Online-Vertrieb in der Hotellerie – von Kissenmenüs, Kundenbewertungen und Hotel 2.0

Nachdem ich die letzten Jahre fast ausschließlich auf Internet-Veranstaltungen ohne Branchenbezug war (z. B. Internet-World, Mensch und Computer, Usability-Kongress), habe ich mich entschieden am 27. und 28. April 2009 an den Leaders Day „Online-Vertrieb in der Hotellerie“ teilzunehmen.

Wollte mich schlau machen, was es im Bereich des Vertriebs von Hotelzimmern übers Web so an Neuerungen und Trends gibt. Eine klasse Veranstaltung, Ziel voll erreicht.

Zunächst hab ich einiges über die doch vielfältigen Vertriebswege von Hotelzimmern übers Web erfahren. Das meiste läuft über Buchungsportale wie HRS.de, Bookings.com und Expedia.de.
Nur 6% der Umsätze von Hotels werden im Mittel über die Internet-Sites der Hotels generiert. Ein Wert der mich überrascht hat, habe da deutlich höher Zahlen erwartet. Die Teilnehmer und Veranstalter wohl auch, so dass sich viele Vorträge mit den Chance beschäftigten die Hotel-Websites im Online-Vertrieb bieten. Es wurde aufgezeigt welche Potenziale Blogs und Twitter haben, und wie man ansprechende Sites gestaltet (u.a. mit Flash).

Top Tool, wie ich finde, das so genannte „Kissenmenü“ des Hotels Freizeit In<(Göttingen), auffindbar unter der Rubrik: Online Concierge.
Über diese Anwendung kann der Gast, unabhängig wie und wo er sein Zimmer gebucht hat, aus mehr als 10 (!) verschiedenen Kissen auswählen und somit dafür Sorge tragen dass er einen „gesunden Schlaf“ haben wird. Grad für mich, als Intensiv-Geschäftsreisender und Seitenschläfer, eine ideale Chance das passende Kissen zu finde. Ich finde die Idee klasse, fraglich nur, ob ich es nutzen würde. Kostet halt doch mehr Zeit als mal eben an der Rezeption beim Einchecken ein Kissen auszuwählen. Aber vom Ansatz her und der Umsetzung durchaus gelungen. Schaut mal rein.

Kurz vorm Mittag das Highlight, wie ich fand: www.schloss-rheinfels.de – und ein Vortrag, wie man dort mit Web 2.0 umgeht.

Unter anderem mit einer separaten Rubrik mit der Bezeichnung „Gäste für Gäste“. In dieser Rubrik findet der interessierte Site-Besucher Fotos, Videos und Bewertungen von Gästen des Hotels. Alles auf einen Blick, und natürlich mit einem Blog versehen. Sehr gut gemacht, auch der Blog. Mircoblogging gibt es natürlich auch: www.schloss-rheinfels.de/twitter.

Auf einer separaten Site kann man sich anmelden und bleibt auf dem Laufenden. Als Dankeschön erhält man eine sehr schöne, limitierte Postkarte, abgestellt auf das Hotel. Kundenbindung in Perfektion.

Interessant finde ich auch den Ansatz Kunden bzw. Gäste mit einzubeziehen das Marketing des Hotels und das Hotel an sich immer besser zu machen, auf die Kundenwünsche abzustellen. Hierzu hat das Hotel unter:
www.wir-trotzen-der-krise.de ein Ideenportal eingerichtet, mit inzwischen mehr als 200 Ideen, z. B. so etwas wie ein „Asyl für verlassene Ehemänner“ oder ein „Glücksrad für Gäste“.
Klasse zu sehen, dass auch Hotels im Web viel tun können und schon tun, wenn auch die Online-Umsätze über die Hotelsites erst gering sind. Ich schau auf der Site des Schloss Rheinfels auf jeden Fall öfters vorbei, und werde ganz sicher dort auch mal buchen.

Zum Schluss noch zwei Linktipps: Wenn ihr mal was zum Thema „rechtliche Grundlagen“ sucht, zu Datenschutz und der optimalen Gestaltung von Disclaimern, dann bitte nachschauen auf:

Laut Aussage von Dr. José A. Campos Nave, Rechtsberater und begeisternder Referent auf der Veranstaltung.

Nach dem Mittag bestanden vielfältige Möglichkeiten mit den Referenten in Diskussionsrunden einzusteigen. Sehr interessant, man konnte somit die Themen der Vorträge weiter vertiefen.

Eine gute Wahl, die Teilnahme an diesen Leaders Day 2009.
Es ist aus meiner Sicht sehr, sehr lohnenswert nicht nur Internet-Events zu besuchen, sondern sich auch mal auf Branchen-Events umzusehen, die sich mit einer Branche (hier: Hotellerie) und deren Besonderheiten rund um das Web beschäftigen. Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

5 Gedanken zu „Online-Vertrieb in der Hotellerie – von Kissenmenüs, Kundenbewertungen und Hotel 2.0

  1. Pingback: Daily News About Twitter : A few links about Twitter - Wednesday, 29 April 2009 12:37

  2. Jochen Schepp

    Bei meinen Hotelbuchungen waren die Preise auf den Hotelseiten IMMER höher als bei den Portalen. Deswegen buche ich da, denn ich habe keine Lust erst noch eine „können Sie mir den gleichen Preis machen“-Mail zu schreiben. Also ist es kein Wunder wenn über die Seiten keine Buchungen kommen.

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  3. Thorsten Wilhelm

    Ja, solche Beobachtungen habe ich auch schon gemacht, stimmt.
    Das trifft zu. Umgekehrt habe ich aber auch schon so was erlebt: Gebucht über eines der Portale (klasse Preis bekommen) und dann vom Hotel ein ganz anderes Zimmer (andere, schlecherte Kategorie) angeboten bekommen, wohl aufgrund der Tatsache dass sie die Provision an die Portale wieder bei mir „rausholen“ wollte. Das geht gar nicht. Das Portal hat dann aber sofort reagiert, noch am Abend der Anreise habe die sich mit dem Hotel in Verbindung gesetzt und das so geregelt, dass ich die gebuchte Kategorie bekommen habe. Das fand ich klasse und meine Bindung zum Portal mehr als verstärkt. War damals HRS.de.

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  4. Pingback: Hotels 2.0 – Eine Webseite allein reicht nicht

  5. Margit Holzer

    In der heutigen Zeit ist es nicht mehr möglich, Hotelzimmer ohne OTA zu verkaufen. Viele Hotels jedoch konzentrieren sich nur auf die größten und bekanntesten Buchungsportale welche auch die meisten Buchungen bringen. Dabei übersehen sie leider komplett die Wichtigkeit, auch auf kleineren Portalen vertreten zu sein, denn immerhin ist dies eine völlig unbezahlte Werbung welche, abgesehen von den Buchungen, auch ein enormes Potential an Brand Building und an Förderung des Bekanntheitsgrades hat.

    Die Motivation dafür von den Hoteliers besteht darin, dass die Pflege von vielen Portalen einen großen Zeitaufwand benötigt. Keine Frage, dem ist auf jeden Fall so.

    Glücklicherweise gibt es die Lösung dafür: die Channel Manager! Ob man damit 3 Buchungsportale oder 15 pflegt, macht vom Aufwand her keinen Unterschied. Die Onlinepräsenz allerdings hebt sich in viel höhere Gefilde was sich sehr schnell auch auf den Umsatz auswirkt.

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