Usability von Smart Building Technologien

Die Szenarien, um uns diese Technologien schmackhaft zu machen, begleiten uns schon seit Jahren. Sie erinnern sich vielleicht an den Werbespot eines großen Stromkonzerns aus dem Jahr 2001, der den Schauspieler Götz George zeigt, wie er via Handy von einem Segelboot aus sein Haus fernsteuert. Dort befindet sich seine Haushälterin, die sich vorerst nur über die Aktivitäten um sich wundert, dann jedoch in ernste Bedrängnis kommt. Sie wiegt sich in Sicherheit vor dem reisenden Hausherrn und legt auf seinem Bett ein kleines Päuschen ein, dieses wird aber durch einen der Fernbefehle von Herrn George zusammengeklappt.

Dieser Spot (der leider im Web nicht mehr verfügbar ist) zeigt die Problematik von so genannten „intelligenten“ Haussteuerungssystemen. Es fehlt ein vernünftiger Feedback-Kanal! Denn durch die zunehmende Verbreitung der Systeme, die die Fernsteuerung von jedem Punkt der Erde aus ermöglichen, erhält diese Problematik einen ganz neuen Stellenwert. Die Usability-Forschung beschäftigt sich zwar schon seit Jahren mit dem „Feedback geben“ in anderen Anwendungsbereichen. Allerdings sind diese Konzepte noch nicht sinnvoll auf die neuen Haussteuerungssysteme adaptiert worden.

Ich will Ihnen das Feedback-Problem anhand eines kurzen Beispiels erläutern:
In einer Interaktion zwischen Benutzern und computergestütztem System sind beide Seiten auf das Feedback des anderen angewiesen. Von der täglichen Computerbenutzung (Desktop Computing) kennen wir die klassische Sanduhr, die uns mehr oder weniger verlässlich mitteilt, dass das System arbeitet. Nun war es zwar ärgerlich wenn das System im Hintergrund abgestützt war, d.h. falsches Feedback lieferte, aber es war zumindest nicht von lebensbedrohlicher Bedeutung.

In einem Bereich, in dem Smart Building Technologien in letzter Zeit intensiv beworben werden, nämlich Ambient Assisted Living (AAL ) erhält dies eine andere Dimension. Bei fehlendem oder falschem Feedback kann es, wie im Spot scherzhaft dargestellt wurde, zu lebensbedrohlichen Situationen kommen. Die AAL-Initiative begründet sich auf der Tatsache, dass in der westlichen Welt eine Überalterung der Bevölkerung stattfindet. Was liegt also näher, als die Möglichkeiten von vorhandenen Internettechnologien dazu zu nutzen, älteren Menschen das selbständige Leben in gewohnter Umgebung länger zu ermöglichen – soweit das edle und auch im Prinzip sinnvolle Ziel.

Die potenziellen Probleme sind aber ebenso vielfältig, wie die Möglichkeiten, die eine sorgfältige Integration dieser Technologien bieten kann. Das Format eines Blogs lässt es nicht zu, auf alle Punkte einzugehen. Aber anhand einiger Beispiele aus der Vergangenheit soll verdeutlicht werden, was auf uns zukommen könnte:

Beispiel 1:
Der Videorekorder: Wer von uns konnte Ihn schon so programmieren, dass er einen Film (und nur diesen Film) als Ganzes auf einer Kassette aufnahm. Nun stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihre Heizung programmieren. Ich möchte nicht wissen, wie viele Mitmenschen an dieser Aufgabe trotz Bedienungsanleitung scheitern, d.h. im Winter frieren oder einfach nur unnötig Erdöl/Erdgas und damit bares Geld verbrennen.

Beispiel 2:
Das Handy: Wie aus zahlreichen Studien bekannt ist, werden nur ein Bruchteil der zur Verfügung stehenden Funktionen wirklich genutzt, da mit Jogshuttles oder Mini-Joysticks zu navigierende Menüs schwer zu verstehen und zu bedienen sind. Nun gibt es im Bereich Haussteuerung zentrale Schaltstellen (auch Manager genannt) die genau auf diesen Navigationsprinzipen basieren. Bei diesen Dingen fällt mir immer das Lied „Der Nippel“ von Mike Krüger ein. Manchmal beschreibt das die Bedienung eines Gerätes nämlich treffender, als die beiliegende Gebrauchsanleitung. Schließlich nicht zu vergessen, dass das Ganze noch über das Internet von einem normalen PC oder einem mobilen Gerät aus steuerbar ist.

Aus Usabilitysicht sind die beschriebenen Beispiele schon eine Klasse für sich, aber hierzu kommt noch das Thema Feedback. Ein System, das den heutigen Anforderungen von Usability entspricht, sollte es unmöglich machen, die Haushälterin samt Bett zusammenzuklappen.

Bei der täglichen Arbeit am Computer ist es selbstverständlich, dass Anwendungen uns vor dem Ausführen bestimmter Aktionen fragen, ob wir dies wirklich wollen. Ok, manchmal kann dies auch etwas nervig sein. Allerdings rettet uns genau dieses Nachfragen gelegentlich die Arbeit einiger Stunden oder eines ganzen Tag, wenn man unüberlegt eine Anwendung schließt ohne vorher schon einmal gespeichert zu haben. Auch wenn die eben im Hintergrund ablaufenden Routinen im Vergleich zur Haussteuerung relativ trivial sind, so ist es doch eine grundlegende Anforderung an diese Systeme, entsprechendes Feedback zu geben.

Interaktionsformen mit Gebäudesteuerungssystemen

Die technische Umsetzbarkeit von intelligenten Haussteuerungssystemen ist sicherlich „State of the Art“, allerdings gilt es im Bereich User Interface Design und Usability noch Einiges zu verbessern.

Interessant ist auch, dass es diese Systeme mittlerweile in jedem Baumarkt um die Ecke gibt. Die Industrie aber – wie in der Vergangenheit beim Videorekorder – sehr geringen Aufwand zu betreiben scheint, die Bedienbarkeit der Systeme zu verbessern bzw. auf mögliche Probleme hinzuweisen. Zu Studienzwecken habe ich einige dieser Systeme in Verwendung und bin der Meinung, dass jedes dieser Produkte Warnhinweise tragen sollte, solange die bestehenden Probleme nicht behoben wurden. Vorstellbar wären beispielsweise „Ihre Oma könnte bei falscher Programmierung im Winter ohne Heizung dastehen!“ oder „Achtung! Bitte klappen Sie ihr Bett nicht zusammen, wenn Ihre Haushälterin im Haus ist“.

Habt Ihr auch schon Erfahrungen mit Haussteuerungssystemen bzw. allgemein mit ferngesteuerten Systemen? Eure Meinungen zu diesem Thema würden mich Interessieren.

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