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20. April 2009 | Alexander Magerhans Drucken
Kategorien: Usability Contest

Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 1)

„Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen“
Benjamin Franklin 1706-1790

In den kommenden Monaten werden wir in loser Folge immer wieder Beiträge rund um das Thema wissenschaftliches Arbeiten veröffentlichen. Darin werden wir Euch Grundlagen vermitteln, hilfreiche Tipps unterbreiten, Literaturtipps und Onlinequellen einstellen. Damit wollen wir einen kleinen Beitrag leisten, der Euch bei der Bewältigung Eurer wissenschaftlichen Arbeiten (z.B. Hausarbeiten, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten oder Diplomarbeiten) unterstützen soll. Vielleicht macht dann ja auch das Schreiben Eurer Arbeiten etwas mehr Spaß. Wir wünschen Euch auf jeden Fall schon heute viel Erfolg.

Zunächst stellt sich natürlich die Frage:
Was ist eigentlich wissenschaftliches Arbeiten?

Für wissenschaftliches Arbeiten gibt es leider kein Patentrezept. Wichtig ist, dass man seinen eigenen und ganz persönlichen Stil findet und weiterentwickelt. Im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Arbeiten werden verschiedene Kernanforderungen definiert, die es möglichst gut zu erfüllen gilt. Grundsätzlich soll die wissenschaftliche Arbeit zeigen, dass Ihr in der Lage seid, eine praxisbezogene Frage- oder Problemstellung selbständig zu bearbeiten. Dabei müsst Ihr zeigen, dass Ihr wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse anwenden könnt. Nicht zu unterschätzen sind die einzuhaltenden Formvorschriften. Bitte informiert Euch rechtzeitig welche Vorgaben das betreuende Institut oder Eurer Lehrstuhl hier macht. In theoretischen Arbeiten geht es darum, den bisherigen Forschungsstand aufzuarbeiten und evtl. eigene Vorschläge für eine Theorie zu entwickeln. Aber auch eigene Konzept- und Problemlösungsvorschläge sind denkbar. In empirischen Arbeiten geht es dagegen um die Beantwortung konkreter Forschungsfragen. Diese solltet Ihr möglichst früh mit Eurem Betreuer abklären. Unsere Beiträge zum wissenschaftlichen Arbeiten orientieren sich im Folgenden an empirischen Arbeiten. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen.

Der wissenschaftliche Dreiklang:

Einleitung – Hauptteil – Schlussteil

  • Was kommt in die Einleitung?
    Die Einleitung soll den Leser abholen. Eine gute Einleitung umfasst ca. 10% der Arbeit und gibt einen gezielten Überblick über den Gegenstand der Arbeit. Die wichtigste Frage lautet: Was wird behandelt? bzw. Womit beschäftigt sich der Autor? Was kann der Leser von der Arbeit erwarten? Mit der Einleitung sollte man den Leser auf die Arbeit neugierig machen. Zunächst geht es jedoch darum, das Thema der Arbeit in ein größeres Ganzes einzuordnen. Man sollte darauf eingehen, warum es bedeutsam ist sich mit dem vorliegenden Thema zu beschäftigen. Das motiviert den Leser zum Weiterlesen und Einsteigen in die Arbeit. Der Autor sollte dem Leser klar machen, mit welchen konkreten Forschungsfragen er sich im Rahmen seiner Arbeit beschäftigt. Auch der Ansatz mit dem die aufgezeigten Forschungsfragen beantwortet werden, sollte in der Einleitung schon skizziert werden. Es muss klar werden, ob es sich um eine reine Theoriearbeit oder eine empirische Forschungsarbeit handelt. Neben den Forschungsfragen bietet es sich an, Thesen zu formulieren, die gewissermaßen als gedankliche Klammer für die gesamte Arbeit dienen. Aufgrund der begrenzten Zeit und vorgegebenen Seitenzahlen kann man nicht immer alle Aspekte eines Themas ausführlich behandeln. Auch das sollte man dem Leser gleich zu Anfang sagen. Gemeint ist eine Ausgrenzung nicht behandelter Sachverhalte. Außerdem erfolgt in der Einleitung ein Überblick über den Aufbau der Arbeit. Man kann kurz darauf eingehen, was in den jeweiligen Kapiteln behandelt wird. Wenn man am Anfang seiner Arbeit steht, ist es oft schwierig die Einleitung zu schreiben. Man sollte sich trotzdem dazu zwingen. Unser Tipp: Wenn man fertig mit seiner Arbeit ist und die Abgabe immer näher rückt, kann man ja die Einleitung noch einmal überarbeiten. Man passt gewissermaßen die Erwartungshaltung, die man mit der Einleitung aufbaut, an das wirklich Geschaffte an.
  • Was steht im Hauptteil?
    Im Hauptteil stehen die zentralen Erkenntnisse der Arbeit. Dafür sollte man sich 80% der gesamten Arbeit reservieren. Soweit so gut. Aber wie baut man den Hauptteil auf? Und was muss man dabei beachten? Eine grundsätzliche Empfehlung lautet: Vom Allgemeinen zum Speziellen. Zunächst geht es erst einmal darum, die zentralen Begrifflichkeiten zu klären. Das Definieren der verwendeten Fachbegriffe stellt einen schon vor die erste große Herausforderung der Arbeit. Darauf werden wir später noch näher eingehen. Es bietet sich an, nach der Klärung der zentralen Begriffe einen theoretischen Bezugsrahmen zu entwickeln. Gibt es Theorien, die zur Erklärung der Forschungsfragen herangezogen werden können? Anschließend muss der aktuelle Forschungsstand aufgearbeitet werden. Welche Studien gibt es bereits und zu welchen Erkenntnissen kommen diese? Gibt es Erkenntnisse, die sich in mehreren Studien wieder finden? Es ist empfehlenswert, die berücksichtigten Studien nach einer bestimmten Systematik zu beschreiben und anschließend in einem tabellarischen Überblick darzustellen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollte man dann in Forschungshypothesen festhalten, die es im empirischen Teil näher zu untersuchen gilt. Im Hauptteil muss dabei immer ein roter Faden erkennbar sein. Es kommt nicht auf Vollständigkeit an. Vielmehr muss durch die gezielte Auswahl der präsentierten Inhalte erkennbar werden, dass der Autor den Überblick über das Thema hat. Im empirischen Teil kommt es darauf an, dass der Leser möglichst mühelos nachvollziehen kann, wie man vorgegangen ist. Es empfiehlt sich, verwendete Fragebögen einer Umfrage im Anhang vollständig zu ergänzen. Das gewählte methodische Vorgehen muss also lückenlos dokumentiert werden. Die Schritte der Datenerhebung und Datenauswertung müssen klar beschrieben werden. Dadurch wird es leichter, die Interpretation der Daten und die abgeleiteten Ergebnisse zu verstehen. In einem abschließenden Kapitel können dann entsprechende Gestaltungsempfehlungen abgeleitet werden. Dabei sollte man immer wieder einen Bezug zu seiner eigenen Studie und den gewonnenen Erkenntnissen herstellen. Dieser Teil der Arbeit macht häufig am meisten Spaß. Unser Tipp: Schon während der gesamten Arbeit sollte man sich mögliche Gestaltungsempfehlungen notieren. Häufig findet man in der durchgearbeiteten Literatur viele interessante Anregungen. Insbesondere bei Arbeiten zu den Themenbereichen Usability und eCommerce bietet es sich an, Gestaltungsempfehlungen nicht nur verbal zu beschreiben, sondern auch in Form von Abbildungen (z.B. Wireframes) zu visualisieren. Wichtig ist dabei, dass auch die Gestaltungsempfehlungen eine Systematik erkennen lassen. Grundsätzlich kann man hier seiner Kreativität freien Lauf lassen und auch schöne eigene Ideen entwickeln.
  • Was muss im Schlussteil erscheinen?
    Der Umfang des Schlusses entspricht in etwa dem der Einleitung und sollte 10% der gesamten Arbeit nicht übersteigen. Der Schlussteil soll im Idealfall mehrere Aufgaben übernehmen. Zunächst geht es darum, die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammenfassend darzustellen. Die in der Einleitung gestellten Fragestellungen sollen abschließend noch einmal beantwortet werden. Wichtig ist also, dass man seine Forschungsfragen aus der Einleitung aufgreift und mit den gewonnen Erkenntnissen, die im Hauptteil ausführlich erläutert werden, verknüpft. Vielleicht sind auch Forschungsfragen offen geblieben oder es haben sich noch neue Fragestellungen ergeben. Auch das sollte man im Schlussteil ansprechen. Abschließend kann man noch einen Ausblick geben. Dabei kann man offene Forschungsfragen aufgreifen und Vorschläge unterbreiten, wie diese zukünftig in Folgestudien untersucht werden könnten.

Literaturtipps

  • Kruse, Otto (2002). Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium, 9. Auflage, Frankfurt & New York: Campus (Preis: 16,90€)
  • Poenicke, Klaus (1988). Wie verfasst man wissenschaftliche Arbeiten? Ein Leitfaden vom ersten Semester bis zur Promotion, Mannheim, Leipzig, Wien & Zürich: DUDENVERLAG (Preis: 11,95€)
  • Theisen, Manuel (2008). Wissenschaftliches Arbeiten, 14. Auflage, München: Vahlen (Preis: 13,00€)
  • Winter, Wolfgang (2004). Wissenschaftliche Arbeiten schreiben. Hausarbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, MBA-Abschlussarbeiten, Dissertationen, Frankfurt & Wien: Redline Wirtschaft bei ueberreuter (Preis: 10,00€)

Internetquellen

Anmerkung in eigener Sache:

In diesem Jahr findet wieder der eResult Usability-Contest statt.
Dazu sind Studenten, Wissenschaftler und Designer herzlich eingeladen. Eingereicht werden können wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Usability. Aber auch Designkonzepte für Online-Anwendungen sind willkommen. Insgesamt stehen 7.000 € Preisgelder zur Verfügung.
Weitere Infos findet Ihr unter: www.eresult.de/usability-contest

Euer Usabilityblog-Team.

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2 Kommentare zu “Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 1)”


  1. 1 Thorsten Wilhelm

    Super Beitrag, klasse und sehr gehaltvoll … schade dass man so was in meinem Studium an Input erst nach dem Schreiben bzw. beim Schreiben der Diplom- / Magisterarbeit erhalten hat :( .
    Hoffe der Beitrag wird von vielen gelesen, die aktuell im Studium sind und an einer Hausarbeit oder ähnlichem schreiben – als Vorbereitung auf die irgendwann anstehende Abschlussarbeit.

  2. 2 Alexander Magerhans

    Ein wichtiger Hinweis in eigener Sache: Viele Studenten möchten ihre Arbeit noch einreichen. Daher haben wir die Einreichungsfrist für den Usability-Contest 2009 bis zum 31.07.2009 verlängert.

  1. 1 Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 2) | usabilityblog.de
    Pingback am 14. Jul 2009 um 12:17
  2. 2 Blogs: Wie schreibt man einen guten Artikel? | Sebastian Höhne - IT Beratung und Training | Confluence | Jira | Wordpress
    Pingback am 19. Mrz 2012 um 12:02

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