Interview mit Lorena Meyer zur nutzergerechten Gestaltung von regionalen Portalen, zielgruppengerechten Einstiegen und Kartentools

Portrait: Lorena Mayer Lorena Meyer (Projektleitung Internet/Neue Medien bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH)) hat uns in einem Interview drei Fragen zum Thema Tourismus- / Reiseportale beantwortet.

Inhaltlich geht es darum, welche Methoden und Verfahren zur Analyse des Nutzerverhaltens und zur Bewertung der Usability bei sh-tourismus.de eingesetzten werden. Zudem erfragten wir Ihre Meinung dazu, ob der Einsatz von alternativen Zugängen, wie sie beispielsweise Online-Shops im Bereich Mode mit unterschiedlichen Stilgruppen oder nach Anlässen anbieten, auch für Tourismus-/ Reiseportale sinnvoll bzw. denkbar sind. Abschließend stellten wir eine Frage zur Integration von Kartentools auf Tourismus- / Reiseportalseiten und baten Sie 1-2 gute Beispiele zu nennen.

Welche Methoden und Verfahren zur Analyse des Nutzungsverhaltens und zur Bewertung der Usability werden bei sh-tourismus.de eingesetzt?

Alle Online-Maßnahmen sollen noch stärker als bisher mess- und auswertbar sein. In die Plattform ist hierfür ein leistungsstarkes Statistik- und Web-Controlling-Tool integriert, das in Echtzeit jedes Detail des Besucherverhaltens auf der Website analysiert und elementare Kennzahlen zur Umsatzoptimierung und Steigerung der Kundenbindung liefert.
Die Ergebnisse des Web-Controllings auf Basis des Statistik-Tools sowie die individuelle Auswertung der Reportings zu Buchungen und Volltextsuch-Anfragen bieten eine ideale Basis für die Optimierung und Weiterentwicklung der Seiten, auch hinsichtlich der Nutzerfreundlichkeit.

Im Rahmen einer Offline-Befragung werden zudem Gäste in Schleswig-Holstein (Gästebefragung) auch nach der Kenntnis und einer qualitativen Bewertung der Webseite www.sh-tourismus.de befragt. In Zukunft sollen darüber hinaus auch Onsite-Analysen eingeführt werden, in denen die Nutzer direkt bei ihrem Besuch der Internetseite um eine qualitative Bewertung der Inhalte gebeten werden.

Als zentrale Maßnahme zur Optimierung der Nutzerfreundlichkeit hat die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH allerdings eine umfassende Usability-Studie der Tourismusplattform in Auftrag gegeben. Aus den Interviews mit verschiedenen Nutzertypen, die nach den Zielgruppenprofilen als Testpersonen ausgewählt wurden, erhalten wir detaillierte Ergebnisse und konkrete Optimierungsmöglichkeiten für die Plattform, die wir in Kürze umsetzen werden.

Auf Online-Shops wie z. B. otto.de oder neckermann.de beobachtet man, dass neben den klassischen Kategorien nach Produktgruppen (z. B. Hosen, Blusen, Jeans … bei Damenmode) zusätzliche Zugänge bereitgestellt werden, z. B. im Modebereich nach Anlässen oder Stilen, im Bereich Spielzeug nach Alterklassen oder Material. Sind vergleichbare Ansätze auch für Reiseportale denkbar und sinnvoll?

Hinter derartigen Kategorisierungen steht letztlich die Ausrichtung auf bestimmte Zielgruppen. Nicht mehr die Produktgruppen sondern die Bedürfnisse und Anforderungen dieser Zielgruppen werden also in den Vordergrund gestellt. Was im Modebereich beispielsweise Stilrichtungen sind, sind im Tourismus dann bedarfsgerechte Angebote für spezielle Zielgruppen wie beispielsweise hochwertige Reisen für die sogenannten Anspruchsvollen Genießer.

Selektionsmöglichkeiten bei TASH Genau auf diese Art und Weise ist auch das landesweite Tourismusportal für Schleswig-Holstein aufgebaut. Neben der regionalen oder thematischen Selektionsmöglichkeit von Informationen und Angeboten (z.B. Nordsee, Segelurlaub) wird auch das Selektionskriterium „exklusive Angebote für…“ angeboten. Hier werden über alle Urlaubsthemen und -regionen hinweg Informationen und Angebote in Schleswig-Holstein präsentiert, die auf die Bedürfnisse und Anforderungen an den Urlaub der jeweiligen Zielgruppe zugeschnitten sind.

Kartentools auf Reiseportalen haben schon eine gewisse Tradition. z.B. um alternativ zur Suche Hotels / Angebote einer Stadt auszuwählen oder die Hotels einer Stadt räumlich-geographisch darzustellen.
Gibt es aus Ihrer Sicht 1-2 Beispiele für eine gelungen Integration von Kartentools auf Reiseportalen oder sind die meisten einfach nicht gut umgesetzt?

Die Integration eines Kartentools ist sicherlich dann gelungen, wenn sie dem Nutzer einen Mehrwert bieten kann.
Das kann der Fall sein, wenn dem Nutzer durch die Karte eine Orientierungsmöglichkeit im Zielgebiet geboten wird. Der Nutzer kann interessante Angebote, Veranstaltungen und Übernachtungsmöglichkeiten in der Region positionieren/verorten.

Die Karte bietet dem Nutzer einen noch größeren Mehrwert, wenn sie als alternative Navigation zur klassischen Seitennavigation genutzt werden kann. Hier steht die Branche allerdings noch am Anfang. Wertvolle Funktionaltitäten wie intelligente Suchfunktionen in der Karte zur Vereinfachung der Kartennavigation müssen erst noch ausgeschöpft werden.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass die Karte komplett und kontextsensibel in den Internetauftritt integriert ist. Teilweise findet man sehr gute Umsetzungen von touristischen Karten, die allerdings als alleinstehendes Portal nicht den vollen Mehrwert bieten können. Ein Beispiel ist hier die Karte von Ostbayern Tourismus.

Eine Vollintegration findet man auch beim Portal für die Chiemsee-Region. Die Karte ist hier im Headerbereich integriert und zeigt den jeweiligen, auf der Inhaltsseite dargestellten Content in der Karte an.

Dieses Prinzip hat auch die TASH als eines der ersten Portale im Deutschlandtourismus eingesetzt. Das Kartenmodul ist auf allen Seiten an fester Stelle integriert und verortet den jeweiligen Content in der Karte an. So bietet sie eine Orientierungshilfe, kann aber auf Wunsch auch vergrößert werden und alternativ als eigenes Navigationswerkzeug genutzt werden.

Ein Gedanke zu „Interview mit Lorena Meyer zur nutzergerechten Gestaltung von regionalen Portalen, zielgruppengerechten Einstiegen und Kartentools

  1. Thorsten Wilhelm

    Vielen Dank für die wertvollen und anregenden Anmerkungen zu Zielgruppeneinstiegen, Methoden und Kartentools. Grad letztere Funktion finde ich super interessant und sehr herausfordernd. In Bezug auf die Einbindung in den Content-Seiten und auch in Bezug auf die Suche. Man beobachtet ja immer mehr, dass bei den Suchen und auf den Trefferlisten nach einer Suchanfrage Karten mit angeboten werden, darin dann die Markierung / Verortung der angezeigten Treffer (z. B. Hotels). Besonders herausfordernd finde ich es dann aber, wie man Liste und Karte paralell sichtbar machen kann, und dann auch noch die Funktionen wie Filter / Sortierung so integriert, dass sie verwendet werden können und zugleich die Inhalte der Listen und Karte anpassen. Da hab ich leider noch keine richtig gute Lösung gefunden. Wer dies ganz gut macht: http://www.bettenjagd.de. Karte, Filter und auch Liste sind zum mind. in Teilen stets im Blick. Die Filter erscheinen neben der Karte, wenn man sie eingeblendet hat. Eine aus meiner Sicht sinnvolle Lösung, da die Karte (=Hotelveroretung) hohe Relevanz haben sollte, wenn man sie einblendet. Schaut da mal vorbei (anbei ein Link zur Liste mit Karte, hoffe der funktioniert: –// http://bettenjagd.de/search/580650029/; wenn nicht, dann einfach Suche mal starten).

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