Die Frage aller Fragen: Wann welche Methode?

In Jacob Nielsen’s aktueller Ausgabe seiner beliebten Alertbox thematisiert Christian Rohrer von Experience Design (XD) Strategy eine ganz wichtige Fragestellung, mit der sich jeder Usability Consultant fast täglich beschäftigt: „When to use which user experience research methods?“

Rohrer betrachtet bei der Einteilung bzw. Unterscheidung der Methoden 3 Dimensionen:

  • Art der Datenerhebung:
    Verhalten von Testpersonen (Beobachtung) vs. Aussagen von Testpersonen (Interview)
  • Methodenansatz:
    Qualitativ (Warum?) /quantitativ (Wie viel?)
  • Kontext der Produktnutzung:
    Freie Nutzung, szenariobasierte Nutzung, keine Nutzung (im Sinn einer Anforderungs-/Erwartungsanalyse) und die Kombination der bereits genannten Ausprägungen

2-D Matirx: Art der Datenerhebung vs. Methodenansatz
2D-Matirx: Art der Datenerhebung vs. Methodenansatz

3-D Matirx: Art der Datenerhebung vs. Methodenansatz vs. Kontext der Produktnutzung
3D-Matirx: Art der Datenerhebung vs. Methodenansatz vs. Kontext der Produktnutzung

Bis auf die Einordnung der beiden Methoden „Participatory Design“ und „Fokusgruppen“, die meines Erachtens eher ein Mix in Bezug auf die Datenerhebung sind (Data Source) – d.h. Verschiebung auf der y-Achse weiter nach oben – ist die Einordnung der Methoden sehr plausibel.

Zusätzlich gibt Christian Roher in seinem Artikel einen Überblick über die bestmöglichen Zeitpunkte für den Einsatz der verschiedenen Methoden in Bezug auf die einzelnen Projektphasen (Analyse, Optimierung, Erfolgskontrolle).

Übersicht: Welche Methode in welcher Projektphase
Übersicht: Welche Methode in welcher Projektphase

Dieser zeitlichen Klassifikation kann ich auch nur zustimmen. Jedoch erachte ich diese Einteilung doch als recht grob. Zudem sind manche Methoden durchaus „doppelt“ einsetzbar. D.h. sie machen zu mehreren Zeitpunkten im Entwicklungsprozess Sinn.

Rohrers Fazit:
Solche Klassifikationen bzw. Methodenmatrizen, wie man sie doch recht häufig findet, können und sollten auch nur als „general guidelines“ angesehen werden.

Auch wir bei eResult beschäftigen uns zu Beginn jedes Kundenprojektes mit dieser essentiellen Fragestellung. Im Zuge des Re-Designs unserer eigenen Website sind nun auch Informationen zu den einzelnen Methoden & Verfahren verfügbar in Bezug auf Einsatzzeitpunkt und Einsatzbereich (siehe hierzu eResult: Wann welche Methode?). Dabei handelt es sich natürlich auch nur um eine allgemeine Hilfestellung. Die letztendliche Auswahl und Anpassung der optimalen Methoden & Verfahren richtet sich selbstverständlich nach den kundenspezifischen Frage- bzw. Problemstellungen.

Mich würde Ihre Meinung zu diesem Thema interessieren? Glauben Sie an die perfekte Methoden-Toolbox oder die Möglichkeit einer exakten Klassifikation von Usability-Methoden?

4 Gedanken zu „Die Frage aller Fragen: Wann welche Methode?

  1. Thorsten Wilhelm

    Vielen Dank für diesen anregenden Beitrag.
    Was ich in der Praxis immer wieder beobachte: Es wird zu wenig daran gearbeitet die Fragen zu formulieren, welche mit „igrendeiner Methode“ beantwortet werden sollen. Hier sind wir als Berater gefragt. Haben unsere Kunden, Anfragenden keine Fragen, keine konkreten Problemstellungen, dann kann man eigentlich kaum die geeignete Methode finden. Es ist dann an uns, als Usabililty „Consultants“, die Fragen zusammen mit den Anfragen / Kunden zu entwickeln. Wenn die dann vorliegen, dann ergibt sich die geeignete Methode von alleine.

    Antworten
  2. Pingback: Welche Usability-Methoden gehören heutzutage in die Toolbox eines (Web-) Usability-Professionals? | usabilityblog.de

  3. Pingback: Toolbox für (Web-) Usability-Professionals; auf Usabilityblog.de

  4. Pingback: Die Qual der Methodenwahl - Helfen Methodenmatrizen? - Usabilityblog.de

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