahrungen aus Nutzertests verfügen
  • – und sich in die Zielgruppen der Anwendungen hineinversetzen können.

Letzteres wird im Zeitalter von AJAX, Web 2.0 und einem verbreiteten Einsatz von Flash immer schwieriger. Es fehlen Erkenntnisse & Erfahrungen darüber, wie vertraut Webnutzer mit den neuen Gestaltungsmöglichkeiten sind.

Die meisten Webnutzer sind (noch immer) überrascht, wenn sie in das Eingabefeld einer Produktsuche einen Begriff eingeben und nach zwei Buchstaben eine Liste mit Begriffsvorschlägen zur Vervollständigung des begonnenen Suchbegriffs angezeigt wird – vorausgesetzt sie nehmen diese Vorschläge überhaupt wahr!
Auch Formulare die unmittelbar nach der Eingabe in ein Textfeld eine Rückmeldung bereitstellen sind noch nicht allen vertraut – das beobachten wir in unseren Usability-Tests immer wieder.

Nutzertest im Labor1. These: Tests mit Nutzern nehmen zu!
Usability-Tests im Lab werden an Bedeutung gewinnen – dafür wird der Anteil an expertenbasierten Evaluationen rückläufig sein. Auch bei den Verfahren der Datenerhebung werden Veränderungen anstehen.
Derzeit dominieren im Rahmen von Nutzertests im Lab Protokolle lauten Denkens und halbstrukturierte Interviews. Diese werden fast immer eingesetzt. Auch die Erfassung und Analyse von Klicks und Erfolgskennziffern gehört zum Standardprogramm eines Usability-Tests. Eyetracking-Analysen werden explizit nur bei ca. 50% der Usability-Projekte angefragt. Bei Konzepttests – also einem Vergleich verschiedener Designs / Layouts – ist der Anteil dieses Verfahrens bereits heute deutlich höher.

Eyetracking-Kamera2. These: Blickbewegungs- messungen und -analysen gewinnen an Bedeutung!
Im Zeitalter von AJAX und Web 2.0 wird der Anteil an Eyetracking- Analysen deutlich zunehmen – auch und gerade bei Usability-Tests im Lab. Blickregistrierungsgerät / Eyetracker ERICA – unterhalb eines Monitors installiert.

Worin ist diese These begründet?
Entscheidend ist der Verlust des Seitenparadigma: Werden Aktionen bzw. Änderungen auf einer Seite vorgenommen, so bedeutete das zu Web 1.0 Zeiten, dass die meisten Inhalte der Seite neu geladen werden. Innerhalb von AJAX Oberflächen verändert sich dagegen häufig nur ein kleiner Ausschnitt der angezeigten Seite.
Für die Nutzerführung und das Surferlebnis ist es entscheidend, dass diese Veränderungen wahrgenommen werden. Da sich die Seite jedoch nicht neu lädt, fühlen sich die Nutzer nicht zu einer Orientierungsaktion veranlasst.
Folglich werden die Nutzer nach einer Aktion die angezeigte Seite nicht erneut „abscannen“, auf der Suche nach der Veränderung (wie dies beim Laden einer kompletten Seite der Fall ist). Das ist für die Nutzer vorteilhaft, verursacht doch jede Orientierungsaktion einen gewissen kognitiven Aufwand. Der Site-Betreiber ist jedoch gefordert. Er muss die Rückmeldung über den Erfolg oder Misserfolg der Nutzeraktion genau dort geben, wo sich die Aufmerksamkeit der Nutzer befindet. Anderenfalls werden die Nutzer das Angebot frustriert verlassen, weil sie nicht erkennen welche Veränderungen ihre Aktionen bewirkt haben.

Um eine nutzerfreundliche AJAX Oberflächen zu gestalten, sind also Kenntnisse über die Aufmerksamkeitsverteilung und den Blickverlauf erforderlich. Zuverlässige und vor allem valide Daten zur Aufmerksamkeitsverteilung können nur über eine Blickbewegungsmessung gewonnen werden. Folglich werden solche Messung und Analysen in der Zukunft an Bedeutung gewinnen.

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