UPA Europe 2008 – 2. Tag: Mobile Design & Usability / Cross Cultural / Industrial Design

… das waren die zentralen Themen des 2. Tages auf der UPA Europe in Turin.

UPA Europe 2008 in Turin

Bevor ich auf die Themen des Tages eingehe, anbei vorab ein Foto zum SpotME – der mich auch wieder am zweiten Tag begleitet hat und sehr nützlich war.

SpotME auf der UPA Europe

In der Einheit „Mobile Design & Usability“ gab es gleich zwei Beiträge von deutschen Usability-Professionals: Jens Jacobsen (Content Crew) hat sich dem Thema „Usable Audio – Best Practices for Auditory Content“ gewidmet. Anja Naumann (Deutsche Telekom Laboratories) die sich in verschiedenen Grundlagenprojekten mit neuen Methoden der Usability-Forschung beschäftigt, referierte zum Thema: Interaction with Information and Communication A Classification of User Types“. Beide Vorträge konnten die Zuhörer begeistern, was man unter anderem an der Art und Anzahl an Fragen gesehen hat.

Jens Jacobsen ist es gelungen den Zuhören die Besonderheiten beim Aufbau und der Strukturierung von Audiomessages / Audiocontent darzustellen. Unter anderem durch einen Vergleich mit den Erkenntnissen zur Strukturierung von Texten und einem Usabilitytest mit ausgewählten Nutzern von Audiocontent (Fokus: Audiofiles zur Übermittlung von Informationen).

Jens Jacobsen auf der UPA 2008 in Turin zum Thema "Usability von Audiocontent"
Jens Jacobsen auf der UPA 2008 in Turin zum Thema "Usability von Audiocontent"
gespannte Zuhörer des Vortrags
gespannte Zuhörer des Vortrags

Audiofiles unterscheiden sich von Texten vor allem darin, dass sie linear sind. Man wird geführt und springt in der Regel nicht zurück, wie das bei Texten häufiger vorkommt. Daher ist es wichtig, den Nutzer zu sagen, wie lange die Audiomessage dauert, einen Überblick zum inhaltlichen Aufbau zu geben und dem Nutzer von Zeit zu Zeit zu sagen, wo er sich innerhalb der Audioinformation befindet.
Weitere Erfolgsfaktoren: Häufige Wiederholungen, Verzicht auf wenig konkrete Bezeichnungen (wie z. B. er, sie, diese etc.), Bereitstellung von Zusammenfassungen nach einem inhaltlichen Abschnitt und der Verzicht auf unterschiedliche Bezeichnungen für dieselben Dinge (z. B. nicht mal von „Nippon“ und ein anderes Mal vom „Land der aufgehenden Sonne“ sprechen, wenn Japan gemeint ist). Auch die Redegeschwindigkeit ist ein zentraler Faktor für guten Audiocontent und sollte sich stets an der Zielgruppe ausrichten, z. B. langsame Redegeschwindigkeit bei eher älteren Zuhörern. Ein interessantes Feld – Usability von Audiocontent, in dem wir in der Zukunft sicherlich noch einige Erkenntnisse aus Nutzertests von Jens Jacobsen und anderen erwarten dürfen.

Mit Hilfe eines sehr aufwändigen und systematische Forschungsansatzes – bestehend aus Nutzertests, Beobachtungen, Interviews, Befragungen, Expertenworkshops und einem intensiven Studium der vorhandenen Literatur – ist es Anja Naumann und ihrem Team gelungen verschiedene Typen von ICT (information communication technology) Nutzern zu identifizieren und auf zahlreichen Dimensionen im Detail zu beschreiben.

Anja Naumann während ihres interessanten und gehaltvollen Vortrags
Anja Naumann während ihres interessanten und gehaltvollen Vortrags

Vergleichbar mit dem uns schon bekannten Personas-Ansatz.
Die folgenden Aspekte dienten der Typenbildung und -beschreibung:

  • Einstellungen ggb. ICT
  • Wissen über und Erfahrungen mit ICT
  • Sicherheit im Umgang mit Computern
  • Sprachkompetenzen
  • Anforderungen ans Design
  • Kognitive Kompetenzen und Problemlösungsstrategie
  • Alter, kultureller Hintergrund und Zielorientierung.

Anbei eine Übersicht der ermittelten Typen:

  • Anxious
  • Trust Guided
  • Interested Amateur
  • Experienced
  • Pragmatic, Inspired
  • Gaming
  • Gadget Lover
  • ICT User

Mit Hilfe dieser Typen ist es möglich ICT an die Bedürfnisse von Nutzern anzupassen. Eine sehr gute Grundlage für nutzergerecht gestaltete ICT. Letztlich können die Typen und deren Beschreibung aber nur erste Anregungen und Ideen bereitstellen, konkrete Zielgruppenbefragungen können damit nicht ersetzt werden, sie sind weiterhin nötig.

„Brand Web globalization balanced by user experience“ war der Titel des hervorragenden Beitrags von Arne KittlerFork Unstable Media.
Er stellte dar, dass man bei globalen Websites – also Internet-Auftritten einer Marke in verschiedenen Ländern – einen Ausgleich zwischen länderspezifischen Inhalten (Texten, Bildern etc.) und identischen formalen Seitenlayouts finden muss. Letztere sind nötig, um viele, internationale Websites effizient aufzubauen und zu betreiben. Und dabei die Corporate Identity Vorgaben einzuhalten. Ausschlaggebend ist die Kenntnis der verschiedenen, lokalen Anforderungen an eine „nutzergerechte Websitegestaltung“ – inhaltlich und formal. Arne Kittler führte dazu Nutzertests (mit Prototypen, Kick-Dummys, Wireframes, Websites) in verschiedenen Ländern durch, in denen kulturelle Effekte auf die Website-Gestaltung erwartet wurden (z. B. Tests in Deutschland und China).

Einige Erkenntnisse aus Studien für die globalen Websites von Nivea:

  • Bekanntheit und Image der Marke in den Ländern bestimmen die relevanten Inhalte zu einem großen Teil.
  • Bildmotive müssen einen Bezug zum Land haben – u.a. bei der Auswahl von Models, Hintergründen etc.
  • Fun, Games, Entertainment müssen unterschiedlich behandelt werden – es gibt hier große, länderspezifische Unterschiede in der Beurteilung von „unterhaltsamen“ Inhalten.
  • User Participation and Social Media: Die Motivation zur aktiven Teilnahme weist große Unterschiede auf, die auch dazu führen können, dass entsprechende Funktionen auf einzelnen Ländersites nicht bereitgestellt werden (sollten).

Giorgio Venturi hielt einen Vortrag zu „Remote, synchronous user research for international usability: a case study“ – ein Thema, mit dem sich eResulter auf diesem Blog ja auch bereits intensiv beschäftigt haben und in Zukunft auch weiter beschäftigen werden.
In seinem kurzweiligen Vortrag stellt er eine Fallstudie vor, beschreibt die Methode und geht auf den Prozess der Erhebung ein (Europe, USA). Bei der Fallstudie handelte es sich um ein Testing mit BtoB Zielgruppen rund um das Thema „Keyword-Advertising“ und die Bedienung entsprechender Tools zur Verwaltung von Keyword-Ads.

Giorgio Venturi bei seinem Vortrag zum Thema Remote Usabilitytests
Giorgio Venturi bei seinem Vortrag zum Thema Remote Usabilitytests

Seine Erkenntnisse zu den zentralen Vorteilen solcher Tests:

  • man benötigt kein Usability-Lab, was die Kosten reduziert
  • geringerer zeitlicher Aufwand im Vergleich zum Labtest
  • realer Nutzungskontext
  • schwierige Zielgruppen nehmen teil (z. B. BtoB)
  • internationale Studien werden zu einem geringen Aufwand möglich
  • agile Usabilitymethode!

Nachteile, die Giorgio Venturi identifiziert hat:

  • keine nonverbale Kommunikation mit der Testperson
  • kulturelle Unterschiede zwischen Interviewer und Testpersonen bleiben bestehen.

Letzteres kann zu Kommunikationsproblemen führen, die letztlich nur dann auszugleichen sind, wenn man unterschiedliche Interviewer einsetzt, die denselben kulturellen Hintergrund wie die Testperson(en) haben.

Und dann gab`s noch einen Vortrag von Paul Sherman, Betreiber des UsabilityBlog.com. Wusste bis dahin gar nicht, dass es diesen Blog gibt. Wir haben uns super unterhalten und freuen uns auf eine enge Kooperation und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Schaut doch auch mal beim ihm vorbei. Sein Thema in Turin: „Getting Business, Design and Development Cultures to Work Together“. Super spannend und zentraler Gesprächsinhalt auf fast allen Pausen der Veranstaltung. Denn das interessante in Turin war, dass man hier auf Marketer, Designer, Entwickler, Konzepter und Usability Consultants treffen konnten, die alle eine doch etwas andere Sicht auf die Dinge haben. In dieser Form habe ich das Thema „Interdisziplinärität“ auf keiner Veranstaltung in 2008 erlebt.

Hoffe 2009 / 2010 gibt es eine 2. UPA Europe, wieder mit dem Motto:
Usability and Design – cultivating diversity!

Ein Gedanke zu „UPA Europe 2008 – 2. Tag: Mobile Design & Usability / Cross Cultural / Industrial Design

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