Produktvideos sinnvoll einsetzen

Produktvideos sind ja mittlerweile schon auf vielen Online-Shops zu finden und wurden auch hier im Blog schon diskutiert (zum Beispiel im Beitrag von Martin zu verschiedenen Funktionen auf OnlineShops).
Sicherlich bieten bewegten Bilder einige Vorteile gegenüber bloßer Zoom-Funktion oder 360° Ansicht: Die Bewegungen machen zum Beispiel deutlich, wie der Stoff eines Kleidungsstückes fällt oder wie der Artikel bei verändertem Lichteinfall aussieht.

In unseren Lab-Tests fanden derartige Videos meist großen Anklang. Allerdings bereiteten manchmal die unterschiedlichen Bedienelemente Probleme. Nicht immer sind die Icons gut erkennbar oder verständlich. Auf den folgenden Abbildungen sind beispielsweise die Button zum Starten und Anhalten des Videos sehr leicht auffindbar, jedoch erschließt sich nicht, warum man das Video nicht stoppen kann, bzw. an den Anfang oder an das Ende springen kann. Auch waren sich die Testpersonen anfangs nicht sicher, ob der Ton tatsächlich an ist, da aus dem Lautsprechersymbol „nichts raus kommt“ (es fehlen die Schallwellen/Striche).

Produktvideo Weltbild 1
Produktvideo Weltbild 2
Ein Produktvideo auf Weltbild.de: Eine Stimme aus dem Off erklärt die Funktionsweise der Uhr.

Neben der Bedienung, ist jedoch auch der Inhalt ganz entscheidend, damit das Video tatsächlich eine Kaufhilfe darstellt. Bevor man also „wahllos“, aber mit hohem Aufwand, Videos für seinen Shop produziert, sollte man sich jedoch über einige Punkte klar werden:

  1. Welche Form soll gewählt werden?

    Hierbei geht es vor allem darum, ob ein Experte das Produkt vorstellen soll der das Produkt lieber in der Benutzung gezeigt werden soll. Auch ist ein Gespräch von zwei oder mehr Personen denkbar (Hersteller, Experte, Kunden, etc.). Aus unseren Studien wissen wir, dass die Nutzer unabhängigen Experten meist mehr Vertrauen schenken als Herstellern oder angehörigen des Online-Shops. In einigen Sortimenten ist es dagegen völlig ausreichend, wenn das Produkt im täglichen Gebrauch gezeigt wird oder ein Model es trägt. So bedarf wohl ein T-Shirt keiner weiteren Erläuterungen durch Experten.

  2. Welche Art von Informationen sollen gegeben werden?

    Es gibt natürlich verschiedene Varianten/Mittel die Informationen zu transportieren. Ein Produkt kann verbal beschrieben werden (z.B. von einer Stimme aus dem Off) oder auch aus unterschiedlichsten Perspektiven gefilmt werden, wenn man eher visuelle Informationen transportieren möchte. Auch eine ansprechende Musik im Hintergrund kann für eine Produktpräsentation sehr wertvoll sein.

  3. In welcher Umgebung soll das Produkt präsentiert werden?

    Auch hier zeigt sich unserer Erfahrung nach ein enger Zusammenhang zum jeweiligen Sortiment oder auch dazu, ob eine bestimmte Stimmung erzeugt werden soll oder Emotionen geweckt werden sollen. Der Fantasie sind bei der Wahl der Location sicherlich keine Grenzen gesetzt, der limitierender Faktor wird in den meisten Fällen das Budget sein. Ein gut ausgestattetes Studio, ein Catwalk oder ein Kinderzimmer können hier schon ausreichend sein.

  4. Wie lang sollte das Video sein?

    Aus unseren Studien wissen wir, dass Produktvideos in der Regel nicht länger als 3 Minuten dauern sollten. Hier gibt es zwar auch geringfügige Unterschiede zwischen den Sortimenten, 5 Minuten sollten jedoch keinesfalls überschritten werden. Videos die länger dauern, werden nicht bis zu Ende angesehen oder bereits am Anfang abgebrochen, wenn die Gesamtzeit angezeigt wird. Das Video kann in diesem Fall für die Kaufentscheidung wenig beitragen und die Herstellung hat sich schlichtweg nicht gelohnt.

Die wichtigste Frage, vor allem bei einem breit gefächerten Sortimentsangebot wird jedoch am Anfang lauten: Bei welchen Produktgruppen sind Videos besonders wichtig, als wo werden sie am dringendsten benötig? Meist sind die Ressourcen ja begrenzt und man möchte sie sinnvoll einsetzen. Hier ist sicherlich ratsam, die zuvor definierte Zielgruppe direkt zu befragen (bspw. mittels einer Kano-Anforderungsanalyse).

Habt ihr schon Erfahrungen zur Bedeutung von Produktvideos in den verschiedenen Sortimenten gemacht?
Oder fallen euch spontan tolle Produktvideos ein, die ihr kürzlich gesehen habt?
Vielleicht habt ihr euch auch schon einmal über schlechte Bedienelemente geärgert. Ich freue mich auf eure Berichte!

7 Gedanken zu „Produktvideos sinnvoll einsetzen

  1. Pingback: Wie aufmerksam betrachten wir Web Videos? | usabilityblog.de

  2. Thorsten Wilhelm

    Klasse Beitrag, vielen Dank. Ich sehe Produktvideos bei vielen Sortimenten. U.a. auch im Bereich „Technik“. Grad wieder am Wochenende entdeckt: Großeltern zusammen mit Enkeltochter – beim Kaffee Trinken am Strand. Oma weist Opa darauf hin die Enkelin doch mal auf das Handy schauen zu lassen „Da hat vorhin was gepiept!“ – es stellte sich heraus dass eine SMS einging und der Opa die nicht lesen konnte. Enkelin hatte da kein Problem und zeigte dann der Oma – nicht dem Opa! – wie es geht, ganz ruhig und sehr einfach formuliert. Dann konnte es die Oma auch. So was kann man mit Produktvideos doch auch super rüberbringen: eine Art multimodale Bedienanleitung. Wenn es Shop so was anbietet, dann wird er vielleicht nicht unbedingt mehr von dem betreffenden Produkt verkaufen. Er wird jedoch einen Beitrag zu Bindung von Kunden leisten und so langfristig und bezogen auf das gesamte Sortiment mehr Umsatz machen. Oder? Grad wenn der Shop Senioren anspricht und hiervon viele Nutzer hat, sollte das klappen.

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  3. Elske Ludewig

    Ich denke auch, dass es in bestimmten Produktbereichen sehr wichtig ist, die Videos an die jeweilige Zielgruppe anzupassen. Dazu muss man natürlich die Interessen und Vorlieben seiner Kunden bzw. der Zielgruppe die angesprochen werden soll, kennen. So nützt es sicher nichts wenn man auf einem Shop, der Senioren ansprechen soll, nur ältere Leute in den Videos auftauchen lässt. Die Senioren fühlen sich dann schnell „in eine Schublage gesteckt“. Wie wir wissen, möchten die „Silver Surfer“ nicht unbedingt als solche angesprochen werden. Sie interessieren sich dagegen zum Beispiel sehr für familienbezogene Themen, weshalb ein „generationsübergreifendes“ Video meiner Meinung nach durchaus angebracht wäre.
    Über andere Erkenntnisse zu den Interessen und dem Surfverhalten von Senioren werden wir ja in Kürze auch hier im Blog berichten.

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  7. Martin Beschnitt

    In Bezug auf die Usability von den Bedienelemente eines Players, gab es vor kurzem bei youtube ein „Redesign“. Über folgenden Artikel bin ich drauf gestossen: „YouTube’s updated player“, http://uxmag.com/short-news/youtube039s-updated-player und bin mir nun auch uneins, ob die Buttons nun wirklich selbstbeschreibungsfähig(er) sind – als vorher. Die Fullsize-Funktion ist noch nachvollziehbar, aber Quality und Resize…. Das führt zumindest auf den ersten Blick zu Verständnisproblemen beim Nutzer bzw. zumindest bei mir

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