Wie Senioren das Internet nutzen – Usability-Test mit der Zielgruppe 50+

Wie schon im Beitrag von Thorsten deutlich wurde, nimmt die Bedeutung der Zielgruppe 50+ für viele Branchen stetig zu. Vor allem die hohe Kaufkraft und das enorme zahlenmäßige Wachstum dieser Zielgruppe sprechen dafür, Senioren im Internet unbedingt mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dies hat zum Beispiel auch Matthias Henrici in seinem Beitrag auf konversionskraft.de sehr gut wiedergegeben.
Wer das Potenzial dieser wichtigen Zielgruppe nutzen will, muss die Anforderungen und Bedürfnisse genau kennen. Wir haben uns dies zum Anlass genommen, einen Usability-Test mit Testpersonen ab 50 Jahren durchzuführen, um das spezifische Nutzungsverhalten dieser Zielgruppe zu untersuchen.

Als Testgegenstand dienten Webangebote aus zwei verschiedenen Branchen: Zum einen Versandapotheken im Internet (Sanicare, DocMorris und Europa Apotheek) und zum anderen Online-Banking-Oberflächen (Deutsche Bank, Postbank, Sparkasse).
Diese Auswahl begründet sich folgendermaßen: Zum einen ist die Bedeutung von Senioren für Apotheken und Banken perse sehr groß. Medikamente und andere Gesundheitsprodukte spielen mit zunehmenden Alter eine immer größere Rolle. Die Aufhebung der Preisbindung für rezeptfreie Medikamente im Jahr 2004 führte dazu, dass im Online-Handel sehr große Rabatte angeboten werden, welche den Kauf im Internet sehr attraktiv machen. Auch die Unabhängigkeit von Öffnungszeiten und die bequeme und flexible Bestellung sprechen für eine Medikamentenbestellung im Internet.
Online-Banking bietet ebenfalls einige dieser Vorteile, z. B. erspart man sich den Gang zur Filiale und hat alle Funktionen stets online verfügbar.

Einen weiteren wichtigen Punkt stellt die Übertragbarkeit der Ergebnisse dar: Produktsuche, Navigation oder Bestellprozess bei einer Versandapotheke sind vergleichbar mit zahlreichen Online-Shops aus anderen Branchen. Ebenso finden sich die Transaktionsprozesse beim Online-Banking (z. B. eien Überweisung) in ähnlicher Form in anderen Kontexten.

Untersucht man also das Nutzungsverhalten von Senioren an diesen Beispielen, erhält man allgemeine Erkenntisse zu seniorenfreundlicher Websitegestaltung.

Zu unserer Studie luden wir Testpersonen ab 50 Jahren ein, die vorher noch keine Erfarhungen mit Medikamentenbestellungen oder Online-Banking gemacht hatten. Sie bearbeiteten typische Aufgabenstellungen für die jeweiligen Internetangebote im Rahmen eines szenariobasierten Usability-Tests. Teile der spannenden Ergebnisse werden in Kürze auch hier im Blog veröffentlicht.
Unsere Erkenntnisse vermittel wir übrigens auch in einem Seminar zu seniorenfreundlicher Websitegestaltung, welches natürlich auch umfassende Einblicke in die genannte Studie bietet.

9 Gedanken zu „Wie Senioren das Internet nutzen – Usability-Test mit der Zielgruppe 50+

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  8. DennisW83

    Seit Web2.0 und der Einführung von Breitband Verbindungen werden zum Glück auch die Webseiten immer einfacher, da man mehr über gut geschriebene Seiten abwickelt…

    Man sollte allerdings auch darauf auchten seine Webseiten nicht zu überladen mit Features und Gimmicks. Alles muss ordentlich und schnell bedienbar bleiben.

    So versteht man es eigentlich auch mit 50+ 🙂

    In diesem Sinne…

    grüße Dennis

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  9. Jörn

    Die Zielgruppe 50+ ist sicher eine nicht ganz leichte Zielgruppe. Um diese Zielgruppe zu erreichen müssen einige Optimierungsmaßnahmen im Shop getroffen werden. Nicht wenige ältere Leute scheitern an Kleinigkeiten im Check-Out. Da kann schon der Bestellvorgang unterbrochen werden, weil der Kunde nicht runter scrollt. Ich glaube das Beste ist, wenn man im Shop eine Bestell- Hotline einrichtet. Natürlich muss man dann sehen ob der sich der Aufwand rentiert. Man sollte aber bedenken, dass gerade ältere Kunden leichter zu Stammkunden werden. Die höheren Investitionen können sich also durchaus lohnen.

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