Online-Studie: Faktoren, die die Nutzererfahrung von Websites bestimmen

Aufgrund der unzähligen Möglichkeiten und alternativen Website Angebot ist es essentiell für Website-Betreiber und Designer auf die Anforderungen, Erwartungen und Interessen der Nutzer genauestens einzugehen.

Mit dem in diesem Zusammenhang oft genannten Begriff nutzerzentrierte Gestaltung ist das Anbieten von solchen Inhalten und Funktionen gemeint, die die Nutzer beim Besuch der Webseite suchen, und zwar schnell und präzise.

Zu diesem Zweck führte das Institute for Dynamic Educational Advancement (IDEA) Mitte 2008 eine weltweite Online-Umfrage durch.

Ziel der Umfrage an der letztendlich 2488 Personen teilnahmen (darunter gemeinnützige Organisationen, Webdesign-Agenturen und Seitenbesucher) war ein breites Verständnis in Bezug auf die Nutzererfahrung beim Besuch verschiedener Website-Arten zu bekommen.

Die zentralen Fragestellungen waren dabei: Welche Faktoren beeinflussen die Nutzererfahrung entscheidend? Welche Faktoren sind überbewertet? Und was sollten Designer im Hinblick auf die Nutzererfahrung beachten?

Das Ergebnis ist ein 17-seitiges Pdf-Dokument, das die Ergebnisse der Studie kompakt zusammen.

Neben der bloßen Präsentation der Ergebnisse inkl. Betrachtung diverser Gruppenunterschiede gibt das Institut einige interessante Guidelines für die optimale Nutzererfahrung vor.

Besonders interessant sind dabei die folgenden beiden Ergebnisse:
Ca. 70% der Designer sind sich einig, dass die Besucher der Seiten fast immer problemlos navigieren können. Dagegen haben nur 10% befragter Nutzer behauptet, dass sie meistens keine Probleme mit der Seitennavigation haben. Hierdurch lässt sich auch erklären, dass Seitennutzer sich viel häufiger (über 40%) eine lokale Suche auf einer Website wünschen als Designer dies erwarten (im Durschnitt unter 25%).
Diese beiden interessanten Ergebnisse spiegeln auch immer wieder Nutzertest im Labor wieder, die wir – die eResult GmbH – regelmäßig im Auftrag verschiedener Kunden durchführen.

Bild 1: Problemlose Orientierung / Überblick behalten

Die meisten Designer sind sich ebenso sicher, dass ein „gutes visuelles Bild“ für die Nutzererfahrung wichtig ist. Nur jeder zweite Seitenbesucher stimmt dieser Aussage zu. Zwei Drittel der Designer glauben zudem daran, dass die Aktualität der auf der Seite verfügbaren Informationen nicht so wichtig ist. Jedoch sind für 80% der Seitenbesucher aktuelle Informationen „sehr wichtig“. Somit lässt sich schlussfolgern, dass der Inhalt und dessen Aktualität einen viel höheren Stellenwert bei Websitenutzern haben als das so oft als immens wichtig angesehene Design einer Website. Nutzer wolle eher Informationen direkt finden als sich durch grafische Gimmicks unterhalten zu lassen.

Bild 2: Ist eine gutes visuelles Bild wichtig?

Fazit:

Die Ergebnisse zeigen doch teilweise deutlich die Diskrepanz zwischen den Vorstellungen der Designer bzw. Website-Betreiber und den Nutzern, die mit den bereitgestellten Websites zu Recht kommen müssen. Meines Erachtens zeigt sich hier der steigende Bedarf an einer Verzahnung der konzeptionellen Arbeit einer Web-/Design-Agentur und einem Marktforschungsinstitut bzw. Full-Service-Usability-Dienstleister.

Nur wenn zu Beginn des Entwicklungsprozesses die Anforderungen und Erwartungen der Nutzer erhoben wurden und entlang der weiteren Produktionsschritte die Bedienbarkeit/Zugänglichkeit der Inhalte und Funktionen kontinuierlich getestet wird, kann eine erfolgreichen Nutzerzentrierung erreicht werden.

Dieses Ergebnis überrascht mich persönlich keinesfalls. Wie stehen Sie dazu?

5 Gedanken zu „Online-Studie: Faktoren, die die Nutzererfahrung von Websites bestimmen

  1. Sebastian (s3b0)

    Ja wer kennt es nicht: „Das ist doch klar“ – also klar wie man etwas zu benutzen hat, zumindest für diejenigen, die es verbrochen haben. Konfrontiert man aber Dritte mit der schönen neuen Website, stellt sich oft schnell das Gegenteil heraus.

    Eine Aussage halte ich aber für gefährlich: Ein „gutes visuelles Bild“ sei nicht so besonders wichtig. Denn gerade das Design kann meiner Meinung nach den (oft unterbewusst stattfindenden) Ausschlag geben, die Seite weiter zu nutzen und zu „konvertieren“ (das Ziel der Website-Betreiber und aus deren Sicht die einzige Daseinsberechtigung der Seiten), also eine Anfrage zu stellen, etwas zu kaufen,…

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  2. Thorsten Wilhelm

    Da stellt sich doch auch die Frage: Sollte nicht jede gute Design-/Web-Agentur auch über eine Abteilung für Marktforschung und Usability-Analysen verfügen? Entweder angegliedert / organisatorisch verankert oder als Partner. Aus meiner Sicht hat beides Vor- und Nachteile, wie so oft. Wichtig ist sicherlich die Frage, was genau gefordert wird. Wenn es darum geht Wissen über Nutzer und Nutzungsverhalten zu gewinnen, allgemein und losgelöst von konkreten, einzelnen Kundenprojekten, dann macht es sicherlich Sinn dieses Wissen in die Design-/Web-Agentur zu integrieren (also eigenen Abteilung, Unit, Aufkauf einer Mafo.-/Usabilityagentur). Wenn es aber darum geht Konzepte, Designs und/oder Prototypen zu testen und zu optimieren, dann muss man NEutralität wahren, was eindeutig für eine externe Lösung spricht, im Stil einer Partnerschaft z. B. … Leider kenne ich ganz wenige Partnerschaften zwischen Usability-Agenturen und Design-/Webagenturen die gut funktionieren und regelmäßg zusammen und zum Wohle der Kunden arbeiten. Schade. Ich hab immer Interesse an solchen Partnerschaften, da ich ganz sicher bin, dass das Produkt am Ende ein besseres ist. Schau`n wir mal was sich da in den nächsten Wochen so ergibt und an Partnerschaften bildet …

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  3. Claus

    Also rein theoretisch ist das schon eine gute Idee: Die eigene MaFo/Usability-Abteilung in der Werbe-/Webagentur zu haben. In der Realität (oft) nicht machbar. Denn der Kunde gibt den Auftrag und damit das Budget und den Zeitrahmen. Und oft, leider allzuoft, ist hier das Geld für den MaFo/Usabilitypart nicht gegeben. Und eine solche Abtl. on the top zu halten, ist finanziell wohl nur für ganz große Agenturen möglich. Viele Agenturen verkaufen ihren Kunden aber auch die Usability als Bestandteil der Webproduktion an. Was aber m.E. eine Mogelpackung ist, denn meist wird kein Test gefahren – weder empirisch noch analytisch…

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  4. Thorsten Wilhelm

    Ja, Budgetbegrenzungen bzw. allgemein Kosten werden häufig angeführt, wenn es darum geht Usability-Analyse im Rahmen von Veränderungsprozesse an einer Website „auszugrenzen“ (oder „inhouse“ durchzuführen).
    Ich beobachte da aber im Moment einige Veränderungen. Es gibt immer mehr Unternehmen, die Usability-Methoden schon in frühen Phasen einplanen und auch durchführen. Und: den Erfolg dieser Maßnahmen direkt messen (können), z. B. in dem sie AB Tests durchführen – alte Variante vs neue und bewertet mit Hilfe harter Kennzahlen (wie z. B. Bestellungen nach Optimierung eines Bestellprozesses). Auf diese Weise kann man nachvollziehen, ob die neue Varianten tatsächlich besser ist, als die alte. Damit sind die Agenturen „in der Pflicht“ optimale bzw. optimierte Lösungen abzuliefern. Es besteht damit ein Interesse daran, dass die geleistete Arbeit optimal ist und da kommen dann neutrale Qualitätsprüfer und Testinstitute ins Spiel. Sie prüfen und optimieren zusammen mit der Agentur vor dem Live-Gang die neue Anwendung. Geben verbindliche Statements zur Qualität der neuen Variante ab und liefern somit für alle Beteiligten Gewissheit, dass die Umstellung von alt auf neu nicht „flopt“. Davon haben dann alle etwas, vor allem aber die Anwender der Site. Und um die geht es ja schließlich und letztendlich …

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  5. isa

    ja, das Ergebnis ist keinesfalls überraschend: Eine sehr enge Spezielisierung ist in der Branche gut spürbar. Das betrifft ebenso Design-Gestaltung wie einzelne Webmarketing-Dienstleistungen. Meistens sieht ein Webdesigner seine Hausaufgabe als erledigt, wenn eine attraktive Grafik erstellt wird. Ob und wie sie die Seitennavigation unterstützt …

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