Nachdem am Samstag fast nichts in Richtung Usability / User Experience angeboten wurde – außer unsere eigene Session, gab es am Sonntag dann schon fast das Problem, dass man nicht alle interessante Sessions besuchen konnte, da sie teilweise parallel lagen (u.a. automatisierte Oberflächentests vom smatch.com, Live Usability Optimierung von Silke Berz, Rapid Prototyping Workshop von rapidrabb.it).
Super Qualitätsoffensive!!! Nächstes Mal komme ich nur Sonntags.

Zurück zur eigenen Session: Moritz Habermann von www.blogzwonull.de referierte ausführlich zum Thema A/B-Test und multivariate Testmethoden (MVT). Mein kleiner Teil bestand am Ende der Präsentation darin, noch einmal aufzuzeigen, wo die Grenzen vom multivariaten Testing liegen und dass andere Usability- und Marktforschungsmethoden parallel ihre Daseinsberechtigung haben. Oder anders gesagt: Der alleinige Einsatz von MVT-Tools macht keines Sinn bzw. ist sehr kritisch zu betrachten. Sie liefern mit nur quantitative Daten, die ich nur durch separate Methode wie beispielsweise vorgelagerte klassische Usability-Tests im Labor (Bewertung von Interaktionsprozessen) bzw. Online-/Panelbefragungen (Anforderungs-/Erwartungsanalyse) erklären bzw. deuten kann.
D.h. multivariate Test sind wirklich als abschließender Schritt eines systematischen Prozesses zu sehen – als Erfolgskontrolle, als Monetarisierungswerkzeug, um den Erfolg von vorgelagerten Maßnahmen nochmal zu bestätigen und um die Sicherheit zu schaffen, dass beispielsweise die Shop-Conversion wirklich gesteigert wird.
Ich bestimme somit meist zuerst die tatsächlichen Nutzer meiner Website anhand einer sog. Onsite-Befragung, erstelle Personas. Parallel lassen sich über diese Befragungsvariante bereits Anforderungen und Erwartungen meiner Seitenbesucher erheben – z. B. die Akzeptanz/Relevanz neuartiger Funktionen, die man gerade in der Pipeline hat. Anschließend geht man in die Konzeption, entwickelt Prototypen und testet diese in Bezug auf Bedienbarkeit/Nutzerfreundlichekeit. Geht man aus diesen Tests raus, hat man bestimmte Erkenntnisse aber auch Vermutungen, wie die neuen optimierten Konzepte live funktionieren könnten. Nun werden diese umgesetzt/programmiert und im Rahmen von multivariaten Test an beispielsweise 2% der Seitenbesucher in verschiedenen Varianten ausgeliefert (Filtermöglichkeiten links auf der Suchergebnisseite oder oben drüber, als Pulldowns oder Links, blaue oder grüne Buttons, etc.). Was Moritz auch deutlich betonte: Man muss vorher Hypothesen haben/bilden und wissen mit welchen Kennzahlen man diese belegen kann.
Sehr spannende Sache, die meiner Meinung nach im Kommen ist, nachdem SEM und SEO doch schon sehr toddiskutiert ist bzw. von vielen verstanden und umgesetzt wird. Durch systematische multivariates Testing wird bald die meiste Conversionsteigerung zu holen sein – jedoch unter Berücksichtigung der anderen notwendigen Betrachtungen von Usability- und Online-Marktforschungsmaßnahmen.
Die Folien zu unserem Vortag findet ihr übrigens hier: Live-Bericht + Fazit: Barcamp Hamburg, Tag 2 (auf dem blogzwonull.de) oder hier: BarCamp Hamburg – Sessions Sonntag.
Weitere interessante Informationen rund ums multivariate Testing findet ihr übrigens in folgenden Artikeln (von Moritz Habermann):
- „Test im Usability Labor vs. Multivariate Tests – ein Methodenvergleich (auf usabilityblog.de)“
- „Tutorial: Erstellung eines multivariaten Tests mit dem Google Website Optimizer (auf dem blogzwonull.de)“
- „Multivariates Testen: Überschriften und Buttons (auf dem blogzwonull.de)“
Viel Spass beim Lesen…





ich habe nun auch den offiziellen namen für das, was anne und ich so creativ “live usability optimierung” genannt haben, kennen gelernt: Conversational Sketching
http://nform.ca/tradingcards/ (leider passt der text nicht zum bild)
hatte ich hier nicht letzt einen kommentar geschrieben? *wunder*
@paulinepauline: sorry der erste Kommentar ist in den Spam gerutscht. Bei meiner täglichen Durchsicht der weggefilterten Kommentare hab ich ihn leider übersehen… jetzt ist er aber online!
Danke für den kleinen Hinweis