Mode im Internet – problematisch oder ein Kauf wie jeder andere?

„Das Material muss man anfassen können“, „die Größen fallen immer unterschiedlich aus“ – mit diesen oder ähnlichen Aussagen wird man bei Untersuchungen wie z.B. Usability-Tests im Labor oft konfrontiert, wenn es ums Einkaufen von Textilien im Internet geht. Eine aktuelle Studie von Yahoo zeigt jedoch, dass die Hemmschwelle beim Kauf von Kleidung über das Internet sinkt. Fast 50% bestellen häufig oder zumindest gelegentlich online.

Vorteile des Internets gegenüber dem stationären Handel sehen die Befragten besonders in „Einfachen Preisvergleichen“ (68%), der „großen Auswahl“ (63%) und der „Bequemlichkeit des Kaufs“ (61%).

Demgegenüber sind „Beratung“ und „guter Service nach dem Kauf“ die beiden Faktoren, die eher für den Einkauf im stationären Handel sprechen (65% bzw. 48%) sprechen – für das Sortiment Mode.

Bereits jeder Dritte konsultiert gemäß der Studie das Internet bei Kaufentscheidungen zum Thema Mode. Gerade Trends lassen sich einfach im Netz aufspüren und nur einen Klick entfernt finden sich auch schon die Shops, die die entsprechenden Produkte führen.

Über die Hälfte bezieht allerdings den Partner in die Entscheidung mit ein – offline! Warum dies nicht übertragen ins Internet? Social Shopping wird in den nächsten Jahren sicher noch an Bedeutung gewinnen. Virtuelle Communitys, die den Austausch ermöglichen, können zumindest teilweise die persönliche Beratung (die ja auch nicht immer objektiv sein muss – schließlich will man verkaufen…) im Ladengeschäft übernehmen.

Als Parade-Beispiel sehe ich hier die Shopping Community Smatch, wo der Austausch zwischen den Nutzern im Mittelpunkt steht – was findest Du für Produkte gut, welche Kombinationen haben andere Nutzer in Ihren Listen angelegt? Massenhaft Potenzial zum stöbern und neue Ideen generieren.

Oder auch Polyvore, wo ebenfalls eigene Produktzusammenstellungen – hier aber zusätzlich ansprechend arrangiert – bewertet („Ich mag das Set“) oder kommentiert werden können.

Ich denke da auch wieder an das Thema virtuelle Anprobe; sicherlich anspruchsvoll in der Umsetzung, aber ein denkbarer Ersatz für den Gang in enge, schlecht beleuchtete Umkleidekabinen.

Die virtuelle Anprobe von H&M hatte ich in diesem Zusammenhang ja schon mal an andere Stelle genannt, sehr flexibel ist auch der Styling Shop vonOtto. Dieser ist in der Kategorie „Damen“ unter „Themen » Styling Shop“ zu finden ist, einer direkte Verlinkung ist leider aufgrund Session-ID nicht möglich.

Der Styling Shop von Otto.de
Der Styling Shop von Otto.de

Oft geht es hierbei ja um die Übertragbarkeit von Offline-Erlebnissen in die Online-Welt – muss das aber sein? Mir sind in letzter Zeit aber kaum Sachen aufgefallen, die dieser Logik widersprechen.

Hat da jemand kürzlich etwas Innovatives entdeckt?

Die oben genannte Studie gibt’s übrigens bei Yahoo auch zum Download, hierzu ist lediglich eine Registrierung nötig.

8 Gedanken zu „Mode im Internet – problematisch oder ein Kauf wie jeder andere?

  1. Moritz

    Hallo Anja,

    Hier der Link zum Otto Styling Shop:
    Otto Styling Shop

    Gerade virtuelle und inspirierende Online-Applikationen sind m.E. dazu geeignet, Nutzer zu einem Spontankauf zu bringen. Während die klassische Produktdarstellung oft durch suboptimale Fotografie glänzt (welche den Nutzer zum überlegen bringt: „Passt das wirklich?“), sind Applikationen wie OTTOs Style Finder dazu geeignet die Nutzer zum Kauf zu überreden. Oft sind sie so begeistert von der Darstellung, dass die Hemmschwelle „Kleidung kaufe ich lieber offline“ heruntergesetzt wird.

    Ich denke und hoffe dass es in 2009 noch mehr Applikationen dieser Art geben wird – und Modekauf im Internet noch deutlich an Fahrt gewinnt.

    Was ich klasse finde:
    Die virtuelle Modenschau der Distilled-Collection direkt auf der Startseite des Shops. Ein Model präsentiert hier in einer Endlosschleife alle Artikel des Shops. Gleichzeitig werden die jeweiligen Artikel welche das Model trägt auch gleich verlinkt – super innovativ wie ich finde.

    Gruß,
    Moritz

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  2. Anja Weitemeyer Beitragsautor

    Hey, danke, das ist ja mal eine lustige Idee, erinnert mich an einen Pro7 Eigenwerbespot mit Bully und Stefan Raab 😉
    Super Umsetzung!
    Auch gut gemacht: Die unterscheidlichen Locations im Hintergrund – entspricht ja im Endeffekt auch einer Beratung: „Passend fürs Büro“ etc.

    Bin sehr gespannt, was uns 2009 noch alles an neuen Ideen erwartet.
    Anja

    PS: Hab grad gesehen, dass oben im Beitrag das Bild fehlt, sorry, wird gleich aktualisiert.

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  3. Tobias

    in letzter zeit überzeugt mich v.a. http://www.asos.com durch klare benutzerführung, inspirierende (trend-)sets und die gute integration von videos. bei spreadshirt versuchen wir aktuell via twitter die vorteile von offline- und online-shopping von mode zu verknüpfen und lassen ausgewählte kunden neuheiten im sortiment vorab testen

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  4. Anja Weitemeyer Beitragsautor

    @ Tobias: das klingt spannend, Twitter ist sicherlich auch mal ein eigenes Thema hier wert…

    Bei asos ist mir gleich wieder aufgefallen, wie schön doch im englischen „Complete the Look“ klingt. Da haben wir mit „Vervollständigen Sie Ihre Auswahl“ oder „dazu passt“, sprachlich klar den kürzeren gezogen 😉

    Und die Catwalk-Videos können sich echt sehen lassen. Super Beispiel!

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  5. Pingback: Otto Styling Shop | Mail Men

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