Usability für Kids?

„Fünfjährige, die schon vom Internet fasziniert sind, Drittklässler, die sich nach der Schule auf Kommunikationsplattformen einloggen um zu chatten oder Online-Spiele spielen – die Selbstverständlichkeit, mit der das Medium [Internet] bei Kindern in den Alltag integriert ist, hat in den letzten Jahren enorm zugenommen.“ (Stephanie Seltmann)

Mit ihrer Masterarbeit Kindgerechtes Webdesign und Usability hat sich Stephanie Seltmann einem äußerst interessanten, jedoch noch recht unerforschten Themengebiet gewidmet, nämlich der Usergruppe „Kinder“ und deren Verhalten auf Websites. Denn hinsichtlich Usability, Inhalt und Design stellen die jungen Nutzer sehr spezielle Anforderungen an Websites, die sich von denen für Erwachsene unterscheiden.

Trotzdem werden Usability-Tests für Kinderwebseiten recht selten durchgeführt und oft nur dann, wenn die Zielgruppe Kind als „Kunde“ interessiert.
Dabei hat sich gerade das Internet neben dem Fernsehen längst zu einem Alltagsmedium im Leben dieser Generation entwickelt, erklärt Stephanie Seltmann.

Ihr konkreter Forschungsgegenstand ist ein Nachrichtenportal für Kinder mit dem Namen News4kids. Im Rahmen einer Projektarbeit an der FU Berlin entstanden, lag der Fokus des Portals damals auf der inhaltlichen Qualität der Beiträge. Design und Usability wurden weitestgehend ausgeblendet. An diesem Punkt setzte Stephanie Seltmann an.

Das ursprüngliche Design- und Navigationskonzept der Website wurde mittels Testverfahren mit Probanden sowie dem Mousetracking-Tool m-pathy auf Usability hin überprüft. Daraus entwickelte Frau Seltmann Zielsetzungen für das Redesign von News4kids.

Die Mousetracking-Daten sollten dabei zur Fundierung der Testergebnisse mit der Zielgruppe, aber auch zur Veranschaulichung der Methode dienen.

Klickpfad auf News4Kids
Abb. 1: Klickpfad auf News4Kids
m-pathy Wiedergabe
Abb. 2: m-pathy Auswahl zur Wiedergabe der Besuche

Stephanie Seltmann bewertet m-pathy in Bezug auf Durchführung und Auswertung von Usability-Tests als sinnvolle alternative, gerade für Projekte mit geringerem Budget und Zeitrahmen.
„Damit allein wären in diesem Fall höchstwahrscheinlich […] all die Probleme aufgedeckt worden, die auch die Usability-Tests zu Tage förderten, nur mit wesentlich geringerem Aufwand.“ (Stephanie Seltmann)

Durch Heat- und Clickmaps wurde unmittelbar sichtbar, welches die meist frequentierten bzw. beliebtesten Bereiche der Seite sind. Ebenso konnten Probleme im Umgang mit einigen Funktionen (im Test: Umgang mit Audioplayer und Bildbox) identifiziert werden.

Als empfehlenswert für Projekte mit größerem Volumen erachtet Frau Seltmann die auch in ihrer Masterarbeit angewandte Kombination aus Usability-Tests (Probandentest mit Fragebogen und aktiver Intervention, Videoaufzeichnung) sowie Mousetracking. Vor allem, wenn es sich um eine weniger „spezielle“ Zielgruppe handelt, ist die Verknüpfung beider Verfahren ihrer Meinung nach sinnvoll.

Teile der Arbeit stehen unter www.frauseltsam.de/masterthesis als kostenloser Download zur Verfügung.

4 Gedanken zu „Usability für Kids?

  1. Martin Beschnitt

    Interessante Abschlussarbeit! Danke für den Hinweis. Werde ich mir mal in Ruhe zu Gemüte führen. Ich denke auch, dass noch viel Potential im Bereich Usability-Testing mit Kindern steckt.
    Bzgl. der Sinnhaftigkeit der Kombination aus Labtest und mpathy-Beobachtung würde ich auch zustimmen. Super Idee! Man würde dadurch eine gewisse Quantisierung der Erkenntisse aus einem vorangegangene Labtest bekommen. Andersherum könnte man mpathy nutzen, um Problembereiche zu identifizieren, denen man im qualitativen Labtest dann nachgelagert nachgeht. Aber warum nur für eine „weniger“ spezielle Zielgruppe? Grundsätzlich würde mir die Kombination Labtest+mpathy doch in jedem Fall helfen, weitere Erkenntnisse über die Gründe für bestimmte Verhaltensweisen auf einer Website liefern – unabhängig ob Kind im Vorschulalter oder SilverSurfer. Oder? (Vielleicht stehts aber auch in der Arbeit, werde einmal nachschlagen:-))

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  2. Stefan Meissner Beitragsautor

    Natürlich ist eine Kombination aus Lab-Test und m-pathy auch für eine spezielle Zielgruppeneinschränkung möglich – es kommt halt auf die konkrete Fragestellung an. Aber das wäre dann das bisher nur unzureichend beachtete Thema von „zielgruppengerechter Usability“.
    Was wirklich stimmt, sind die beiden Analyserichtungen von m-pathy. Man kann m-pathy sowohl explorativ (also erst Mousetracking und später Lab-Test) als auch prüfend (erst Lab-test und dann analysieren, ob die „echten Websitenutzer“ auch diese Probleme haben) einsetzen.

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  3. Stephanie Seltmann

    Natürlich ist die Kombination beider Methoden für ALLE Zielgruppen sinnvoll, die Einschränkung bezieht sich eigentlich nur auf die Rekrutierung bzw. das Erreichen der Zielgruppe Kind für Usability Tests „im Feld“ (was doch nicht ganz so einfach ist wie bei den typischen Internet-Usern).

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