Müssen die einzelnen Seiten von Online-Shops immer „konsistent“ gestaltet sein?

Eine der zentralen Usability-Heuristiken ist die so genannte „Konsistenz“.
Kernaussage: Die Webseiten einer Site sollten sich in der formalen Gestaltung kaum unterscheiden.

Aus meiner Sicht eine sehr wichtige Regel, die man auch unbedingt beachten sollte jedoch nicht muss. Schauen wir uns das mal am Beispiel von Online-Shops an. Die müssen, ganz klar, leicht bedienbar sein, Nutzer mit einem konkreten Bedarf (z. B. Camel Jeans Woodstock, Größe 36/32) zum Ziel führen (z. B. zur Produktdetailseite und dann auch zum Bestellprozess). Auf der anderen Seite sollten Online-Shops aber auch „inspirierend“ wirken, also Bedarfe wecken und so nicht geplante Einkäufe auslösen.

Ein aus meiner Erfahrung heraus zentraler Faktor zum Auslösen von „nicht geplanten Käufen“ stellen Cross- und Up-Sellings auf Produktdetailseiten dar. Daneben kann man aber auch durch unterschiedliche Einstiegswege ins Sortiment Kaufanregungen geben.

Das macht z. B. Otto.de sehr geschickt. Wählt man hier die Rubrik „Damenmode“ (hier einfach mit Damen bezeichnet) an, dann öffnet sich ein Layer, der neben dem klassischen Kategoriensystem (z.B. Blazer) auch Einstiege nach Stilrichtungen (z. B. „Jung & Trendy“) und Themen & Specials bietet (z. B. Naturwelt).

otto.de - \"Damen\"-Layer (klein)

Die dort hinterlegten Einstiegsseiten – also z. B. Blazer, Jung & Trendy, Naturwelt) sind inhaltlich aber auch formal und funktional komplett anderes aufgebaut.

otto.de - Einstiegsseite Blazer (klein)   otto.de - Einstiegsseite Jung & Trendy (klein)   otto.de - Einstiegsseite Naturwelt (klein)

Sie orientieren sich an den unterschiedlichen Intentionen & Wünschen der Nutzer, die diese Einstiege wählen. Aus meiner Sicht absolut ratsam, da kunden- und „nutzerorientiert“ – obwohl die Regeln der „Konsistenz“ verletzt wird.

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