Von jungen und älteren Nutzern – mein erster Tag auf dem IWK

Von meinem ersten Tag auf der Internet World bin ich begeistert. Neben dem regen Interesse am eResult-Stand freue ich mich über interessante Vorträge auf dem Kongress.

Besonders auf die Beiträge zu speziellen Zielgruppen war ich sehr gespannt, da ich mich selbst schon intensiv mit seniorenfreundlicher Website-Gestaltung beschäftigt habe und auf der anderen Seite auch wissen wollte, wie sich eigentlich Kinder im Web bewegen.

Deshalb möchte ich zunächst möchte ich von einem Vortrag von Erik Winterberg (elements of art) berichten.
Er stellte die Erkenntnisse aus einer qualitativen Studie mit 40 Kindern und Jugendlichen zur Medienkomptetenz in dieser Zielgruppe vor.
Mit 40 Mädchen und Jungs zwischen 6 und 16 Jahren wurden szenariobasierte Usability-Tests durchgeführt, teils zu Hause im Kinderzimmer, teils im Usability-Lab mit kindgerechter Gestaltung.
Was sind laut Herrn Winterberg die Bedürfnisse und Wünsche von Kindern im Internet?
Zunächst einmal hängt die Internetkompetenz stark von den entwickelten kognitiven Fähigkeiten ab. Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren brauchen noch sehr viel Unterstützung bei der Nutzung des Computers.
Communities spielen erst in dem Maße eine Rolle, indem man „weiß wer man ist“. Erst wenn ein Selbstbild entwickelt ist, wird dieses auch in Form von Profilen kommuniziert (ungefähr ab 12 Jahren).

Eine interessante Parallele zwischen Kindern und Senioren, die das Internet entdecken, ist die Lernkurve. Diese kann bei Senioren aufgrund der entwickelten geistigen Fähigkeiten meiner Meinung nach steiler verlaufen. Aber: Kinder probieren sehr viel mehr aus (learning by clicking), Senioren klicken dagegen nicht so schnell, sondern überlegen und wägen verfügbare Handlungsoptionen gründlicher ab. Dies zeigte auch eine von uns durchgeführte Studie vom Anfang dieses Jahres.
Auch eine spannende Aussage: E-Mails sind für 14-16 schon „antiquiriert“, instant-messanging ist angesagt. „E-Mails schriebt man in diesem Alter höchstens an Lehrer oder Eltern“, so Winterberg.
Wichtig für Anbieter von Web-Angeboten für jüngere Zielgruppen: Das „relevant set“ erstreckt sich bis 13 Jahren noch auf 3-5 verschiedene Seiten. Man orientiert sich vor allem an den Angeboten, die auch die Geschwister nutzen oder die Eltern vorgeben. Erst ab 14/15 jahren werden mehrere verschiedene Web-Angebote genutzt.

Als nächstes hörte ich einen Vortrag zum Thema Website-Usability für die ältere Generation am Beispiel von seniorenland.de.
Nach eigenen Angaben funktioniert der Name gut, obwohl andere Untersuchungen belegen, dass Senioren nur ungern als solche angesprochen werden. Wie sind eure Erfahrungen mit der Ansprache von älteren Nutzern?
Überein gehe ich mit den Beobachtungen, dass Senioren sich meist viel jünger fühlen als sie sind. Oft schätzen sie sich mind. 10 – 15 Jahre jünger ein als sie tatsächlich sind.
Nach Angaben des Referenten sind Senioren im Internet vor allem auf Online-Shopping aus. Diese Annahme wird nach meinen Erfahrungen der breiten Interessenlage der Zielgruppe 50+ nicht gerecht.
Vor allem bei touristischen Produkten gibt es eine große Nachfrage. Aber auch Nachrichten, Gesundheit & Wellness sowie Kontaktbörsen stehen bei der Generation 50+ hoch im Kurs.
Das Thema Website-Usability und was getan wird um die Benutzerfreundlichkeit auf seniorenland.de zu erhalten bzw. zu verbessern kam für meinen Geschmack etwas zu kurz.

Zu guter letzt noch ein kurzer Bericht zu dem von mir gehaltenem Vortrag: Auf der Infoarena I hatte ich Gelegenheit, die Ergebnisse einer von eResult durchgeführten Usability-Studie zum Thema seniorenfreundliche Website-Gestaltung (nähere Infos folgen in Kürze), vorzustellen. Im Vortrag standen ausgewählte Nutzungsprobleme am Beispiel von Versandapotheken und Online-Banking-Oberflächen und daraus abgeleitete Richtlinien für seniorenfreundliche Website-Gestaltung im Vordergrund.
Unsere Erkenntnisse aus der Studie vermitteln wir übrigens in eintätigen Workshops.

Insgesamt ein sehr schöner Tag mit vielen interessanten Gesprächen.
Ich bin gespannt ob der zweite Messetag ebenso ergiebig wird.

2 Gedanken zu „Von jungen und älteren Nutzern – mein erster Tag auf dem IWK

  1. Thorsten Wilhelm

    @ Elske: vielen Dank für diesen spannenden Beitrag, da brauch man ja fast nciht mehr selbst zum Kongress wenn man so viel über Deine Beiträge erfährt. Super, freue mich schon auf den nächsten Beitrag von heut …

    Seniorenland, Feierabend, Seniorenweb … finde ich auch alles nicht so klasse, vom Namen her. Webnutzer/-innen ab 60 Jahren wollen doch so nicht bezeichnet werden, mit derartigen Begriffen verbunden werden. Und alle anderen Nutzer grenzt man mit solchen Bezeichnungen aus.

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  2. Anja Weitemeyer

    Interessant, ich hab vor zwei Jahren einen Vortrag gehört, in dem es um Bücher für Senioren ging (auch bzgl. Internet, Computer etc.). Es zeigte sich, dass sich Bücher mit „Senioren“ im Titel bessere Verkaufszahlen lieferten. Ich denke mir, die Personen vermuten, dass hier besonders auf Ihre Bedürfnisse eingegangen wird und haben weniger Hemmungen, sich als Anfänger mit einem „Computerbuch“ zu beschäftigen. Aber ich stimme euch zu, man muss sich dafür natürlich selbst als Senior wahrnehmen.

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