Usability-Tests am Mac

Noch vor zwei, drei Jahren war man als Nutzer eines Apple Macintosh eher ein Exot. Heute sieht man auf Konferenzen immer mehr Macbooks und man wird als Mac-Mensch nicht mehr schief von der Seite angesehen, sondern eher anerkennend und manchmal sogar neidisch. Doch als Usability-Tester müsste man eigentlich noch immer eher mitleidige Blicke ernten.

Der Grund ist: es gibt meiner Meinung nach keine ordentlichen Programme für Usability-Tests auf dem Mac. Es muss ja nicht gleich so eine umfassende Lösung sein wie Morae von Techsmith. Es würde ja ein kleines, feines Programm reichen, das ein paar Grundfunktionen abdeckt.

Warum überhaupt auf dem Mac testen?

Wer selbst mit dem Mac arbeitet, würde auch gern auf dem Mac testen. Aber das ist nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wichtiger ist das Testen auf dem Mac, wenn man Testpersonen hat, die selbst nur den Mac gewohnt sind. Auch an solche Testpersonen gerät man inzwischen immer häufiger. Lässt man diese unter Windowas arbeiten, dann testet man unabhängig von der Fragestellung unfreiwillig auch, welche Probleme Macnutzer an Windows-Rechnern haben.

Auch Software, die entweder nur auf dem Mac läuft oder auf dem Mac anders umgesetzt ist, möchte man natürlich am Mac testen.

Welche Möglichkeiten gibt es?

An einem ist auf dem Mac kein Mangel: an Programmen, die aufzeichnen, was auf dem Bildschirm passiert (Screenrecorder). Die meiner Meinung nach besten Programme dazu:

» SnapzXPro (Preis: 69 US$)
Das ältestes Programm zum Screenrecording. Es ist weit verbreitet, doch inzwischen gibt es bessere Alternativen. Am lästigsten sind die unglaublich langen Rechenzeiten, wenn nach der Aufnahme das Video auf die Festplatte gespeichert wird.

SnapzXPro

» Screenium (Preis: 29 €)
Ein preisgünstiger Newcomer. Sehr schön: hier kann man das Bild der in allen neuen Macs eingebauten Webcam (iSight) im Video mit aufzeichnen. Mausklicks visualisiert das Programm auch.

» iShowU HD Pro (Preis 59,95 US$)
Das Programm ist robust und lässt auch die Aufzeichnung von Teilen des Screens zu. Mausklicks und Tastendrücke werden visuell dargestellt.

» ScreenFlow (Preis: 99 US$)
Das teuerste Programm, aber auch das flexibelste. Der größte Pluspunkt: Es nimmt das Bild der iSight-Kamera in einer eigenen Spur auf, so dass man dieses später auf dem eigentlichen Film ein- und ausblenden, verschieben etc. kann. ScreenFlow hat einen eigenen Editor, mit dem man die Videos nach der Aufnahme schneiden und mit Anmerkungen, Hervorhebungen usw. versehen kann.

ScreenFlow

» Silverback (Preis: 49,95 US$)
Erst wenige Monate alt ist das Programm Silverback. Es ist das einzige (das ich kenne), das speziell für Usability-Testing am Mac konzipiert ist. Die Oberfläche des Programms ist schön, sie folgt den üblichen Standards, die Bedienung ist einfach.

Silverback 2

Einfach ist auch, was das Programm bietet: Screenrecording. Das Bild der iSight wird auf Wunsch mit aufgenommen und fest ins Video gesetzt. Mausklicks und Tastendrücke werden auf Wunsch recht schön visualisiert. Und das war′s auch schon. Das Einzige, was Silverback von den oben erwähnten Programmen zum Screenrecording unterscheidet, ist die Möglichkeit, die Aufzeichnungen in Projekten zu organisieren. Vom Ansatz her schön, aber etwas unflexibel. Und man kann nichteinmal ins Video hineinsehen – dazu muss man die „Session“ eigens exportieren. Der Export ist auch nicht schnell und bietet wenig Möglichkeiten, die Qualität bzw. den Videocodec einzustellen.

Silverback 3

Ein großer Nachteil: bei meinem Test hat das Programm bei drei von fünf Aufzeichnungen das Video der iSight nicht mit aufgenommen, obwohl diese Funktion in den Einstellungen aktiviert war. Auch ist das Programm beim Exportieren einmal abgestürzt. Es lohnt sich sicher zu beobachten, wie das Programm weiterentwickelt wird. Aber die derzeitigen technischen Mängel sind für mich ein KO-Kriterium. Ein Usability-Test lässt sich nun einmal nicht mehr wiederholen.

Fazit

Wer Usability-Tests auf dem Mac aufzeichnen will, fährt meiner Meinung nach am besten mit iShowU HD Pro. Wer auf die Darstellung von Tastendrücken im Video verzichten kann, dem reicht auch iShowU HD, das nur die Hälfte kostet. Dann kommt auch Screenium in Frage, es kostet etwa gleich viel.

Wer seine Videos auch Nachbearbeiten will, dem der sollte sich ScreenFlow zulegen, das ist das Programm, was den besten Eindruck macht, zuverlässig läuft und am meisten Funktionen bietet.

Schließlich ist noch zu erwähnen, dass Techsmith an einer Mac-Version von Camtasia arbeitet. Die PC-Version von Camtasia bietet noch mehr Funktionen als ScreenFlow. Ein Veröffentlichungstermin der Mac-Fassung ist noch nicht bekannt. Leider plant Technsmith keine Mac-Version von Morae, das speziell für Usability-Tests ausgelegt ist und z. B. auch Eyetracking bietet. Die einzige Möglichkeit für Eyetracking auf dem Mac ist derzeit, auf diesem Windows über Bootcamp oder eine Virtualisierungs-Lösung (wie Parallels, VMware) zu installieren. Aber dann läuft das Programm nur auf der Mac-Hardware, das Betriebssystem ist dann trotzdem wieder Windows.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Usability-Tests auf dem Mac? Kennt jemand eine Lösung, die uns entgangen ist? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

4 Gedanken zu „Usability-Tests am Mac

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  3. Jens Jacobsen

    Nachtrag: Mittlerweile gibt es zwei weitere Alternativen: Techsmith hat Camtasia für den Mac vorgestellt. Es ist eine gute Lösung, ein erster Test von mir verlief vielversprechend. Einen ausführlichen Test hat die Macworld unter: http://www.macworld.com/article/142683/2009/09/camtasiamacreview.html?lsrc=rss_main
    Außerdem kann Mac OS X 10.6 (Snow Leopard) jetzt mit QuickTime 10 direkt aufzeichnen, was auf dem Bildschirm passiert (Menü Ablage/Neue Bildschirmaufnahme). Für einen schnellen Test ist das eine Notlösung, für ernsthafte Arbeit aber kaum geeignet, da wichtige Funktionen fehlen.

    Antworten
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