Kann man aus der Geschichte des Web-Designs lernen?

Seit 1996 bin ich im Web unterwegs, damals überwiegend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Göttingen auf der Suche nach Artikeln, Studien und Literaturhinweisen. Die hierbei gefundenen Quellen wurden schön systematisch in Form von Linklisten zusammengestellt und in verschiedene Kategorien eingeteilt, irgendwie so ähnlich wie Yahoo damals, nur nicht ganz so erfolgreich. Viele Websites waren damals mindestens zu 90% textlastig, also kaum Bilder und schon gar keine Animationen.

12 Jahre später hat sich das deutlich gewandelt. Websites mit 90% Textanteil gibt es so gut wie überhaupt nicht mehr. Animation und Interaktion nehmen zu, die Websites bekommen immer mehr den Charakter von Web-Applikationen.

Diese Entwicklung ist ganz sicher „positiv“, davon kann man u.a. deshalb ausgehen, weil immer mehr Menschen das Web immer intensiver nutzen. Folglich müssen die Veränderungen beim Web-Design im Interesse der Nutzer stattgefunden haben. Was ebenso dafür spricht: Eine deutliche Zunahme der Nutzer- und Usability-(Auftrags-)Forschung, deren Qualität auch immer mehr steigt.

Nun stellt sich für mich die Frage: Hätte man diese Entwicklung prognostizieren können?
Ein möglicher Ansatz: In regelmäßigen Abständen – z.B. alle 3 Monate – erfolgreiche (!) Websites aufzusuchen und dokumentieren, wie diese sich verändern (z. B. über Screenshots). Beobachtet man diese Veränderungen im Verlauf von ca. 2-3 Jahren, so müsste man eigentlich erkennen, wohin die Entwicklung geht.

Amazon ganz zu Anfang

So sah Amazon.com ganz zu Anfang aus, im Verlgeich zum heutigen Design liegen Welten dazwischen.



Veränderung der Funktionsbox auf Amazon.com

Diese Bild zeigt die Veränderungen der Funktionsbox auf Amazon.com



Die Screenshots wurden aus einem Video eines Blogbeitrags von Mortiz Haberman auf BlogZwoNull.de entnommen.

Beachtet man dann noch externe Faktoren (wie z. B. technologische Veränderungen), so müsste es doch gelingen Trends zu erkennen. Oder liege ich da falsch?

11 Gedanken zu „Kann man aus der Geschichte des Web-Designs lernen?

  1. Markus

    Sicher kann man gewisse Trends im Laufe der Entwicklung von Websites erkennen.
    Bedeutend scheint mir auch die Tatsache, dass die großen (an der Zahl der Aufrufe gemessenen) Websites wie Amazon, Ebay oder Google, um nur drei Big-Player zu nennen, nie einen harten Relaunch durchgeführt haben, sondern Veränderungen meist im laufenden Betrieb und ohne große Einschnitte am Design beinahe schleichend vollzogen haben.

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  2. Kerstin Schubert

    Ich denke, dass kleinere Entwicklungsschritte vor allem im optischen Bereich mit Sicherheit vorherzusagen sind. Aber größere Entwicklungen?! Kann man Programmiersprachen, -weiterentwicklungen erahnen… Das stelle ich mir doch recht schwierig vor.

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  3. Claus

    Ich denke, dass das Design von Webseiten eine Abbild der Gesellschaft und somit auch der aktuellen „Mode“ und des aktuellen „Desings“ sind. Gepaart mit den sich weiterentwickelnden technischen Möglichkeiten. Voraussehbar sind einige Entwicklungen meines Erachtens schon. Wenn wir vom jetzigen technischen Standard ausgehen und diesen ohne negative Einwirkungen weiterberechnen. Siehe Breitbandanschlussvorhersage vor 12 Jahren… Computerverteilung 1980 bis heute… Ein Vergleich wie vorgeschlagen halte ich hoch interessant und spiegelt diese Entwicklung wider und kann somit dokumentierend sein. Siehe Wayback Machine im Netz. Ansonsten haben Vorhersagen immer ein wenig ein Problem: Gehen sie zu weit in die Zukunft nehmen sie zuviel bestehendes mit und wirken dann im Rückblick nahezu komikhaft.

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  4. Thorsten Wilhelm

    Ja, das ist die „Last mit den Trends und Vorhersagen“ …
    Was für Trend seht ihr denn im Moment am Web-Design? Vielleicht auch aus der Betrachtung der letzten 6-12 Monate – was hat sich für euch an den Websites verändert – optische Gestaltung, Navigation etc. Ich hab z. B. das Gefühl, dass die Farbe „Weiß“ ein immer größeres Gewicht bekommt. Zudem scheint sich immer mehr abzuzeichnen dass die „flächige“ Bedeutung der Navigation reduziert wird und der Content immer mehr Fläche einnimmt. Was sind euere Wahrnehmungen?

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  5. Claus

    Eindeutig: Weiß liegt im Trend. Und Schatten. Ja, überall werden Schatten hinterlegt. Das ist Web 2.0. Aber was gut ist am neuen Trend: Klickflächen bekommen mehr Raum und Platz und werden größer. Die Seiten werden einfacher gestaltet. Oftmals nru drei Funktionen, mit schönen großen Buttons.

    Ansonsten ist Orange und grün in. Navigationen wie einst links oder rechts als Tabelle verschwinden und werden im Content Kontext untergebracht.

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  6. Claus

    Hallo Kerstin, gehen Flashseiten wirklich zurück? Meine Beobachtung ist eher, dass wieder vermehrt darauf gesetzt wird. Immer mehr Seiten bauen Filmchen auf Flashbasis ein, mit denen einem die Welt ähm sorry, die Website erklärt wird. Oder fallen die mir nur auf, weil ich seit Jahren eine Aversion gehen diese Besserwissenden Männchen und Frauchen auf den Webseiten habe…;o))

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  7. Claus

    So gesehen, stimmt’s… als Intro und als Navi hat es nachgelassen. Da hast du recht… aber dennoch werden gerade von Agenturen Flasher gesucht wie die Nadel im Heuhaufen… dank der erweiterten Bandbreite der Übertragunen hat Flash wieder als Multimediaanwendung Boden gewonnen.

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  8. Aharef

    Adäquate langfristige Voraussagen dürften sich (zumindest für das Design) nicht sonderlich gut treffen lassen – dazu ist das Web zu Technik-getrieben. Der oben erwähnte Web 2.0-Style (weiß, grün, orange, groß, 3dimensional) hat sich ja lediglich entwickelt, weil die Technik den Spielraum dafür geschaffen hat (Bsispiel DHTML/AJAX: Nicht alle Inhalte müssen default sichtbar sein, ergo: mehr Platz für weiße Hinterründe. Abgehobene Buttons sind nun wichtig und führen nicht mehr einfach nur „weiter“).

    Kurzfristig ist das schon leichter: Man sehe sich die 5 gefeiertsten regionalen/globalen Emporkömmlinge und eine Handvoll für Ihr Design bekannte, große Unternehmen (für mich immer Nintendo (weiß), Microsoft (Typo) und Apple (glossy) sowie die großen Agenturen) an: Sie haben bereits viel Geld für Style-Recherche ausgegeben (und verbraten den Rest ihrer Budgets für die Bekanntmachung ihrer Interpretation). Da wird das Web-Volk schon hinterherlaufen ^^ Und wenn nicht, fließen unsere Entwürfe wieder in die Recherchen der Großen und tauchen bei Erfolg 2 jahre später dort auf…

    Noch ein Wort zu Flash: Mit Ausnahme einiger Usability-Cases wird Flash immer dann eingesetzt, wenn es eigentlich nichts zu erzählen gibt. Oder wenn bittere Pillen eine Zuckerschicht brauchen, damit sie geschluckt werden. Thank God there’s Javascript.

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