Interview mit Sandra Kraft – Reiseportale

Protrait: Sandra KraftDas vierte Experteninterview haben wir mit Sandra Kraft (Head of Sales & Alliances bei der kinkaa search tools GmbH) geführt. In diesem geht es darum, ob bewährte Ansätze von Online-Shops auch auf Reiseportale übertragbar sind, wie Kartentools auf Reiseportalen genutzt werden und wie man es Nutzern ermöglichen kann gemeinsam eine Reise zu planen.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und freuen uns auf Ihre Meinung.

Auf Online-Shops wie z. B. otto.de oder neckermann.de beobachtet man, dass neben den klassischen Kategorien nach Produktgruppen (z. B. Hosen, Blusen, Jeans etc.) zusätzliche Zugänge bereitgestellt werden, z. B. im Modebereich nach Anlässen oder Stilen, im Bereich Spielzeug nach Altersklassen oder Material.

Sind vergleichbare Ansätze auch für Reiseportale denkbar und sinnvoll?

Ein neuer Ansatz wäre wünschenswert! Aber wie könnte dieser aussehen?
Eine Produktgruppe zu erschaffen setzt voraus, jede Reise auch zu gruppieren. Ein Hotel welches direkt am Strand liegt, Liegen und Schirme kostenlos zur Verfügung stellt und eine Poolbar besitzt kommt dann in die Kategorie „Klassischer Strandurlaub“?
Ein guter Ansatz in diese Richtung ist meines Erachtens der „Strand-Inspirator“ von Expedia. Der User kann anhand von bestimmten Kriterien (z.B. Palmenstrand, Liegestühle, etc.) die Auswahl auf seine Bedürfnisse abstimmen und bekommt dann die Länder passend zu seinem Wunschstrand vorgeschlagen. Auf den Detailseiten der Strände werden neben umfangreichen Informationen auch aktuelle Pauschalangebote bzw. umliegende Hotels aufgelistet (Siehe Screenshot). Eine wirklich gelungene Präsentation und eine gute Entscheidungshilfe.

Screenshot: Stranddetails

Kartentools auf Reiseportale haben ja schon eine gewisse Tradition. Beispielsweise um Hotels/Angebote einer Stadt alternativ zur Suche auszuwählen oder um die Hotels einer Stadt räumlich-geographisch darzustellen.
Gibt es aus Ihrer Sicht 1-2 Beispiele für eine gelungen Integration von Kartentools oder sind die meisten einfach nicht gut umgesetzt?

Wann benötigt ein Reisesuchender eine Kartenfunktion? Wenn er nicht weiß wo das Zielgebiet liegt, wenn er in die Nähe von einer bestimmten Sehenswürdigkeit, oder bei Business Travellers, z.B. in der Nähe der Messe sein möchte. Also um die geografische Lage der Unterkunft auf seine Bedürfnisse zu checken.
Als Auswahlkriterium bei der Zielgebietsfindung halte ich persönlich die Karte für überbewertet.

Aber wann benötige ich noch eine Kartenfunktion?
Aus meiner Sicht am ehesten bei der Planung einer Rundreise, Auto- oder Campingtour. Hier macht eine Karte Sinn, die z.B. alle Hotels an der Route 66 zeigt, oder die besten Campingplätze in den Nationalparks. Bei den meisten Anbietern gibt es diese Funktion für die eigenen Vertragshäuser, oder für Sehenswürdigkeiten wo bereits im Vorfeld Karten verkauft werden.

Eine „allumfassende“ Karte mit Sehenswürdigkeiten, allen Unterkünften, Ausflugtipps, etc. habe ich nicht gefunden. Und was noch besser wäre, wenn ich die Route „durchklicke“ kann ich bereits die Hotels (das Campmobil, die Eintrittskarte, etc.) über die Kartenfunktion direkt buchen. Habe ich bisher auch noch nicht gesehen…

Gemeinsam Auswählen:
Reiseportale bieten derzeit recht wenig um z. B. gemeinsam eine Reise auszuwählen, was ja sicherlich durchaus eine gewisse Relevanz hat. Welche Entwicklungen zeichnen sich in diesem Bereich ab? Was könnten Reiseportale bieten, um den Nutzer das „gemeinsame Auswählen“ von Reisen zu erleichtern?

Die einzige Möglichkeit bei den meisten Portalen ist derzeit die „Merkzettel/Reiseplaner“-Funktion, mit deren Hilfe ich ein bevorzugtes Angebot in den Warenkorb legen, aber meist nicht reservieren kann.

Gemeinsam, von unterschiedlichen Standorten auf nach einer Reiseseite zu stöbern könnte jedoch mit dem Collaborate Browsing gelöst werden. Die Möglichkeit sich z.B. über einen gemeinsamen Account einzuloggen und sich gemeinsam per Chat zu unterhalten und die Mausbewegungen des anderen zu beobachten könnte eine Methode sein.
Eingesetzt wird dies bereits in vielen Unternehmen, um dem Kunden bei Fragestellungen auf der Website behilflich zu sein. Wieso nicht auch für Reiseportale – sollte man mal drüber nachdenken…

3 Gedanken zu „Interview mit Sandra Kraft – Reiseportale

  1. Stefan Hirsch

    sicher könnte man da noch um so einiges erweitern, das ist klar, ein Reisebüro der online art, wenn man es so will, wo viele Zusatzfeatures drinnen sind.
    Aber letztendlich gibt es auch ganz viele Nutzer von Online Reiseportalen, die auf der suche nach einem sind: nur einem billigen Flug oder Hotel, diese Klientel ist in diesen wirtschaftlich schlechten Zeiten einfach auf einfache Portale mit großer Funktionalität wie etwas Traveliq.de und co angewiesen, wollen keinen Schnickschnack und Zusätzliches. Ich glaube, es liegt die schwere darin eben diese beiden Ansätze zu vereinen.

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  2. Thorsten Wilhelm

    Ja, das finde ich „auf den Punkt“ gebracht. Es ist wichtig die unterschiedlichen Intentionen der Nutzer zu kennen und darauf abgestellt geeignete Varianten anzubieten. Das ist aber schwierig, wenn man wie in diesem Fall doch häufig recht unterschiedliche Nutzer und Nutzertypen hat, auf deren Interesse man aber nun mal eingehen muss. Wichtig ist es dann, sich in einem ersten Step ein möglichst konkretes Bild der unterschiedlichen Nutzertypen (häufig auch als Personas bezeichnet) zu verschaffen: Was wollen die wirklich? Welche Erfahrungen haben sie? Welche Anforderungen in Bezug auf Inhalte, Funktionen und Services bestehen? Welche Einstellungen ggb. der Website und dem Anbieter weisen diese auf? usw.
    Unsere Erfahrung zeigt, dass die meisten Websites mit 5-7 Personas / Nutzertypen „ausgestattet“ sind. Diese weisen durchaus Gemeinsamkeiten auf, interessant sind aber die Unterschiede. Sind diese bekannt, dann kann man darauf eingehen und durch entsprechenden Ableitungen entscheiden welches Feature, welcher Inhalt an welcher Stelle präsentiert werden muss, kann oder sollte (oder eben einfach unnötig ist). Auf diese Weise nähert man sich dann der Plattform an, die für alle Typen nutzbar ist.
    Details zum Personasansatz gibt`s auch hier auf dem Blog:
    –// http://www.usabilityblog.de/tag/personas/

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  3. Pingback: Blog-News - August

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