AJAX und Co. unter der Usability-Lupe

Do’s and Dont’s bei der Verwendung von interaktiven Anwendungen.

Mit Web 2.0 sind viele innovative Anwendungen entstanden. Erstmalig ist es möglich, Inhalte dynamisch und ausschließlich clientseitig zu erzeugen. Mit diesen neuen Möglichkeiten bzw. Kombinationen von Technologien lassen sich Web-Anwendungen schnell und bequem bedienen – wenn man es richtig macht.
Allerdings bringen solche Anwendungen auch neue Anforderungen an Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit mit sich. So können die Nutzer eine Anwendung häufig nicht bedienen oder – im Bad Case – erkennen sie die Anwendung erst gar nicht.

Bild 1: AJAX bei 3D-Handyansicht auf Vodafone (klein)

Was können Anbieter von AJAX und Co. falsch machen und wie machen sie es richtig? Dies ist Gegenstand unserer aktuellen Studie. Dabei nutzten Testpersonen im eResult Usability-Labor interaktive AJAX-Anwendungen deutscher und amerikanischer Websites aus den Bereichen Mode, Technik, Touristik und Community und wurden anschließend befragt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass interaktive Anwendungen den Nutzer begeistern können, wenn sie nach u.a. folgenden Usability-Regeln gestaltet werden:

Selbstbeschreibungsfähigkeit

Der Nutzer muss wissen, welche Anwendungen ihm auf einer Website zur Verfügung stehen. Auch die besten Anwendungen tragen nicht zu einer Verbesserung des Surferlebnisses bei, wenn sie vom Nutzer übersehen werden. Der Nutzer muss eindeutige Hinweise, die seinen aktuellen Handlungsspielraum definieren, erhalten. Hilfreich sind hier Symbole jeglicher Art: Eine Lupe, die eine Zoom-Funktion kennzeichnet, ein Steuerkreuz, das die Möglichkeit zum Verrücken verdeutlicht oder ein nach unten zeigendes Dreieck, das ein Ausklappmenü ankündigt.

Erwartungskonformität

Nutzer haben eine bestimmte Vorstellung davon, wie eine Anwendung zu bedienen ist. Diese Vorstellung ergibt sich aus den Erfahrungen, die die Nutzer im Laufe ihres Lebens gesammelt haben. Daher sollte eine innovative Anwendung an typische Handbewegungen eines Nutzers orientiert (z.B. Maßband anlegen, Bereich verschieben, Produkt ablegen) oder an bekannte Darstellungen der Office-Anwendungen (z.B. Lautstärkeregler) angelehnt sein.

System-Feedback

Eine Anwendung kann umso besser erlernt werden, je enger Aktion (des Nutzers) und Reaktion (des Systems) miteinander verknüpft sind. Durch unmittelbares System-Feedback kann der Nutzer nach dem Trial-and-Error-Prinzip eine neue Anwendung ausprobieren und schrittweise für sich erschließen.
Wichtig bei der Gestaltung von AJAX-Anwendungen ist daher eine eindeutige und visuell deutliche Rückmeldung der Nutzer-Handlungen durch das Web-Angebot, z.B. indem sich per Mouse-Over nur die Farbe des gewählten Produktes augenblicklich verändert und nicht auch gleichzeitig die Ansicht und Größe des Produktes.

Fazit: AJAX und Co. müssen verstärkt auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Nutzer ausgerichtet werden. Durch intuitiv bedienbare Anwendungen, die Spaß machen, kann sich ein Anbieter Wettbewerbsvorteile verschaffen und die Wahrscheinlichkeit eines Wiederholungsbesuchs seiner Nutzer erhöhen.

Kostenloser Download eines Auszugs der Studie als PDF:
» Auszug – AJAX und Co. unter der Usability-Lupe

Portrait: Bärbel Jüngel

Bärbel Jüngel

Senior User Experience Consultant & Leitung Personal

eResult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 15

3 Gedanken zu „AJAX und Co. unter der Usability-Lupe

  1. Thorsten Wilhelm

    AJAX, Flash & Co. – irgendwie ist die Diskussion hierüber ganz schon „eingeschlafen“. Woran liegts? Sind diese Technologien bereits alltäglich geworden, hat man sie „im Griff“ und weis wie man Anwendungen mit Hilfe dieser Technologien umsetzt? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Wir analysieren grad einen Checkout Prozess der komplett nur aus einer Seite besteht, alles wird dort eingetragen, übertragen und dokumentiert, auch Feedbacks finden darauf statt. Eine klasse Idee, die Anzahl an Problemen mit dieser Art der Umsetzung sind jedoch enorm. Liegt es nur daran, dass Ajax und Co. noch nicht vertraut sind? Oder fehlen den Konzeptern / Entwicklern einfach die notwendigen Studien darüber wie Nutzer mit AJAX und Co. in unterschiedlichen Bereich zurecht kommen? Aus meiner Sicht ist letzteres der Fall. Die Studienlage ist recht mau, jede weitere kann das ändern und wird daher sicherlich auf Interesse stossen, Aufmerksamkeit erhalten … Bleibt also wie immer spannend, vielleicht wird`s nach der Sommerpause ja auch wieder „lauter“ rund um dieses Thema.

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  2. ToM80

    Was Studien rund um Ajax / „Web2.0“-Steuerelemente und Usability angeht ist IMO mehr als lau.
    Ich suche nun schon seit mehreren Tagen nach weiteren Studien, als die oben genannte (von der ich auch im Besitz der käuflichen Studie bin). Aber auch diese reißt IMO das ganze Thema nur an.
    Was dem Markt fehlt ist eine tiefgreifende Studie welche der ganzen „neuen“ Techniken sich durchgesetzt hat, bzw. auf dem Weg ist sich durchzusetzen, welche eher floppen, usw.
    Ich denke dadurch dass diese Techniken von ein Haufen Startups eingesetzt werden/wurden gab es keinen Bedarf an solchen Studien.
    Ich glaube auch, dass es hier einer allgemeinen Erfassung bedarf, die nicht von einem einzelnen Unternehmen in Auftrag gegeben wurde, um einfach mal AJAX,2.0 im ganzen auf Usability und der Akzeptanz zu untersuchen.

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  3. Bärbel Jüngel

    Ich denke, dass es bisher so wenig Studien zum Thema Usability und Ajax / Web2.0 Anwendungen gibt, liegt zum einen daran, dass Unternehmen – wenn überhaupt – ihre eigenen Anwendungen testen lassen und zum anderen neue Anwendungen eben nicht testen und den Nutzer einfach damit konfrontieren ohne irgendwelche Usability-Regeln zu beachten.
    In unserer Ajax-Studie haben wir vor allem versucht, die Anwendungen genauer zu betrachten, die sich schon auf vielen Internetangeboten etabliert haben, wie z. B. Schieberegler-Funktion oder Blätterfunktion über Farbbutton etc.. Natürlich kommen hier ständig neue Anwendungen hinzu und es ist nicht einfach, diese in ihrer Gesamtheit zu erfassen.
    Aber Sie haben recht, allgemein weiß man noch viel zu wenig darüber, welche Ajax / Web2.0 Anwendungen der Nutzer bevorzugt bzw. welche sich durchgesetzt haben und welche eben nicht. Auf alle Fälle sollte es hier mehr Studien geben. Sicher werden auch wir dazu beitragen, dass es zukünftig noch weitere Studien zu diesem Thema geben wird, einfach auch um deutlich zu machen, mit welchen Anwendungen der Nutzer klar kommt und mit welchen eben nicht.

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