80/20 Regel… oder wie man sich auf das Wesentliche fokussiert!

  • 80% des Traffics auf einer Website finden auf 20% der Seiten statt
  • 80% der Innovationen im Webdesign entstehen auf 20% der Websites
  • 80% des Gewinns eines Online-Shops werden von 20% der angebotenen Produkte „erzielt“ usw.

Solche Regeln kann man für fast jedes System, jeden Bereich unseres privaten und geschäftlichen Lebens anwenden. Sie sind wichtig, wenn es darum geht begrenzte Ressourcen (Zeit, Personal, Kapital) effizient zu planen und zu verteilen. Das betrifft jede Art von Aufwand innerhalb aller Phasen des Aufbaus, der Pflege, Optimierung und Evaluation einer Website – beginnend bei der Analysephase, über die Konzeption bis hin zum Betrieb.

Wie kann man einschätzen, welche 20% die entscheidenden sind?
Oder anders: Wie geht ihr vor, um die wesentlichen 20% zu identifizieren?

Nicht alle Elemente und Funktionen einer Website, inkl. des Designs im engeren Sinne, haben den gleichen Beitrag auf den wahrgenommenen Nutzwert und die wahrgenommene Attraktivität (aus Nutzersicht).
Es gibt Funktionen und Elemente, die erwartet werden und müssen daher zwingend bereitgestellt werden, wenn man die Besucher einer Site nicht verärgern und zum Wettbewerb abziehen lassen will. Man bezeichnet diese auch als Basis- oder Hygienefaktoren. Welche das sind, das kann letztlich nur im Rahmen einer Nutzerbefragung ermittelt werden, oder auf Basis fundierter Erfahrungen.
Ein Beispiel hierfür wäre eine Vorschlagsfunktion bei der Produktsuche eines Online-Shop, die Bedeutung und Relevanz dieser Funktion hat Katja in zwei Beiträgen thematisiert:

Da sich die Anforderungen von Webnutzern verändern – in der Regel steigen sie – kommt es vor, dass Funktionen und Elemente, die heute noch nicht erwartet werden, in der Zukunft ein absolutes MUSS sind bzw. sein können.

Wie geht ihr vor, um die 20% der zentralen Elemente und Funktionen einer von euch betreuten Website zu identifizieren?

Beispiel: Mircosoft Excel
GUIs „verstecken“ die meisten Funktionen in Drop-Down Menüs (Bild 1). Das reduziert die Komplexität, sorgt aber auch dafür, dass einzelne Funktionen zunächst nicht zugänglich sind. Die Lösung dieses „Problems“ und Anspruchs (Reduzierung von Komplexität) besteht darin die zentralen, nützlichsten und meist gesuchten Funktionen (20%) zu identifizieren und sie in Form von Symbolleisten darzustellen (Bild 2).

Drop-Down Menü
Abbildung 1: Drop-Down Menü bei Excel
Symbolleiste
Abbildung 2: Symbolleiste mit den wichtigsten Funktionen

Nicht nur für Microsoft und Co. relevant, m.E. für jede Site und jeden Site-Betreiber. Freue mich auf eure Beiträge…

3 Gedanken zu „80/20 Regel… oder wie man sich auf das Wesentliche fokussiert!

  1. Moritz

    Um herauszufinden, welche 20% der Webseite zu den zentralen Elementen gehören muss man zwingendermaßen in ein Web Analyse Tool (z.B. Google Analytics) schauen.

    Beispiel Online Shop:
    Schaue ich mir die Top 10 der Landingpages an, vergleiche dann die Absprungrate (=Nutzer hat nicht einen Klick auf der Seite gemacht) dieser Seiten mit dem Websitedurchschnitt so weiß ich genau wo ich mit meiner Optimierungsarbeit anfangen muss. Genauso kann man bei der Keywordanalyse vorgehen (welche meiner gebuchten Keywords funktionieren am besten).

    Weiterer Tipp: Fast jede Webseite hat ein Oberziel. Ein Blog hat das Ziel dass die Inhalte interssant für die Nutzerschaft sind (Indikatoren: RSS-Abonnenten) oder das im Blog Kommunikation mit den Usern erfolgt (Indikator: Kommentare). Ein Online Shop hat das Ziel Artikel zu verkaufen (Zielgröße Umsatz / Ergebnis) und weiterhin sind viele dem Umsatz vorgelagerten Ziele vorhanden (Newsletter-Abo, Artikel empfehlen, Artikel auf Merkzettel etc). Alle diese Ziele sind mit Web Analyse messbar und können somit unter ein Monitoring fallen. Auch so kann man identifizieren, welche Websitebereiche wirklich wichtig sind.

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  2. Thorsten Wilhelm

    Hallo Nadja, das ist wirklich alles andere als eine leichte Angelegenheit … Wenn man die Nutzer / Zielgruppen einer Website befragt, was sie so wollen (an Inhalten, Funktionen, Services), dann hat man es ganz oft mit einer so genannten Anspruchsinflation zu tun. Man stellt den Personen ca. 20 Inhaltsmodule, Funktionen & Services dar und es kommt in der Befragung raus, dass 90% davon von allen befragten als „super wichtig“ eingestuft werden. Das hab ich immer wieder beobachtet, wenn man einfach nur fragt: „Wie wichtig sind Ihnen diese Inhalte & Funktionen? Kreuzen Sie bitte auf einer Skala von 1 = sehr wichtig bis 6 gleich sehr unwichtig an, was für das einzelne Inhaltsmodul / die einzelne Funktion zutrifft“. Ein Ergebnis, das im Prinzip die zentrale Frage: Was zuerst von den denkbaren Inhalten & Funktionen anbieten? total offen, unbearbeitet läßt. Daher arbeiten wir seit den letzten Jahren bei solchen Anforderungsanalyse nur noch nach dem so genannten KANO-Ansatz. Der funktioniert im Prinzip so, dass man immer noch fragt, wie wichtig eine denkbare Funktion ist. Gleichzeitig fragt man aber auch, wie „schlimm“ es aus Nutzer-/Zielgruppensicht ist, wenn diese Funktion nicht geboten wird. Also zwei Fragen pro denkbarer Funktion. Damit bekommt man es hin, dass die befragten Nuttzer / Zielgruppen nachdenken und abwägen. Die Ergebnisse sind sehr eindeutig, vor allem kommt es zu einer klaren Differenzierung in der Wichtigkeit der Funktionen. Man bekommt heraus, welche Basis-/Hygienefaktoren sind und welche (derzeit) nur „nice to have“ sind. Zudem kann man Begeisterungsfaktoren / -funktionen identifizieren. Ein klasse Ansatz / eine klasse Methode.

    Mehr dazu z. B. unter:
    –// http://www.eresult.de/leistungen/methoden_verfahren/kano-analyse.html
    (Anforderungsanalyse mit KANO – am rechten Rand dann Links zu weiteren Artikel rund um diese Methode)

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