Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 2)

„Wer suchet der findet“
Sprichwort

Nachdem ich im ersten Teil der Beitragsreihe „wissenschaftlichen Arbeiten“ den generellen Aufbau etwas näher beleuchtet habe, will ich euch heute drei weitere Aspekten des wissenschaftlichen Arbeitens näher bringen. Zunächst geht es darum einmal darzustellen, wie man möglichst effizient nach Quellen im Internet recherchiert. Danach beleuchte ich das Thema „Rationales Lesen“. Und abschließend gebe ich noch einige Ratschläge für das „tägliche“ Zitiergeschäft.

Quellenrecherche: „richtig Googlen“
Das Erfreuliche zuerst: „Googlen“ kann jeder! Aber wie findet man sich in der Vielzahl der Treffer noch zurecht? Wenn man beispielsweise nach einem Begriff wie Usability sucht ergeben sich 28.000.000 Treffer. Diese Fülle kann man einfach nicht abarbeiten. Viel wichtiger ist es, gezielt nach den gewünschten Informationen zu suchen. Man muss sich fragen: Was suche ich eigentlich? In erster Linie ist man ja auf der Suche nach zitierfähigen Quellen. Im Internet gibt es mittlerweile ja auch viele wissenschaftliche Abhandlungen als kostenlosen Download. Man sollte also genau nach solchen Downloadmöglichkeiten suchen. Wenn man also einen Begriff bei Google eingibt, sollte man nach einem Leerzeichen das gewünschte Dateiformat ergänzen (z. B. Usability .pdf). Dann werden vorrangig pdf-Dokumente angezeigt aus denen man sich dann möglichst relevante aussuchen sollte. Zugegeben, das ist immer noch viel Arbeit. Wem das noch nicht speziell genug ist, der kann natürlich auch auf die erweiterte Suche von Google umsteigen und weitere Spezifikationen vornehmen. Wenn man erst einmal einen guten Fachartikel zu seinem Thema gefunden hat, eröffnen sich gleich zahlreiche Suchstrategien:

  • Strategie 1: Autoren
    Man sucht nach den Autoren des Artikels. Vielleicht haben die ja eine eigene Website auf der sie ihre Publikationsliste eingestellt haben. Oder es finden sich weitere Artikel der Autoren zum kostenlosen Download im Internet. Wenn es sich bei den Autoren um Wissenschaftler handelt kommt man gleich zur nächsten Strategie.
  • Strategie 2: Institute, Universitäten und Fachhochschulen
    Auf den Websites von Instituten, Universitäten und Fachhochschulen sind häufig die Publikationslisten der jeweiligen Wissenschaftler veröffentlicht. Da findet man sehr schnell weitere interessante Artikel zum eigenen Thema. Wenn man den Artikel nicht selbst beschaffen kann, kann man durchaus einmal eine Anfrage an die Autoren schicken. Vielleicht senden sie einem ja eine Kopie des Artikels zu. Dies ist insbesondere bei ausländischen Publikationen ein guter Weg der Quellenbeschaffung. Man muss natürlich nett anfragen. Der Vorteil der Websites von Instituten, Universitäten und Fachhochschulen besteht darin, dass man weitere Forscher und damit Autoren findet, die sich mit dem gleichen oder ähnlichen Themen beschäftigen.
  • Strategie 3: Verlage
    Hat man beispielsweise ein Buch zu seinem Thema gefunden, bietet es sich an, die Website des Verlages zu durchsuchen. Vielleicht sind im jeweiligen Verlag ja noch weitere Bücher zum Thema erschienen. Hierbei muss man allerdings beachten, dass nicht alle Bücher zum Thema auch in den Bibliotheken zur Verfügung stehen. Man steht also häufig vor der Entscheidung ein Buch über die Fernleihe zu bestellen oder es sogar selbst anzuschaffen. Aus Kostengründen sollte man sich aber sehr sicher sein, dass es sich um eine relevante Quelle handelt. Manchmal ist es daher besser, sich Bücher im Buchhandel erst einmal zur Ansicht zu bestellen. Und noch etwas: Bücher, die man über die Fernleihe bestellt, sind nicht sofort verfügbar. Man muss also die Wartezeit mit einplanen und rechtzeitig bestellen.
  • Strategie 4: Unternehmen
    Je nachdem welches Thema man behandelt gibt es häufig auch Unternehmen, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigen (z. B. Usability-Agenturen). Die Agenturen veröffentlichen häufig Studienergebnisse (wenn auch meist nur in Auszügen), die man sich kostenlos downloaden kann. Komplette Studienbände sind dagegen sehr teuer und für Studenten nicht bezahlbar. Aber: Wenn man etwas Interessantes gefunden hat, lohnt sich ein Anruf beim jeweiligen Unternehmen auf jeden Fall. Vielleicht gibt es ja einen Studentenrabatt oder man bekommt die Studie doch umsonst. In diesem Zusammenhang sollte man daran denken, dass man auch Gespräche mit Experten zitieren kann. Unser Tipp: sprecht mit Experten zu Eurem Thema und legt ein Gesprächsverzeichnis an. Das macht Eure Arbeit hochaktuell und zeigt, dass ihr Euch sehr für Euer Thema engagiert habt.
  • Strategie 5: Öffentliche Einrichtungen und Ministerien
    Eine gute Quelle für kostenlose Literatur ist beispielsweise das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin (www.bmwi.de). Dort findet man viele Studien und weiterführende Materialien rund um das Thema Internet und eCommerce. Neben der elektronischen Version werden viele Publikationen auch kostenlos als Printausgabe verschickt.

Rationales Lesen:
Die Grundidee des Rationalen Lesens besteht darin, dass man durch verschiedene Arten des Lesens schnell in der Lage ist die gefundenen Quellen zu beurteilen und dadurch enorm viel Zeit spart. Ganz wichtig: Nicht alle Quellen, die man findet sollte man lesen bzw. muss man lesen. Zunächst sollte man sich den Titel und (falls vorhanden) den Untertitel lesen. Dann kann man entscheiden, ob man sich näher mit der Quelle beschäftigt. Beginnen sollte man dann immer mit der Einleitung oder dem Abstract, je nachdem um was für eine Quelle es sich handelt. Als Beispiel mag im Folgenden ein Artikel aus einer Fachzeitschrift dienen. Es ist empfehlenswert, ein freies Blatt neben den Artikel zu legen. Darauf kann man sich dann wichtige Stichpunkte notieren. Handelt es sich um einen theoretischen Artikel? Werden Theorien behandelt? Haben die Autoren eine eigene empirische Untersuchung durchgeführt? Enthält der Artikel interessante Statistiken oder Abbildungen, die man gerne übernehmen möchte? Diese Informationen kann man durch ein schnelles Überfliegen des Artikels zusammenstellen und auf dem Blatt notieren. Am besten sollte man sich auch Seitenzahlen notieren (z. B. interessante Abbildung auf Seite 16). Dieses Blatt sollte man dann an den Artikel heften. Man kann dadurch später schneller entscheiden, ob man sich ausführlicher mit dem Artikel beschäftigen möchte. Wenn man die Entscheidung getroffen hat, einen Artikel zu lesen gibt es grundsätzlich drei verschiedene Lesestrategien:

  • Strategie 1: Querlesen
    Beim Querlesen geht es erst einmal darum, sich einen Überblick über den Artikel zu verschaffen. Man liest die Einleitung und jeder Abschnitt des Artikels wird kurz angelesen. Wichtig ist auch der Schlussteil des Artikels in dem die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst sind. Das Querlesen ähnelt damit dem anfänglichen Überfliegen der Artikel.
  • Strategie 2: Ausführliches Lesen
    Beim ausführlichen Lesen geht es darum, wichtige Quellen in Ruhe zu studieren. Dazu sollte man sich ein ruhiges Plätzchen suchen. Wichtig: Handy aus! Jede Störung bedeutet einen Zeitverlust von mindestens 10 Minuten. Man muss nämlich nach der Störung erst wieder in das Thema des Artikels reinkommen. Während des ausführlichen Lesens sollte man sich wichtige Textpassagen im Text unterstreichen und am Rand Anmerkungen machen (z. B. D für Definition oder H für Hypothese). Außerdem kann man das Blatt, das man sich zu Anfang an den Artikel geheftet hat mit weiteren Anmerkungen anreichern.
  • Strategie 3: Gezieltes (Nach-)Lesen
    Diese Strategie ist ganz entscheidend, wenn man schon dabei ist, eigene Textpassagen zu erstellen. Jetzt helfen die Vorarbeiten des Querlesens und des ausführlichen Lesens enorm weiter. Es kommt nicht mehr darauf an den gesamten Artikel zu lesen, sondern man möchte bestimmte Aussagen, Definitionen, Hypothesen oder empirische Erkenntnisse wieder finden. Dazu kann man sich jetzt an seinen Anmerkungen orientieren.
    Unser Tipp: Egal welche Strategie zur Anwendung kommt, man sollte immer möglichst konzentriert vorgehen. Daher ist es so wichtig, sich ein ruhiges Plätzchen zum Durcharbeiten der Literatur zu suchen.

Das Literaturverzeichnis:
Die wichtigste Empfehlung vorab: Erfolgreiches Zitieren ist Tagesgeschäft. Sobald man eine interessante oder besser eine relevante Quelle gefunden hat, sollte man sich sofort! die Quelle auf dem Ausdruck oder der Kopie notieren. Auf jeden Fall sollte man sich den Autor, das Erscheinungsjahr, den Titel, mögliche Untertitel, die Auflage bei Büchern, den Verlag oder die Zeitschrift (mit Jahrgang und Heft bzw. Ausgabe) bzw. Zeitung (mit Erscheinungsdatum) sowie die Seitenzahlen notieren. Bei Internetquellen muss zusätzlich noch der Tag des Zugriffs festgehalten werden. Man merkt gleich: Das ist richtig viel Arbeit. Aber, wenn man täglich zitiert und alle wichtigen Informationen gleich festhält, erspart man sich am Ende Stress und unnötigen Ärger. Über die Anzahl der zu verwendenden Quellen kann man sich streiten. Eine Faustregel kann hier sein, dass man auf ca. zwei Quellen pro Seite geschriebenen Text kommen sollte. Das bedeutet für eine Hausarbeit von 15 Seiten sollte man ca. 30 verschiedene Quellen zitieren. Wie gesagt, das ist nur ein Richtwert, den man nicht unbedingt einhalten muss. Wie die einzelnen Quellen im Literaturverzeichnis zu zitieren sind, hängt immer von den Vorgaben des Lehrstuhls bzw. Instituts ab. Also bitte immer genau in die Zitiervorschriften schauen und sich möglichst genau daran halten. Bei kniffligen Fragen (z. B. grauer Literatur oder besonderen Internetquellen) kann man auch gern einmal den Betreuer um Rat fragen. Im Normalfall hilft der gern weiter – zumindest wenn man nett fragt.

Literaturtipps

  • Bünting, Karl-Dieter, Bitterlich, Alex & Pospiech, Ulrike (2002). Schreiben im Studium: mit Erfolg. Ein Leitfaden, Berlin: Cornelsen (Preis: 17,50€)

Internetquellen

Anmerkung:

In diesem Jahr findet wieder der eResult Usability-Contest statt.
Dazu sind Studenten, Wissenschaftler und Designer herzlich eingeladen. Eingereicht werden können wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Usability. Aber auch Designkonzepte für Online-Anwendungen sind willkommen. Insgesamt stehen 7.000 € Preisgelder zur Verfügung.
Weitere Infos findet Ihr unter: www.eresult.de/usability-contest

Euer Usabilityblog-Team.

3 Gedanken zu „Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 2)

  1. Sylvia

    Die URL allein reicht aber nicht zum zitieren aus. Oft werden Inhalte leider auch wieder gelöscht, wenn ich dann nicht Autor, Datum etc. notiert habe, kann ich die Quelle wieder wegschmeißen, weil ich keinen Beweiß für ihre Existenz habe. Generell sollte aus dem Internet daher wenig in wissenschaftlichen Arbeiten zitiert werden, zumal Professoren auch oft noch von der alten Schule sind. Also, liber bewusst zitieren, als Masse angeben.

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  2. Alexander Magerhans

    Ein wichtiger Hinweis in eigener Sache: Viele Studenten möchten ihre Arbeit noch einreichen. Daher haben wir die Einreichungsfrist für den Usability-Contest 2009 bis zum 31.07.2009 verlängert.

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