Fragen Stellen, aber richtig

Hat die Einführung unseres Wiki’s das Verhalten unserer Mitarbeiter verändert?
Antworten darauf suchen wir (ABB AG) mit einer Befragung, die Online durchgeführt wird.

Die Befragung mit eigenen Mitteln zu erstellen, war unsere erste Idee. Der Umfang überforderte allerdings unser Programm zur Erstellung von Formularen. Zu viele Fragen für unser in die Jahre gekommenes Tool.

Zum Glück hatte gerade ein Anbieter ein paar Tage vorher sein Programm vorgestellt. Besonders gefallen haben uns die vielen Möglichkeiten zur Auswertung. Die Fragen sind sehr einfach zu erstellen. Wir entschieden uns mit diesem Programm einen Test zu machen.

Ein neues Tool führt oft dazu ausgetretene Pfade zu verlassen. Wir haben so unser bisheriges Vorgehen noch einmal neu überdacht. Die konstruktiven Gespräche mit dem Anbieter haben uns dabei sehr geholfen.

Scrollen oder Blättern

Mehrer Fragen auf einer Seite oder für jede Frage eine neue? Die erste Entscheidung, die wir treffen mussten. Mehrere Fragen auf einer Seite war für uns die richtige Entscheidung. Wir nehmen dabei gerne in Kauf, dass die Nutzer dabei scrollen müssen. Befragungen mit mehreren Fragen auf einer Seite sind eindeutig schneller zu beantworten. Im Gegensatz dazu bedeutet eine Frage auf jeder Seite viele Klicks. Ein frühzeitiger Abbruch der Befragung ist eventuell die Folge.

Ganz oder Gar nicht

Der Anbieter riet uns von zu vielen Muss-Fragen ab. Vermehrten Abbrüchen wären die Folge, wenn wir Beantwortung der Fragen erzwingen. Wir haben seinen Rat dennoch nicht befolgt. Wir entschieden uns am Ende keine Fragen ohne Antworten zuzulassen. Fehlende Antworten machen unsere Auswertung genauso unmöglich, wie abgebrochene.

Die Ziele eine Befragung bestimmen hier die richtige Vorgehensweise. Freiwilliges Beantworten der Fragen ist die richtige Lösung, wenn ein kompletter ausgefüllter Fragebogen nicht so wichtig ist.

Matrizen ohne mehrfache Auswahl

Ersatz für Matrix mit Mehrfachauswahl
Ersatz für Matrix mit Mehrfachauswahl

Einige unserer Fragen benötigen die Möglichkeit mehrer Antworten gleichzeitige auszuwählen. Die enthaltene Matrix verweigert uns dieser Wunsch. Entsprechende Fragen teilen wir deshalb auf, da die mehrfache Beantwortung mit einer anderen Funktion möglich ist. Dies macht den Fragebogen schwieriger als nötig. Für zukünftige Befragungen erscheint uns die Funktion, bei Matrizen mehrfache Antworten zu ermöglichen, als unverzichtbar. Der Anbieter hat uns zugesagt diese Funktion bald zu implementieren.

Matrix mit einfacher Auswahl
Matrix mit einfacher Auswahl

Was sind eure Erfahrungen bei der Gestaltung und Durchführung von Online-Befragungen?
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Anregungen.

9 Gedanken zu „Fragen Stellen, aber richtig

  1. Elske Ludewig

    Zu diesem spannenden und vielleicht auch diskussionswürdigen Beitrag hätte zunächst eine Frage zum Abschnitt „Matrizen ohne mehrfache Auswahl“: Wie kann man sich die Matrix vorstellen, für die die erste Abbildung einen Ersatz darstellt? Kommt es nicht darauf an, was ich eigentlich wissen will, wenn die Entscheidung für eine Matrix oder eine Mehrfachauswahl ansteht (weil nur die Matrix ja Abstufungen zulässt)?
    Vielleicht verstehe ich aber auch den Text in diesem Abschnitt nicht ganz. Ist vielleicht gemeint, dass es auch möglich sein sollte, in eine Matrix Checkboxen statt Radiobutton zu intergrieren, um die Fragen, die in Abb. 1 dargestellt sind, in eine Übersicht zu bringen, also um u.a. Platz zu sparen?

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  2. Sebastian (s3b0)

    Möglicherweise wäre auch Folgendes interessant: Alle Antworten werden gespeichert, sobald sie getroffen werden. Einfach zu realisieren mit AJAX. So kann ausgewertet werden, wo es ggf. hakt *und bis dorthin* gehen keine Daten verloren.

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  3. Thorsten Wilhelm

    Vielen Dank für den spannenden Bericht zur Umfrage.
    Ich finde es sehr interessant, welche differenzierten Überlegungen bei der Auswahl der Fragetypen angestellt wurden. Leider ist das nicht immer der Fall, wenn Online-Umfragen aufgesetzt und geplant werden. Viele Institute und Unternehmen machen sich dabei zu wenig Gedanken über eine spannende und abwechslungsreiche Gestaltung des Fragebogens, achten nicht auf die Reihenfolge der Fragen und den Wechsel der Fragetypen. Dann kommt es vor, dass über 6 Fragebogenseiten hinweg Matrixfragen mit mehr als 8 Items gestellt werden. Abbrüche sind da vorprogrammiert … Wichtig ist: Das Thema / die Fragestellung sollte den Fragetypen festlegen. Hat man die Wahl mehrer Typen einzusetzen, dann sollte man die Entscheidung so treffen, dass die unterschiedliche Typen hintereinandergeschaltet werden. Das reduziert Abbrüche. Voraussetzung ist ein Online-Befragungstool, dass viele Fragetypen erlaubt. Und eine gewisse Erfahrung mit Umfragen. Ein spannendes Feld …

    Literaturtipp zum Thema: Online-Marktforschung von Axel Theobald, kann ich nur empfehlen, zwar nicht mehr ganz neu, aber immer noch klasse!
    –// Link zum Buch auf Amazon:
    –// Online-Marktforschung: Theoretische Grundlagen und praktische Erfahrungen

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  4. Claus

    Eines wird bei Fragebögen immer wieder falsch gemacht: Sie sind zu lang, zu akademisch, zu langweilig und benutzerfremd. Auch bei einem Formular soll die User Experience nicht leiden, im Gegenteil, braucht er doch den Atem, um am Ball zu bleiben und den Bogen komplett zu füllen. Was immer weider fehlt, ist eine Anzeige des Fortschrittes (balken, Schrittanzeige,..), ein Status des Systems (speichert er nu oder nicht) – einfache Usability Grundregeln. Auch sind die Möglihckeiten der Antworten zu technisch. Menschen lassen sich nicht einsortieren in Skalen und Matrizen. Diese erleichtern zwar die Auswertung, rein mathematisch, aber Menschen brauchena auch Räume für freie Antworten. Und diese muss man in Fragebögen geben.
    Der Wechsel zwischen Checkboxen (Mehrfachauswahlen) und Radiobuttons (einzelne Antworten) muss dem Benutzer klar sein, genauso wie die Fragestellungen. Hier ist es wichtig, viel Zeit in die Ausformulierungen zu stecken, denn hier stecken die meisten Fallen. Sind es Suggetivfragen? gar rhetorische Fragen? Sind sie mit Ja oder Nein zu beantworten (wenn ja, nutzt eine Notenskale von 1-6 wenig)… vor allem: Sind sie verständlich?

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  5. Joachim Lindner

    Es freut mich, dass mein Artikel so interessante Kommentare erzeugt hat. Diese möchte ich nun beantworten.

    Wir haben bewusst unseren Fragebogen so kurz wie möglich gestaltet, damit niemand wegen der Länge aussteigt. Aus diesem Grund hatten wir auch nur einen kleinen Frageblock als Matrix ausgelegt. Es ging um die Nutzung von Web 2.0 und anderen Anwendungen unter verschiedenen Gesichtspunkten. Es war auf jeden Fall nötig zu jeder Fragestellung mehrere Antworten zuzulassen. Wir hätten sonst keine Informationen über die Benutzung der anderen Anwendungen erhalten. So eine Matrix war aber leider mit dem benutzten Tool nicht möglich. Soll aber bald als Möglichkeit hinzukommen. So haben wir jede „Unterfrage“ zu einer eigenen Frage umgewandelt. So war das ganze etwas länger und auch nicht so übersichtlich, aber doch möglich. Der Fragebogen wurde dadurch auch nur unwesentlich verlängert. Bei jeder Frage konnten so belieb viele Antworten ausgewählt werden.

    Es wäre kein Problem gewesen, den Fragebogen so zu gestalten, dass auch teilweise ausgefüllte Fragebögen gespeichert werden. Für uns wären diese aber nicht für die Auswertung nicht brauchbar gewesen.

    Unser Fragebogen hatte auch einen Fortschrittsbalken, was ich sehr begrüßt habe.

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