Optimale Gestaltung der Textgrößen-Anpassung auf Websites

Hatten Sie schon mal Probleme, Texte auf Websites zu entziffern, weil die Größe einfach unzumutbar war? Wir haben dieses Thema zum Anlass genommen, die verschiedenen Alternativen der Größenänderung auf Websites ein wenig zu beleuchten.

Zunächst einmal zur Bedeutung dieser Funktion:
Erwartungsgemäß wird die Textvergrößerung von den älteren Nutzern als wichtiger angesehen: Während nur 12,9% der unter 30-jährigen dieses bestätigen, liegt der Anteil bei der Generation 50+ bei 44,6%.

46% der deutschen Webnutzer (repräsentative Stichprobe gemäß AGOF) haben schon einmal bewusst die Größe von Texten verändert – dabei nutzen 54,6% das Angebot von speziellen Symbolen, die der Websitebetreiber zur Verfügung stellt. Aber auch 50,4 % haben dazu schon einmal die Einstellungen Ihres Browsers verändert. Auch weitere Lösungen wurden erfragt, die die Teilnehmer anwenden: Hier kamen Antworten wie „Bildschirmauflösung ändern“ oder eine gar ausgefallene Lösung „Text in Word kopieren und dort vergrößern“. Sicher zielführend – aber es geht ja auch einfacher.
Von den über 50-jährigen haben sogar 60% bereits einmal diese Funktion benutzt, nur ein Drittel ist allerdings damit vertraut, dieses über den Browser vorzunehmen. Die Mehrheit nutzt die Symbole, die von den Site-Betreibern angeboten werden.

Doch wenden wir uns nun den 54% der Internetnutzer zu, die noch nie die Schriftgröße verändert haben; wüssten diese, wie Sie zum Ziel kämen?
Antwort: 35,2% wüssten keine Methode, um die Schriftgröße zu ändern!

Diese Möglichkeiten, die der Browser bietet, sollte also auf Internetseiten an geeigneter Stellen (z.B. bei den FAQs) genannt werden oder eine eigene Vergrößerungsoption auf der Website angeboten werden.

Allen Befragten haben wir im Anschluss drei Varianten präsentiert, mit denen eine Textvergrößerung auf Websites angeboten werden könnte.

Varianten zur Textvergrößerung

Ergebnisse

Im Bezug auf die Verständlichkeit schlägt der schlichte Text (Variante 2) erwartungsgemäß die Symbollösungen (Varianten 1 und 3). Hier können kaum Missverständnisse bei der Deutung geschehen, wenn man der deutschen Sprache mächtig ist.
Doch wie sieht es mit der Bedienung aus? Ist eindeutig, wo man klicken muss, um die Schrift zu vergrößern? Auch hier überzeugt die Textvariante mit der klassischen Darstellung des unterstrichenen Links, diese Darstellung ist gelernt und wird intuitiv verstanden.
An zweiter Stelle liegt die Variante 1 – bekannt von diversen Zoomfunktionen (angelehnt an die Darstellung einer Lupe) ist auch hier klar, wie man zum gewünschten Ergebnis, der Textvergrößerung, kommt.
Die wohl unbekannteste Buchstaben-Variante mit angefügten Plus-Zeichen landet auf dem letzten Rang. Die Interpretation dieser in sich sehr durchdachten Darstellung, fällt spontan schwer.
Ist denn auch erkennbar, welche Größen-Einstellung aktuell gewählt ist? Variante 2 geht hier nochmals als Sieger hervor, die Kennzeichnung von „größer“ und „kleiner“ als unterstrichene Links, macht deutlich, wo der Standpunkt ist.
Auf dem zweiten Platz hier die Variante 3, wo der aktuelle Größeneinstellung durch eine Unterstreichung markiert ist. Also auch die genau umgedrehte Markierung wird vom Nutzer durch Ausschlussverfahren richtig gedeutet.
Die Anzeige des Standpunktes in einer anderen Farbintensität der Variante 1 kann dagegen nicht überzeugen. Auf diese Kennzeichnungsmethode sollte also nicht zurückgegriffen werden, da die Erkennbarkeit am Bildschirm nicht optimal ist.

Fazit

Elegante Symbole und ausgefeilte Darstellungsoptionen betten sich oft zwar besser in die Website ein und sind platzsparend. Fragt man aber den Nutzer, so ist die schlichte Lösung mit einfachen Textlinks immer noch am verständlichsten und am intuitivsten bedienbar. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist sicherlich die Zielgruppe, an die sich die Website wendet – z.B. in Bezug auf das Alter. Hier kann dieses Angebot Vertrauen wecken und den Nutzer an die Seite binden.

Zur Methodik

Insgesamt wurden in einer panelbasierten Online-Befragung 600 deutsche Internetnutzer (Quotierung nach AGOF) befragt. Die Umfrage wurde im Rahmen der monatlich stattfindenden Bus-Befragung der eResult GmbH durchgeführt (Monat: Januar2009).

10 Gedanken zu „Optimale Gestaltung der Textgrößen-Anpassung auf Websites

  1. Askold

    Oh sehr schön … Danke, mit die Problematik mit welchen Darstellungstyp der Nutzer am besten klar kommt, habe ich mich vor kurzem auch beschäftigen müssen. Da bestätigt sich die Vermutung, dass Nutzer eher lesen als Symbole zu interprätieren.

    Irretierend ist jedoch, dass Variante 3 meinem Empfinden nach am häufigsten auf Webpräsenzen als Darstellungsmethode genutzt wird.

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  2. Claus

    @Akold: auch nach meinem Empfinden ist die Variante 3 auf den meisten Seiten zu finden. Was aber schlicht m.E. daran liegt, dass sich viele keine Gedanken darüber machen, ob das Werkzeug auch verstanden wird. Sondern es wird einfach kopiert, eben weil es andere auch so machen…
    Besonders ältere Benutzer gehören noch zu den Lesenden. Sie lesen lieber, statt Symbole zu interpretieren, die aus einer ganz anderen Generation und einer neuen Ästhetik entspringen…

    Danke, für den Artikel, im Übrigen. Super, dass es jemand so schön schreibt und auf den Punkt bringt. Viele Menschen wissen nicht einmal um den Umstand, dass man einfach Schriften vergrößern kann… oder wer kennt schon die Tastenkombination beim Firefox STRG + und STRG -?

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  3. Anja Weitemeyer Beitragsautor

    Meine Erwartung ganz zu Beginn war auch, dass die Variante 3 gewinnt, da ich diese Lösung extrem durchdacht finde. Aber dazu betrachtet man selbst die Problematik mit ganz anderen (Usability-)Augen und denkt sich in die Hintergründe und Absichten hinein. Die Ergebnisse zeigen schön, dass der „Durchschnitts-User“ eben doch anders tickt.
    In diesem Fall ist die Darstellung durch kurze und prägnante Wörter ja auch gut lösbar, wenn ich lange Erklärungen benötige, kann das schon wieder ganz anders aussehen, dass dann wiederem eher nicht gelesen wird, sondern Symbole evtl. geeigneter sind.

    @Claus: Stimmt, Zielgruppe ist gerade in diesem Anwendungsfall besonders wichtig.

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  4. Michael Haschke

    Was uns natürlich zu der Diskussion bringt, ob dieses Werkzeug überhaupt notwendig wäre, wenn die Schriftgröße (zumindest im Hauptinhalt) nicht ständig verkleinert wird. Auch auf dieser Seite wurde auf 75% reduziert. Leider scheint weitläufig die Meinung verbreitet, dass „optisch schmeichelndes“ Webdesign nur mit kleiner Schrift möglich ist. Gute Benutzbarkeit zeichnet sich doch eher dafür aus, dass unnötige Werkzeuge vermieden werden, selbst wenn diese dann ganz „einfach“ wären.

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  5. Claus

    Naja, es ist ja schon so, dass es diesen Trend zur Minischrift gibt. Aber auf der anderen Seite sollten wir uns immer vor Augen führen, dass im Medium Web der Benutzer die Freiheit hat, zu sagen, wie er den Inhalt haben möchte. Das ist der große Vorteil vom Web. Daher ist es schon wichtig, keine Schrift fest vorzugeben. Weder 75% noch 100% noch 110%… der Benutzer soll die Freiheit haben.

    Es kommt auf die Zielgruppe an: Wenn ich von vornherein eine Zielgruppe habe, die sich mit der 75%igen Schrift schwer tut, dann gehe ich lieber gleich auf 100% oder mehr, statt dieses Manko mit unterschiedlichen Features beheben zu wollen…

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  6. Thomas Scholz

    Ich halte diese zusätzlichen Features in jeder Form für einen Usability-Alptraum: Man wird nie eine Lösung finden, die wirklich jeder erkennt und versteht; die Stufe der Skalierung ist für den Leser nicht vorhersagbar, ebensowenig deren »Haltbarkeit«; und man hat ein weiteres Element, das vom eigentlichen Inhalt ablenkt.

    All dem geht man aus dem Weg, indem man die Schriftgröße des Lesers einfach nicht anfaßt. Das mache ich schon immer so, auch in kommerziellen Projekten. Und mindestens zweimal war die »gute Lesbarkeit« meiner Projekte schon ein entscheidender Faktor für das Zustandekommen eines Vertrages.

    Das Hinterherflicken kostet nur Zeit, Traffic – und Leser. Es setzt einfach zu spät an.

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  7. Askold

    @Anja
    Ich finde auch, dass die Variante 3 sehr durchdacht wirkt und werde Sie eventuell trotz dieses Testergebnisses einsetzen.

    Vielleicht werde ich mir auch eine ganz neue Variante einfallen lassen. Eine Mischung aus aus zweien.

    Leider wurde in diesem Artikel nicht der Kontrast der Schrift zum Hintergrund beachtet. Denn es nützt nichts die Schrift zu vergrößern, wenn beispielsweise eine hellgraue Schrift auf weißem Hintergrund liegt. Lesen kann man dann auch bei sehr großer Schrift nichts mehr.

    Finde es echt gut diesen Blog hier gefunden zu haben. Die Themen sind echt interessant und vorallem wichtig für jede Präsenz.

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  8. Anja Weitemeyer Beitragsautor

    Völlig richtig, Kontrast ist ebenso wichtig, das wäre noch mal ein weiterer Untersuchungsgegenstand.
    Wir erleben es immer wieder, dass bei der Farbgestaltung die Ästhetik (oft natürlich extrem subjektiv) oft vor die Lesbarkeit gestellt wird. Gelb auf weiß finde ich besonders schlimm. Dabei ist es doch eigentlich gar nicht so schwer.
    Einen Online-Check für Kontrast gibt es natürlich auch. Genaue Farbwerte eingeben und schon hat man ein objektives Ergebnis.

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  9. Pingback: The Art of Web Usability » Blog Archive » Usability-Hürde Schriftgröße

  10. Pingback: Jahresrückblick 2009 - Leser, Themen und Funktionen | usabilityblog.de

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