Interview mit Thomas Grabe – Usability bei Corporate Websites international tätiger Unternehmen

Thomas Grabe

Im dritten Teil der Reihe „Interviews mit Experten“ spricht Thomas Grabe (Leiter Neue Medien & E-Commerce bei der Otto Bock HealthCare GmbH) über Usability bei Corporate Websites international tätiger Unternehmen.

Das Redaktionsteam wünscht viel Spass beim lesen!


  

Otto Bock ist ein international tätiges Unternehmen. Welche Herausforderungen und Anforderungen ergeben sich daraus für die Gestaltung und Betreuung der Corporate Website?

Für die Gestaltung unserer zentralen Website www.ottobock.com ist wesentlich, dass sie den globalen Anforderungen Rechnung trägt. So müssen wir bei Layout, Nutzerführung und Wording darauf achten, auch anderen Kulturräumen gerecht zu werden. Am augenscheinlichsten ist dies sicherlich bei der Bildsprache:
So werden z.B. Lifestylefotos mit Menschen in Badebekleidung in manchen Regionen nicht akzeptiert. Ebenso können wir unser europäisch geprägtes Bildmaterial in einigen nationalen Websites nicht immer verwenden, weil die darauf abgebildeten Gesichter nicht dem typischen Aussehen des jeweiligen Landey entsprechen. Eine Überraschung erlebten wir übrigens bei unseren chinesischen Kollegen: Auf www.ottobock.com.cn werden bewusst die Bilder aus den deutschen Fotokampagnen verwendet. Die Begründung war, dass der positive Effekt „Made in Germany“ für Chinesen wichtig ist und mit den Bildern unterstützt wird. Interessant war auch, dass gerade in Asien trotz der dort herrschenden anderen Schreibweise die Web-Nutzungsgewohnheiten denen von europäischen oder amerikanischen Usern gleichen. Die Platzierungen von Navigationselementen, Suchfeldern und Inhalten konnten so von unseren zentralen Templates übernommen werden.
Vermutlich hat der globale Erfolg von Websites wie Ebay, Google und Amazon die Nutzungsgewohnheiten der Webnutzer weltweit vereinheitlicht.

Welche Methoden und Verfahren zur Analyse des Nutzungsverhaltens werden bei Otto Bock eingesetzt?

Wir haben lange Zeit nur eine reine Logfile-Analyse aus den Daten unseres Webservers vorgenommen. Da diese jedoch aufgrund einiger prinzipieller Fehlerquellen wenig valide sind, haben wir zu der pixelbasierten Analysemethode von eTracker gewechselt. Hier erhalten wir eine Vielzahl von interessanten Informationen, die uns Aufschluss über die tatsächliche Nutzung der Otto Bock Websites geben.

Um darüber hinaus auch Motivation und Ziele der Besucher zu erhalten, haben wir in der Vergangenheit Online-Befragungen und Eyetracking-Methoden hinzugezogen. Hieraus ließen sich wertvolle Informationen zu Wünschen und Verbesserungsmöglichkeiten hinsichtlich der Otto Bock Website ableiten. Auch künftig wird uns dieser Methodenmix helfen, unsere Internetaktivitäten weiterhin zu verbessern.

Web 2.0 und Social Software sind immer noch „in aller Munde“. Welche Relevanz hat dieses Thema für die Corporate Website von Otto Bock?

Wie in allen Gesundheitsbereichen gewinnt auch in der Medizintechnik der Endanwender immer mehr an Bedeutung. Und genauso steigt damit auch das Interesse des Nutzers, für welches Produkt er sein Geld ausgeben wird. Otto Bock vertreibt seine Produkte über Sanitätsfachhäuser, hat also offline keine direkten Kontaktmöglichkeiten zum End-User. Nur durch das Internet können wir den Anwender gezielt ansprechen. Es ist Ziel, unsere Web-Aktivitäten nicht als Einbahnstraße zu verstehen, sondern auch den Nutzer mit in die Kommunikation einzubeziehen.
Es gibt jedoch im Gesundheitsmarkt einige gesetzliche Einschränkungen, die zum Beispiel das Werben mit Patientenaussagen streng reglementieren. Auf das Internet übertragen, hat das natürlich auch Auswirkungen überall dort, wo wir den Nutzer direkt oder indirekt zu Wort kommen lassen wollen. Streng genommen wäre das bereits bei einem Kommentar zu einem Blogeintrag oder ein Wiki-Artikel der Fall.

Selbstverständlich prüft Otto Bock neue Möglichkeiten und Technologien regelmäßig. Viele Ansätze aus den Bereichen Web 2.0 & Co. sind vielleicht nicht als Ganzes für uns umsetzbar, wir entdecken aber immer wieder interessante Teilaspekte, die für Besucher unserer Websites sinnvoll sein können.

Ein Gedanke zu „Interview mit Thomas Grabe – Usability bei Corporate Websites international tätiger Unternehmen

  1. Thorsten Wilhelm

    Ein interessantes Interview. @ Thomas: Vielen Dank!

    Vor allem der Hinweis auf die bewußte Verwendung von Bildern finde ich sehr interessant. Das zeigt wieder mal, dass eine „internationalen Website-Gestaltung“ alles andere als trivial ist. Es gilt viele Faktoren zu beachten und Erfahrungen zu sammeln. Diese sind „Gold wert“ und sollten unbedingt dokumentiert werden.
    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Personasansatz. Stellt sich doch die Frage, ob die z. B. im Rahmen einer Onsite-Befragung auf ottobock.de festgestellten Personas / Nutzertypen auch für die Sites in anderen Sprachversionen / Ländern gültig sind. Oder ob es dort bezogen auf Anforderungen, Erwartungen, Meinungen und soziodemoprahpischen Merkmalen anderen Nutzerstrukturen gibt. Letzteres würde dafür sprechen die Sites „länderspezifisch“ zu gestalten.
    Gibt es dazu schon Auswertungen / Erfahrungen?

    Antworten

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