Studienhinweis zum Thema M-Commerce & User Experience

Im Mobile Commerce ist es noch wichtiger auf eine gute User Experience (UX) bzw. Usability zu achten. Denn besonders bei der Erstnutzung verliert man viele Nutzer, wenn es technische bzw. funktionale Probleme gibt.

So auch das Fazit von Daniel Schmeißer von phaydon aus Köln, die eine Grundlagenstudie in Kooperation mit Denkwerk zum Thema „Mobile User Experience als Erfolgsfaktor für M-Commerce: Treiber, Barrieren und Best practices“ durchgeführt haben. Einige der Ergebnisse gab es am Mittwoch exklusiv auf dem Kongress der Internet World bzw. der mobile Vision 09 zu hören und zu sehen.

Im Rahmen eines dreistufigen Ansatzes (Tiefeninterviews, int. Marktscreening, User Experience) haben sich das phaydon- und denkwerk-Team dem nun doch scheinbar am Markt ankommenden Thema M-Commerce genähert – auf verschiedenen mobilen Endgeräten.

Eines der Ergebnisse aus der Studie ist, dass derzeit in Deutschland M-Commerce-Funktionen bei einem Handy/Smartphone bislang nur beiläufig betrachtet oder entdeckt werden – es handelt sich nicht um einen ausschlaggebenden Faktor beim Handy-/Smartphonekauf.

Status quo werden derzeit per mobilem Internet am häufigsten E-Mails abgerufen (54%). Ein weiterer Top-Nutzungsgrund ist das lesen von Nachrichten (News) mit 44%. Wenn man den Nutzer bzw. Interessierten jedoch nach seinen Wünschen fragt, fallen besonders häufig die Begriffe „Navigation im Auto“, „Preisvergleich“ und „Online-Banking“. Die Antworten auf die Frage, was die Deutschen am liebsten per M-Commerce kaufen würden: Primär Bahn-, Flug- oder Veranstaltungstickets, dicht gefolgt von Büchern.

Fazit des abschließenden User Experience Testes (Evaluation verschiedener, optimierter Versionen von amazon.de auf Notebook, Blackberry Storm und iPhone): Beim M-Commerce sind Nutzer viel zielorientierter. Das heißt, die mobile Version eines Shops muss sehr einfach gehalten sein („Auf das Wesentliche reduziert“), aber dennoch aüßerlich einen Bezug zur „stationären“ Website haben.Zudem muss es aber auch Spaß machen und der „mobile“ Nutzungskontext sollte berücksichtigt. Ein lediglicher Abklatsch der normalen Website bietet keinen unbedingten Zusatznutzen für Nutzer – außer sie können beispielsweise auch unterwegs im Bus Ihre Ebay-Auktion für sich entscheiden.
Die vollständige Studie wird laut Aussagen von Herr Schmeißer in den nächsten Tagen veröffentlicht. Ich bin gespannt auf den Inhalt bzw. die gesamten Ergebnisse – wenn gleich diese leider nicht kostenlos sind. Siehe hier: Mobile Commerce Insights 2009

Leider musste ich den Vortrag früher verlassen, deswegen ist bei mir eine Frage offen geblieben: Hatten die Probanden („Early Adopters“) bereits Erfahrung im Umgang mit den einzelnen Testgeräten? Denn sonst hätte man ja beispielsweise eher die Bedienung vom iPhone selbst getestet und nicht die der mobilen Amazon.de-Seite bzw. App. Die Frage kam mir bei einer Folie, als es um den nicht immer sichtbaren Scrollbalken beim iPhone ging.

Noch eine nette, abschließende Anekdote aus dem Vortrag zum Thema Begriffsverständnis: Sagen Ihnen die Begriffe Mobile Tagging oder QR-Code etwas? Nein? Nicht schlimm, den Probanden aus der Studie auch nicht.
Definition lt. Wikipedia: „Der Begriff Mobile-Tagging beschreibt den Vorgang, bei dem mit Hilfe einer Kamera eines mobilen Endgerätes ein 1-D- bzw. 2-D-Barcode ausgelesen wird.“

Taggingprozess, wikipedia.org

Taggingprozess, wikipedia.org

Beim ICE fahren habe ich damit täglich zu tun. Auch die Probanden hatten während der Tests bei der Anwendung auch keinerlei Probleme. Man sollte lediglich Einstiegsbarrieren durch nicht allgemein gebräuchliche Fachtermini vermeiden. Womit wir wieder bei meinem 1. Satz des Artikel wären.

3 Gedanken zu „Studienhinweis zum Thema M-Commerce & User Experience

  1. Joachim Lindner

    Es ist föllig richtig, dass die Seiten für mobile Nutzung auf das Medium angepasst sein müssen. Man sollte die Einfachheit aber nicht übertreiben. Es stört micht z.B., dass bei der mobilen Xing Webseite der Zugriff zu den Gruppen nicht eingebaut ist.

    Man weiß als Betreiber ja nicht immer so genau, was die Nutzer so machen wollen, zumal es im mobilen Bereich noch nicht so viele Erfahrungen gibt.

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  2. Martin Beschnitt Beitragsautor

    Das sehe ich auch so. Gerade deshalb ist es ja auch so wichtig, dass man hier die Anforderungen und Erwartungen der potentiellen Nutzer richtig analysiert. Beim „stationären“ Internet ist ja schon vieles offensichtlich. Bei doch recht neuen M-Commerce nicht. Hier eignen sich z. B. Fokusgruppen bzw. Tiefeninterviews (siehe Studie von phaydon), ggf. auch Panelbefragungen, um die Wünsche an eine mobile Version einer Website zu erforschen.

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  3. Daniel R. Schmeißer

    Danke für den Hinweis auf unsere aktuelle Studie! Zu Ihrer Frage nach der iPhone Nutzung: Bei der Motiv- und Bedarfsanalyse (1. Stufe) haben wir nur Early Adopter mit Smartphones befragt, um die reale Nutzung zu erfragen. Beim Praxis-UX-Test (3. Stufe) haben wir bewusst darauf geachtet, dass die Probanden nicht (!) selbst schon ein iPhone oder Blackberry besitzen und dafür vorab für alle eine kleine Smartphone-Übungsreihe eingebaut. Damit sollte genau der Effekt vermieden werden, dass die Amazon-Site mit unterschiedlicher Geräte-Übung/Erfahrung unterschiedlich bewertet wird. Insofern kennen die tatsächlichen iPhone-Nutzer natürlich den Scrollbalken, der erst sichtbar wird, wenn man reintippt. Trotzdem führt das dazu, dass erstmal nicht erkennbar ist, wie lange die Seite ist. Man muss eben reintippen und nachschauen. Und es war durchaus beabsichtigt, nicht nur Sites zu vergleichen, sondern auch die Gerätebedienung bzw. die Interaktionstechniken selbst. Smartphone ist eben nicht gleich Smartphone, wie wir festgestellt haben und die unterschiedlichen Scroll, Zoom, Blätter-Techniken gehören wesentlich zur mobilen UX dazu. Wer sich speziell für die Ergebnisse zur Geräte-Usability interessiert, kann sich gerne bei mir melden.

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