Wie lang sollten Startseiten auf Online-Shops sein?

Möchten die Webnutzer/-innen überhaupt nicht scrollen, wenig oder ist es egal? Wir haben nachgefragt, im Rahmen des monatlich stattfindenden eResult-Omnibus, einer klassischen Mehrthemenbefragung.

40,4% der deutschsprachigen Webnutzer/-innen möchten auf der Startseite von Online-Shops überhaupt nicht scrollen.

Die Bereitschaft auf einer Startseite zu scrollen, besteht bei 42,8% der befragten Personen dann, wenn hierfür idealerweise nicht mehr als ca. 1,5 Scrollraddrehungen notwendig sind (bei einer Auflösung von 1024 x 768 entspricht dies ca. eine Länge von 1500 Pixel, also ungefähr 2 Bildschirmseiten).

Langes Scrollen, also das Mausrad noch öfter drehen, möchten nur noch 7,9% der Befragten.

Frauen sind generell eher bereit zu scrollen als Männer und lassen sich anscheinend schneller oder stärker dazu verleiten weiter bzw. länger zu scrollen.

Bei den alterspezifischen Unterschieden stechen die eher scrollbereiten Zielgruppen der unter 20jährigen und der über 60jährigen hervor. Im Gegensatz dazu möchte die Gruppe der 40 – 49jährigen eher überhaupt nicht scrollen.

Es hat sich zudem herausgestellt, dass die Scrollakzeptanz der Webnutzer- /innen deutlich zunimmt, wenn sie ohne konkretes Ziel stöbern um sich inspirieren zu lassen. Der Anteil der Befragten, die dann bereit sind auch länger zu scrollen erhöht sich von unter 10% auf über 20%.

Einen ähnlichen Einfluss hat auch der Umstand, inwieweit Produkte auf der Startseite als interessant eingestuft werden. Hier sind ebenfalls ein Fünftel der Befragten bereit, bei entsprechendem Interesse, länger zu scrollen.

Erstaunlich ist, dass Faktoren wie die Stimmung, die Bildschirmauflösung oder Intensität der Internetnutzung keinen signifikanten Einfluss auf die Scrolltoleranz haben.

Fazit

Startseiten von Online-Shops sollten daher nicht sehr lang sein – höchstens 2 Bildschirmseiten, damit der Nutzer nicht mehr als ca. 1,5 Scrollraddrehungen benötigt um den Inhalt der Startseite vollständig erfassen zu können (bei einer Auflösung von 1024 x 768 Pixel).

Es lohnt sich, und dies macht die Studie deutlich, auf die Besonderheiten der Zielgruppe einzugehen und geschlechts- und altersspezifische Unterschiede zu berücksichtigen.
Und, je länger eine Startseite ist, desto interessanter sollten die Produkte für den Nutzer sein.

Befragt wurden 600 Webnutzer/-innen, annähernd repräsentativ für deutsche Webnutzer/-innen.

Den kompletten Forschungsbeitrag mit ausführlicheren Informationen finden Ihr auf der eResult-Website.
Ebenso steht die Studie als PDF zum kostenlosen Download bereit.

10 Gedanken zu „Wie lang sollten Startseiten auf Online-Shops sein?

  1. Tom

    Wie so oft muss auch hier der Shopbetreiber einen Spagat machen. Für Google soll möglichst viel Text auf die Seiten, aber der User sieht lieber gleich die Produkte.

    Aber was wird denn als Startseite definiert? Kategorien und Produktseiten können für Besucher, die von Suchmaschinen kommen, ja auch „Startseiten“ sein.

    Antworten
  2. Bärbel Jüngel

    Shopbetreiber habe es sicher nicht leicht, es allen Besuchern Recht zu machen. Wichtig ist daher immer, dass man seine Zielgruppe genau kennt und auch weiß, nach welchen Personas man sich vorwiegend richten sollte. Für den Nutzer interessante Produkte erhöhen sicher die Scrollakzeptanz. Hierzu können personalisierte Startseiten viel beitragen.

    In die Studie sind wir von der „Klassischen Startseite“ ausgegangen, also keine Landingpages. Wäre sicher eine interessante Frage für eine nächste Studie, wie die Scrollakzeptanz ist, wenn man direkt in den Shop einsteigt. Wir werden dieses auf alle Fälle im Auge behalten.

    Antworten
  3. Askold

    Ich glaube allgemein sollte die Startseite als auch die LandingPage als jede andere Seite nicht mit viel Scrollen verbunden sein. Oft ist dies zwar nicht anders lösbar, aber versuchen sollte man es.

    Antworten
  4. Bärbel Jüngel

    Ich denke, da haben Sie nicht ganz unrecht. Ich meine auch, dass die Voreinstellungen für Landigpages auch nicht sehr lang sein sollten. Landet der Besucher auf einer solchen, z.B. Produktübersichtsseite kann man ja dann eine Möglichkeit anbieten, dass der Nutzer die Produktanzahl einstellen kann die er angezeigt bekommen möchte. Und eine Produktseite (Detailseite) sollte eh nicht sehr lang sein.

    Antworten
  5. Thorsten Wilhelm

    Vielen Dank für die klasse und gehaltvolle Diskussion.
    Was haltet ihr von folgender Idee: Man überläßt es dem Nutzer, in Online-Shops, wie lang zentrale Seiten haben will? Er kann vorab einstellen, ob er auf Suchergebnisseiten 12, 24 oder alle Produkt sehen will, ob er auf der Startseite alles unter- oder nebeneinander haben möchte und wie er sich die Produktdetailseiten auf ideale Weise vorstellt: Alles untereinander angeordnert oder z. B. in Form einer Contentnavigation über Reiter jede einzelne Informationseinheit separat dargestellt.
    Immer wieder kann der Nutzer / Besucher diese Einstellen verändern, anpassen.
    Fände ich klasse, wäre doch mal ein nützlicher Service auf Online-Shops, oder?

    Antworten
  6. Askold

    Landingpages wo der User selbst einstellen muss, wie viel er sehen will, finde ich ebenfalls als nicht sinnvoll. Die Landingpage oder die Startseite sollte nur wenige Produkte oder Artikel anbieten auf die der User aufmerksam gemacht werden soll. Eventuell auch nur ein einzelner Artikel. In der Suche, so würde ich jedenfalls denken, möchte jeder User mehrere/viele Ergebnisse angezeigt bekommen – diese sollte er aber von selbst ausführen und nicht von einer Suchmaschine hingeleitet werden.

    Obwohl ich das denke, habe ich es auf meiner eigenen Seite jedoch selbst noch nicht verbessert 🙁

    Antworten
  7. squibby

    Was mir persönlich fehlt ist eine deutlichere Aussage, warum die Nutzer letztlich nicht scrollen – außer Faulheit. Denke, das Verhalten “nicht scrollen” ist von den Startseiten unbewusst mit anerzogen worden. Sozusagen ein unerwünschter Nebeneffekt, der sich eingeschlichen hat.

    Hintergrund: Die wichtigsten, interessantesten, neusten Produkte oder Artikel stehen immer oberhalb des Pagefolds. Weniger relevante, neue, interessante Produkte oder Artikel stehen unter diesem Hauptteil und sind unterhalb des Pagefolds. Strategisch auch richtig.
    Hinzukommend, der untere Seitenbereich meist mit Werbung zugepflastert. Jedoch ist dadurch mit Sicherheit bei manch User gelernt, dass je weiter runter er auf einer Startseite scrollt, desto unwichtiger oder auch älter sind die Einträge. Und wer mag schon unwichtiges, veraltetes, für ihn unrelevantes ansehen? Da haben die User natürlich keine Lust zu scrollen.

    Außerdem ist das Bedürfnis der Nutzer, schnell zur gewünschten Information zu kommen und damit ein Erfolgserlebnis zu haben, nicht zu unterschätzen. Lange Startseiten schrecken deswegen vielleicht ab und verunsichern eher, da sie schwer zu überblicken sind und erstmal nicht erfolgversprechend erscheinen. Das kann manch User schon verunsichern oder überfordern.

    Es ist der gleiche Effekt wie in einem großen Kaufhaus. Man betritt den Laden und wird von der Vielfalt und Größe erschlagen 😉

    1,5 – 2 Srollraddrehungen sind doch schon mal ein guter Anhaltspunkt. Zwei Umdrehungen mehr, um zum Seitenende zu gelangen, kann auch Niemanden schaden. Die, die es mögen scrollen und die, die es nicht mögen, machen es eben nicht. Man wird es keiner der beiden Gruppen recht machen können. Das entspricht auch der Aussage der Statistik: ca. 40% der User sind laut Studie gegen das Scrollen auf der Startseite.

    Aber für die Seitenbetreiber ist es eine Möglichkeit viele ihrer Produkte anzuzeigen. Last but not least, die Klickstatistiken geben dem Konzept ja auch Recht. Es wird nach unten gescrollt und auch geklickt! Treiber ist die Relevanz.

    Antworten
  8. Thorsten Wilhelm

    Relevanz, denke das ist ein sehr gute Stichwort, schaut man sich da nur mal dioe Amazon Startseite an: Eine der erfolgreichsten Shops im Web und der kommt auch dann nicht mit einer „kurzen“ (1,5 Scrollradumdrehungen) Seite hin, wenn man nicht eingeloggt ist – sich aber schon mal auf dem Shop bewegt hat. Abgeleitet aus dem Klickverhalten werden interessante, „relevante“ Produkte gezeigt und wenn dem so ist, dann scrollt man halt auch mal und gern, läßt sich inspirieren und beginnt zu stöbern, das gelingt aber nur über die Relevanz, nur wenn da wirklich interessante Produkte und Services angeboten werden, dann schaut man sich um und auch den unteren Seitenbereich an. Leider gelingt das aber den meisten Shops nicht, daher auch die Ergebnisse dieser Studie. Relevanz und Erwartungskonformität sind die aus meiner Sicht zentralen Erfolgsfaktoren eines Online-Shops – und Amazon macht in Bezug auf Relevanz schon viele Jahre einen perfekten Job, den anderen nicht so schnell werden aufholen können. Dies wird nur mit „neuen“ Ideen gelingen, die über die Amazon Konzepte hinausgehen und eine neue Dimension der Kundenorientierung darstellen, man darf gespannt sein, was da kommt …

    Antworten
  9. Pingback: Auf einer Startseite dürfen keine großen Aufmerksamkeitslücken entstehen – Wie erreicht man das? | usabilityblog.de

  10. Pingback: yahelo gmbh Online Infoblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.