Das eigene Konzept selber testen oder testen lassen?

Ulf Schubert spricht mir in seinem User Experience Blog bzw. seinem Artikel „Gestaltung und Testen aus einer Hand?“ aus der Seele:-)

Auch bei mir bzw. uns in der Firma, bei Gesprächen mit Kunden, etc. kommt immer wieder diese Fragestellung auf. Meiner Meinung nach, ist erfordert es eine ungeheurere Selbstdisziplin erforderlich, um völlig unbefangen das eigene Konzept im Usability-Lab zu testen. Solche internen bzw. “inhouse“ Testings stellen hohe Anforderungen an den Produktmanager und sein Team in puncto Selbstreflexion, objektive Betrachtung, Kritikfähigkeit, etc.

Ich habe auch schon selbst miterlebt, wie so etwas sprichwörtlich in die „Hose“ gehen kann. Man stellt hier und da eine suggestive Frage, unterbricht die Testpersonen im Gedankenfluss bzw. beim lauten Denken und schon scheint das neue Konzept wie bedienbarer als es im Endeffekt ist.
Demgegenüber stehen selbstverständlich geringere Kosten, beispielsweise durch kurze Abstimmungswege, ein umfassendes Projektverständnis, etc.

Die Abwägung der Vor- und Nachteile und Ulf Schuberts daraus abgeleitete Maxime „Einer gestaltet und ein Anderer testet.“ kann ich nur unterstreichen. Aus meiner Sicht ist die interdisziplinäre Zusammensetzung des Teams aus Kunden, Design-Agentur und Usability-Dienstleister die perfekte und erfolgreichste Kombination. Eben weil, jeder von dem jeweiligen Fachwissen des anderen nur profitieren kann.

Oft kommen jedoch Coaching-Anfragen von „kleineren“ Unternehmen, die aus Kostengründen nicht immer auf eine professionelle und objektive Usability-Beratung zurückgreifen können. Das ist nachzuvollziehen.
Hier sollte man zumindest darauf achten, dass kein Projektbeteiligter maßgeblich an der Interviewleitfadenerstellung für den Labtest beteiligt ist. Eine passable Lösung ist deswegen auch das Hinzuziehen eines externen Interviewers, der nicht am Projekt beteiligt ist (Anmerkung: auch wenn dieser keine Produktkenntniss besitzt, überwiegen die Vorteile!).
Die Projektbeteiligten müssen jedoch am Test als Beobachter teilnehmen, da der Konsens bzw. die Einsicht aller Beteiligten zwingend notwendig ist für ein weiteres Vorgehen. Das Protokollieren, sowie Deuten & Interpretieren sollte jedoch auch eine projektfremde Person übernehmen. Diese muss über Kenntnisse in Sachen Usability bzw. Interaktionsdesign verfügen und sollte auch den anschließenden Workshop zum Ableiten von Handlungsempfehlungen moderieren. Denn sonst werden hier ganz schnell wichtige Erkenntnisse (Probleme) unter den Teppich gekehrt;-)
So etwas gelingt natürlich auch nur durch die Einspannung eines kleinen, unabhängigen Testteams aus dem Unternehmen – sofern sich dies schon etabliert hat.

Im Endeffekt heißt das, egal ob man „intern“ oder „extern“ testet: „Einer gestaltet und ein Anderer testet.“:-)

Super Zitat, danke Ulf! Mich würde aber echt mal interessieren, wie es die anderen aus der Branche sehen. Leider blieben die Kommentare bislang – bis auf einen – auch auf dem User Experience Blog () aus.

P.S. In Sachen Usability-Tests selber durchführen habe ich übrigens habe ich übrigens auch schon mal einen Artikel zu geschrieben – im t3n-Magazin. Ist mir grad eingefallen. Den werde ich demnächst hier auch mal veröffentlichen (und auch verlinken).

Ein Gedanke zu „Das eigene Konzept selber testen oder testen lassen?

  1. Thorsten Wilhelm

    Interessante Gedankengänge und Überlegungen. Die ich durchaus nachvollziehen und auch „unterschreiben“ kann. Möchte aber auch mal ein ergänzendes Plädoyer für „alles aus einer Hand“ halten. Das grad für den Fall dass man Usability-Tests und Analysen mit Nutzern in frühen Konzeptionsphasen durchführt, z. B. mit ersten, low fidelity prototypen. Da dominieren derzeit iterative Nutzertests (Details dazu unter anderem in dieser Fallstudie: http://eresult.de/downloads/produktbeschreibungen/studie_rapid_prototyping_netdoktor.de.pdf (5 MB)): Tests mit ca. 5-6 Testpersonen decken Probleme auf, dann suchen UX Consultant nach Lösungen, der prototyp oder Klick-Dummy wird angepaßt und dann wieder mit 5-6 Testpersonen getestet. Gibt es immer noch Probleme bei der Nutzerführung dann findet eine erneute Anpassung des protoytpen statt und man testet noch ein drittes Mal. Ein sehr sinnvolle und vor allem effiziente Methode. Wenn nun die Tests und die Anpassungen am protoytpen von einem Unternehmen durchgeführt werden, dann gewinnt man sehr viel Zeit, Abstimmungsprozesse entfallen und Informationsverluste werden ausgeschlossen. Diese Vorteile sind dann nicht da, wenn die Protoytpenerstellung und Anpassung von einem anderen als dem testenden Unternehmen vorgenommen werden. Hier sehe ich Vorteile des Konzeptes „alles aus einer Hand“. Aber wie gesagt und von Dir gezeigt: Es gibt auch Nachteile. Spannend zu beobachten, wie sich der Markt entwickeln wird.

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