Studie zu Corporate Websites: Erfahrene Web-Manager setzen Usability-Analysen in frühen Entwicklungsphasen ein!

Screen einer Corporate-Website

Bei der Entwicklung und Optimierung von Corporate Websites kommen Usability Methoden & Verfahren vor allem in der Konzeptionsphase zum Einsatz. Ist die Site erstmal „online“, dann werden Usability-Analysen kaum mehr durchgeführt. Darin sind sich die befragten Web-Manager einig.

Uneinigkeit besteht dagegen bei der Einschätzung der Bedeutung von Usability-Methoden in der Analysephase: 23,4% der insgesamt 77 befragten Web-Manager sind der Meinung, dass gerade in der Analysephase Usability-Methoden eingesetzt werden sollten. 35,1% weisen Usability-Methoden in dieser Phase überhaupt keine Bedeutung zu.

Die 77 befragten Web-Manager sind der Ansicht, dass bei der Entwicklung von Corporate Websites vor allem Aufgaben-, Anforderungsanalyse, Prototyping und Logfile-/Clickstream-Analysen zum Einsatz kommen sollten. Als weniger relevant werden Eyetracking-Studien, Nutzerbeobachtungen vor Ort und Card-Sorting Tests angesehen. Experten-Evaluationen und Nutzerbefragungen – angelegt als so genannte Onsite-Befragungen – stellen weitere Methoden bzw. Verfahren dar, die Web-Manager bei der Entwicklung und Optimierung von Corporate Websites einsetzen.

Das sind die zentralen Ergebnisse einer Umfrage, die die eResult GmbH unter den Abonnenten des E-Commerce Newsletters der IHK Hannover durchgeführt hat. Die Ergebnisse basieren auf den Meinungen und Erfahrungen von Web-Managern, die für die Gestaltung und Optimierung von Corporate Websites – also Unternehmensauftritten in Web – zuständig sind .

Spezifika bzw. Besonderheiten von Corporate Websites

Corporate Websites sollen in erster Linie informieren und das Image positiv beeinflussen. Die befragten Web-Manager sind zudem der Ansicht, dass die Nutzerschaft von Corporate Websites sehr heterogen ist und sich in Bezug auf dieses Merkmal von z. B. Online-Shops deutlich unterscheidet. So müssen Unternehmensauftritte Inhalte & Services für Kunden, Pressevertreter, Investoren, Bewerber, eigene Mitarbeiter, Politiker und interessierte Bürger bereitstellen. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht überraschend, dass Anforderungsanalysen und die Entwicklung von Personas als wichtige Verfahren zur zielgruppengerechten Gestaltung von Corporate Websites angesehen werden.

Die Geschäftsführung ist involviert! “ – diese Aussage hat so oder in vergleichbarer Form jeder dritte befragte Web-Manager getroffen. Dies erklärt sicherlich auch die große Bedeutung von Nutzer- und Usability-Analysen im Rahmen des Entwicklungs- und Optimierungsprozesses von Unternehmensauftritten. .

Corporate Websites müssen gefallen und eine „ästhetische Anmutung“ aufweisen – auch hierin sind sich die befragten Web-Manager einig. Zudem wird in der formalen und inhaltlichen Gestaltung von Texten ein zentraler Erfolgsfaktor gesehen. Nicht zuletzt bedingt durch die Situation, dass Unternehmensauftritte vor allem Informationen übermitteln sollen und eine Plattform zur Kommunikation mit Kunden & Interessenten darstellen.

Wichtigkeit von Usability Methoden und Verfahren

Unter den vier wichtigsten Methoden & Verfahren befinden sich drei, die in frühen Phasen (Konzeption, Analyse) der Entwicklung einer Corporate Website zum Einsatz kommen (können): Aufgabenanalyse, Prototyping, Anforderungsanalyse über Zielgruppenbefragung in einem Panel. Logfile-/Clickstream-Analysen gehören ebenfalls zu den Top 4 Methoden.
Nutzerbeobachtungen vor Ort, Card Sorting und Eyetracking-Analysen werden als weniger wichtig angesehen.

Überraschend : Nutzertests im Usability-Lab und Remote Usability-Tests , die derzeit wohl dominierenden Methoden bei der Evaluation und Optimierung von Websites, weisen in Bezug auf Corporate Websites einer eher unterdurchschnittliche Bedeutung auf . Dies kann sicherlich damit erklärt werden, dass mit diesen beiden Methoden vor allen Interaktionsprozesse (wie z. B. Such-Prozesse, Checkout-Prozesse) analysiert und optimiert werden. Auf Corporate Websites sind solche Prozesse jedoch kaum vorzufinden.

Zur Methodik: Mehr als 6000 Abonnenten des IHK E-Commerce Newsletters wurden auf die Umfrage der eResult GmbH hingewiesen. Über verschiedene Filterfragen wurde gewährleistet, dass an der Beantwortung der Fragen nur Personen teilnehmen, die über Erfahrungen bei der Entwicklung bzw. Optimierung von Corporate Websites verfügen. Insgesamt konnten auf diese Weise 77 erfahrene Web-Manager befragt werden. Die Erhebung fand in den ersten beiden Novemberwochen statt.

2 Gedanken zu „Studie zu Corporate Websites: Erfahrene Web-Manager setzen Usability-Analysen in frühen Entwicklungsphasen ein!

  1. Thorsten Wilhelm

    Ich überleg jede Mal, wenn ich von dieser Studie lese, woran es liegt, dass jeder 3 Experte dem Thema Usability = NUTZERZENTRIERTE Anwendungsgestaltung in der Analysephase keine Beachtung schenkt. Als Marketingwissenschaftler ist mir so was komplett unverständlich, stellt man da den Kunden doch grad in der Analysephase (z. B. bei der Konzeption von Werbemittel) in den Fokus der Aufmerksamkeit, macht Zielgruppenbefragungen, zieht Typologien heran und führt zahlreiche Gruppendiskussionen durch. Da doch NUTZER immer auch KUNDEN sind, zumindest potentielle, sollten Usability- und Mafo.-Methoden doch grad in der Analysephase zur Anwendung kommen. Oder hat die Usability-Forschung hier keine geeigneten Verfahren und Methoden zu bieten?

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  2. Martin Beschnitt

    Am verfügbaren „Methodenspektrum“ kann es sicherlich nicht liegen. Ich denke hier beispielsweise an Online-Befragungen. Einerseits lassen sich Anforderungen und Erwartungen bestimmter Zielgruppen über ein sog. Online-Access-Panel erheben. Andererseits lassen sich die tatsächlichen Besucher einer Website im Rahmen einer Onsite-Befragung direkt auf dem Angebot „interviewen“.
    Beide Befragungsvarianten ermöglichen die Erhebungen von Nutzeranforderungen. Zudem lassen sich im Rahmen der sog. Kano-Analyse, bestimmte Funktionen, Inhalte und Services priorisieren bzw. in eine Rangfolge bringen, um die zu Verfügung stehenden Ressourcen bei der Umsetzung einer Website effektiv und effizient einsetzen zu können.
    Sog. Fokusgruppen kommen in letzter Zeit jedoch auch verstärkt zum Einsatz, wenn ich mir unseren aktuellen Projekte einmal anschaue.
    Ich denke eher, die Zahlen kommen dadurch zustande, dass jeder 3. EXPERTE denkt, dass er seine Nutzer kennt und versteht und deswegen keinerlei Marktforschung in der Analysephase mehr „nötig“ ist.
    So etwas halte ich jedoch für höchst kritisch. Es zeigt sich immer wieder, dass die Nutzer bzw. Besucher einer Website anders „ticken“ als vermutet. Ihr Verhalten und Ihre mentalen Modelle (z. b: in Bezug auf Informations- und Navigationsverhalten) gilt es immer ZUERST zu analysieren, bevor man mit der Konzeption/Entwicklung des neuen Interfaces beginnt.
    Zur besseren Visualisierung bestimmter Zielgruppen und Nutzertypen setzen wir ganz gerne Personas ein, um uns eine besseres Bild von unserem User zu machen, für den wir die Website entwickeln…

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