Mein erstes Barcamp – ein kleiner Erfahrungsbericht

So, nachdem ich es nicht geschafft habe dem Barcamp am Bodenseee beizuwohnen, hatte ich dieses Wochenende die Gelegenheit in München am Barcamp teilzunehmen.

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Positiver Eindruck

Ich muss sagen, dass mir die Veranstaltung sehr gut gefallen hat. Ich saß in keiner Session, von der ich im Nachhinein behaupten kann, dass ich sie mir hätte „schenken“ können. Alles spannend und interessant.
Auch die Organisation (Verpflegung und Räumlichkeiten) war top. Sowohl die WarmUp-Party als auch die Party am Samstagabend im Laab boten genug Möglichkeit interessante Leute kennenzulernen.
So, nun aber ein bisschen zum Inhalt der Session, die ich besuchen konnte, bzw. zu den daraus gewonnenen Erfahrungen/Erkenntnissen:

Chinesisches Web

Erste Session: Web2.0 in ChinaDie erste Session am Samstag zum Thema „Chinesisches Web“ fand ich spitze. Es ist unglaublich interessant, was kopiert wird und wie es kopiert wird. Aber auch, was es für interessante Ansätze gibt, die nun auch nach Europa bzw. in die USA schwappen. Schaut man sich die Bilder der riesigen Internetcafés an, so fragt man sich: Gibt es vielleicht schon Online-Shops ein gemeinsames Shopping unter Freunden unterstützen (à la: „Lass uns mal am Wochenende zusammen zu H&M shoppen gehen!“). Wenn jetzt nur nicht diese erhebliche Sprachbarriere vorhanden wäre, würde ich mich auf die Suche nach Best Practices gehen. ? Wer da was hat bzw. kennt: Immer her damit!!!

Glaubt man zudem dem Vortragenden Oliver Ueberholz, so weichen die Erwartungen & Anforderungen der chinesischen Webnutzer ca. 20% von denen der europäischen ab in Sachen erwartungskonformer Positionierung zentraler Seitenelemente, aber auch in Bezug auf die Gestaltung verschiedenster bunter Animationen. Meines Erachtens ein Beweis dafür, dass sich kulturelle Unterschiede bei der Websitenutzung langsam aufgrund der Globalisierung und der „großen“ Seiten immer mehr anpassen. Dennoch finde ich die Untersuchung der sog. cultural usability weiterhin spannend und auch wichtig.

SEO is dead, long live SEO

Session: SEO is dead, long live SEODirekt zu Begin der Session hatte Marc Uhlig meine vollste Zustimmung bei der Aussage: „Man sollte sich nicht an Google orientieren, sondern an den Nutzer.“ Sehr richtig, besonders wenn man dann nicht nur den Traffic betrachtet, sondern auch z.B. den ROI etc. Ebenfalls: Was nützt mir ein Top-Ranking, wenn der Nutzer sich dann auf meiner Seite nicht zu Recht findet.

Schön, dass die Session am Samstag weitergeführt wurde, da die 60min. für die ca. 60 Folien und die unzähligen konstruktiven Fragen natürlich keinesfalls ausreichend waren.

Neuronale Netze / künstliche Intelligenz

Der wohl am polarisierendste Vortrag auf dem Barcamp: Roy Uhlmann und Dr. Klaus Holthausen stellten mit Queap eine neuartige Suche bzw. Suchmaschine vor, die sich neuronaler Netze bedient und weit über eine semantische, assoziative Suche hinausgeht, da es hierbei keinerlei Ontologie Bedarf. Da ich nicht vom Fach bin, schaut einfach mal selbst auf dem Queap-Blog vorbei.

Session: Queap - eine neuartige Suchemaschine

Da diese Entwicklung, sofern ich sie richtig verstanden habe, Google ziemlich an den Karren fährt und auch die beiden Teildisziplinen SEO/SEM revolutionieren könnte, wurden die beiden Vortragenden regelrecht bombardiert mit Fragen.
@Klus und Roy: Ich bin sehr gespannt auf die bald anstehende Beta-Tester-Phase. Gerne gebe ich Feedback zur Usability des Frontends.

User Experience (UX)

Elizabeth Whitworth wollte in Ihrer gut besuchten Session einmal eine Diskussion zum Verständnis von User Experience anstreben. Ihrer Meinung nach ist der Begriff Usability viel zu einschränkend. Spricht man von User Experience, so mein man die ganzheitliche Nutzererfahrung. Hierbei sind eine Vielzahl an Disziplinen bzw. Personen beteiligt: Usability-Specialists, Designer, Informationsarchitekten / Konzepter, Marktforscher. Teilweise natürlich in Personalunion? D.h. hier in Deutschland gilt es nicht für jeden dieser Teilbereiche einzelne Experten. Dies bemerke ich bei meiner täglichen Arbeit auch immer wieder. Meist ist man Konzepter, Marktforscher und Usability-Specialist in einem. D.h. auf meiner nächste Visitenkarte wird definitiv User Experience Manager stehen – und den „Usability Consultant“ ablösen.
Aber es kamen auch noch andere Erkenntnisse zu Tage: Zu einen die Tatsache, dass sogar unter sog. Professionals noch kein eindeutiges Begriffsverständnis vorhanden ist in Bezug auf Methoden & Verfahren- (Beispiel: Wo liegt der Unterschied zwischen Personas (archetypische Nutzer), Use Cases (UML-Diagramme) und Szenarios bzw. Szenarien (in natürlicher Sprache verfasste Beschreibungen/Geschichten, wie Nutzern eine Applikation mit einem bestimmten Ziel nutzen).
Zum anderen die leider immer noch vorherrschende Meinung einiger, dass Usability bzw. User Centered Design (UCD) vollkommener Quatsch ist. Zum Glück bestätigten andere Teilnehmer den positiven Wandel bzw. das zunehmende Verständnis für die Erfordernis/Bedeutung von UX. Wie bereits in den USA praktiziert, bilden sich auch in deutschen Unternehmen immer häufiger Stabsstellen, die diesem Rechnung tragen und bei der „Evangelisierung“ helfen.

Fazit & Ausblick

Leider konnte ich nicht alle Session hören, da einige interessante Sachen parallel liefen. Aber ich kann nur sagen: Weiter so! Ich bin demnächst auch wieder dabei, sofern es der Terminkalender zulässt Wahrscheinlich in Hamburg. Dann gerne auch mit ein oder sogar zwei Sessions zum Thema User Experience?

Zudem: Warum nicht mal ein themenbezogenes Barcamp oder eine abgespaltete Veranstaltung zum Thema User Experience (d.h. Informationsarchitektur, Design, Konzeption, Usability, Marktforschung, etc.)? Eine Art Fach(un)konferenz unter UX-Spezialisten und anderweitig Interessierten. Hier habe ich auch schon von einigen anderen Interessierten diesbezüglich gehört…

P.S.: Ich brauche übrigens unbedingt eine neue Digicam. Die Bilder sind ja grottig. Ich bitte um Entschuldigung.

5 Gedanken zu „Mein erstes Barcamp – ein kleiner Erfahrungsbericht

  1. Moritz Habermann

    Hi Martin, spannender Bericht. Leider konnte ich nicht teilnehmen, hab mir aber auch das Barcamp in HH im November dick in den Kalender geschrieben. Hoffentlich klappt es diesmal. Da schließen wir uns einfach nochmal kurz.

    Bzgl. Fach(un)konferenz zu UX – da bin ich dabei, das ist prima…

    Gruß,
    Moritz

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  2. Pingback: Berichte vom Barcamp München #bcmuc08

  3. Thorsten Wilhelm

    Vielen Dank, ein klasse Beitrag, der Lust auf mehr macht.
    @ Moritz: Hamburg im November, vielen Dank für den Hinweis; dieses findet am 22. und 23. November statt (klasse, da hab ich Geburtstag – am 22.), in den Räumen von Otto, Details unter:
    –// http://barcamphamburg2008.mixxt.de/
    Muss man eigentlich hin, auch wenn dann das Wochenende wieder mit Arbeit belegt ist. Aber es gibt ja auch Party`s – hab ich hier ja grad gelesen :).
    @ Martin: Und – eine neue Kamera sollte doch drin sein … 😉

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