Meine Impressionen vom 1. UXCAMP 2009 in Berlin (Samstag, Teil 1)

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So, anbei meine ersten Eindrücke vom 1. UXCAMP 2009 in Berlin. Teilweise musste man sich am Vormittag schon fast überwinden, um sich aus der prallen Sonne wieder zurück in die Seminarräume zu bequemen:-)

sonnige Terasse, die zum Verweilen einlädt

Hier vielleicht mal ein kleiner Überblick über die von mir besuchten Sessions am Samstag:

Nach der Anmeldung, Begrüßung und Sessionplanung startete mein Tag mit dem Vortrag von Holger Geist (SAP) zum Thema „Visual Modeling im UCD Prozess“. Meiner Meinung nach ein sehr schöner, lehrbuchmäßiger Ansatz, den er uns da vorgestellt hat. Diesen kann man übrigens auch online unter www.sapdesignguild.org/ bewundern.

sap

Was ich dabei nochmal mitgenommen habe bzw. auch immer wieder unterstreichen kann: Man muss das Thema Usability oder User Experience ganzheitlich angehen. D.h. sowohl in Bezug auf die Methodenauswahl als auch in Bezug auf das Team. Ein erfolgreicher nutzerzentrierter Prozess, der ein höchst bedienungsfreundliches Produkt zu Tage bringen soll, erfordert ein gemeinsames Verständnis der Nutzeranforderungen innerhalb der meist sehr interdisziplinären Team. Ein Erfolgsfaktor ist es deshalb, wenn man dieselbe Sprache spricht. Aus diesem Grund verzichtet SAP oder zumindest das Projektteam von Holger auf eine standardkonforme UML-Notation zugunsten einer allgemeinverständlichen Dokumentation von Use Cases.

Besonders bei hochkomplexer Software macht eine Nutzerbeobachtung vor Ort Sinn. Nur so kann man die tatsächlichen Arbeitsabläufe mit der Software erfassen.
Das Endergebnis dieses Prozesses ist ein generisches, nutzerfreundliches SAP-Standardprodukt, dass an sämtlichen Branchen bzw. Anforderungen anpassbar ist.
Die anschließende Frage aus dem Publikum fand ich jedoch höchst interessant. Und zwar stellte sich die Frage, ob bei der anschließenden individuellen Anpassung der SAP-Software beim Kunden vor Ort immer noch auf das Bestehenbleiben der anfangs bereitgestellten Nutzerfreundlichkeit geachtet wird. Antwort darauf: Die entsprechenden „Customizing“-Mitarbeiter sind zwar geschult, aber explizit getestet wird es nicht – zumindest derzeit noch nicht.

An den Vortrag schloss sich die Session von Lisa Wenzel (UI Design) an, die anhand eines konkreten Projektes zeigte, wie man aus vorhandenen Visio-Wireframes mit dem Adobe Acrobat Professional einen recht funktionalen Klickdummy baut. Ganz nett anzusehen. Ich tendiere ja immer noch zu AXURE, weil es einfach eine Unmenge an Vorteilen hat (laut Aussagen von anderen Teilnehmern seit der Version 5.5 sogar noch viel mehr als von mir angenommen). Aber: Die projektspezifischen Gründe konnte bzw. kann ich sehr gut nachvollziehen.

In der zweiten Sessionhälfte stellten dann @mosworld und Daniel von der RWTH Aachen mit Protoreto und Jacareto eine nette Möglichkeit vor, Papier Prototypen zu „digitalisieren“ und darüber hinaus einen solchen Klickdummy-Tests aufzuzeichnen – mit Klickevents, etc.

jaca

Der ein oder andere, der auch in der Session saß, wird sich wohl auch gefragt haben: Warum nimmt man nicht auch hier AXURE und Camtasia oder Morae? Ich sehe den Vorteil bislang darin, dass die Software derzeit Open Source ist. Jedoch müssten noch einige Funktionalitäten entwickelt werden, um den bereits genannten kommerziellen Produkten das Wasser zu reichen. Aber: Hut ab, die Software sieht ganz gut aus. Besonders die Möglichkeit, dem zusammengebastelten Elementen im Prototypen-Editor ein, sagen wir mal, wie handgemaltes Aussehen zu verpassen, kannte ich bislang nur von balsamiq mockup (derzeit leider nur als Webservice verfügbar, siehe hier).
Im Verlauf des UXCamp gab es übrigens mal eine Sammlung bestehender Prototyping-Tools (siehe hier).

Ganz nebenbei: Es war schön zu sehen, dass sich „unser“ eResult-Seminarraum als ein beliebter Sessionraum erwiesen hat. Teilweise haben sogar leider nicht alle reingepasst.

raum

So, das wars fürs erste. Kleiner Hinweis: Die meisten Vorträge bzw. deren Folien findet man übrigens auf uxcamp.mixxt.de und weitere (Bild-)Impressionen auf Flickr (#uxcb09).

Hinweis – Usability-Contest:

In diesem Jahr findet wieder der eResult Usability-Contest statt.

Dazu sind Studenten, Wissenschaftler und Designer herzlich eingeladen. Eingereicht werden können wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Usability. Aber auch Designkonzepte für Online-Anwendungen sind willkommen. Insgesamt stehen 7.000 € Preisgelder zur Verfügung.

Weitere Infos findet Ihr unter: www.eresult.de/usability-contest

Euer Usabilityblog-Team.

2 Gedanken zu „Meine Impressionen vom 1. UXCAMP 2009 in Berlin (Samstag, Teil 1)

  1. Pingback: queo blog - Das Blog der Werbeagentur queo media und des Softwarespezialisten queo flow. » recap UXcamp Berlin 2009

  2. Christian Spannagel

    Hi,

    der Vorteil von Jacareto gegenüber den anderen von dir genannten Tools ist der, dass bei Jacareto die Aufzeichnung direkt makroartig auf der tatsächlichen Anwendung wiedergegeben wird. Man kann also eine Aufzeichnung auf einem Prototypen anfertigen, abspielen und Tests einfügen, die überprüfen, ob sich Bildschirmelemente im gewünschten Zustand befinden (da es sich nicht um ein Video handelt, sondern um eine „ausführende Wiedergabe“). Wenn man Schritt für Schritt die Anwendung ändert/verbessert/…, können trotzdem noch die alten Aufzeichnungen zum Testen verwendet werden.

    Ich kenne aber die anderen von dir genannten Tools nicht gut genug – vielleicht geht das da auch?

    Viele Grüße,

    Christian

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