Animationen & Flash: Fortschritt oder doch nur „Blinking Eyecandy“?

Die gestrige Session auf der Mensch und Computer mit dem Titel „Animierte User Interfaces“ beschäftigte sich mit der Frage, wie bewegte Grafiken den Nutzer sinnvoll unterstützen können, statt ihn von relevanten Inhalten abzulenken. Zunächst stellte Herr Jakob (Human Interface Design) noch einmal heraus, dass Ästhetik neben Usability immer mehr Bedeutung zukommt. Es herrscht jedoch weiterhin eine gewisse Ablehnung gegenüber allem, was sich bewegt, aus Angst der Nutzer könnte genervt oder abgelenkt werden.

Von dieser Unsicherheit sollte man sich jedoch lösen und die Chancen von Animationen erkennen, die den Nutzer durchaus sinnvoll unterstützen können. So kann man es sich durchaus zu Nutze machen, dass der Mensch natürlicherweise Bewegungen im peripheren Sichtfeld reflexartig wahrnimmt. Es ist evolutionär bedingt, dass wir auch kleine Bewegungen instinktiv mit Gefahr gleichsetzen und ihnen dadurch unsere volle Aufmerksamkeit schenken.

Insgesamt konnte der Vortrag noch einmal dafür sensibilisieren, Animationen nicht grundsätzlich abzulehnen, sondern sie an gegebener Stelle als sinnvolle Ergänzung zur Steigerung der User Experience zu sehen. Als kleines Beispiel kann die Micro Help der Nike Running Site genannt werden: Nike Running Shoe Finder – einfach mal ausprobieren und gleich einen neuen Laufschuh aussuchen.

Der zweite Vortrag zum Thema wurde von Herrn Weber und Herrn Immich gehalten, die ergänzend dazu aufriefen, Animationen auch schon in frühen Phasen der Design-Entwicklung als mögliche Website-Elemente zu berücksichtigen. Oftmals spielen Animationen in der Konzeptionsphase ja noch keine Rolle, die Referenten vertraten jedoch die Ansicht, dass Animationen durchaus auch bei der Designentwicklung im Hinblick auf eine später zu erreichende hohe User Experience eingesetzt und getestet werden sollten.

Zum Beispiel können animierte Screenwechsel helfen, mentale Modelle von Strukturen zu erzeugen, die bei der Orientierung und beim Verständnis der Zusammenhänge im Prototypen helfen. Auch sollten unverbundene Eindrücke durch Animationen überbrückt werden. Unverbundene Eindrücke entstehen bei Reaktionen, für die das System 2-10 Sekunden braucht. Nach dieser Zeitspanne kann der Nutzer die Reaktion kaum mehr auf seine vorangegangene Aktion beziehen.

Etwas trivial erschien jedoch die Tatsache, dass selbst Ladebalken als derartige animierte Elemente hervorgehoben wurden. Die Demonstration eines Prototypen mit und ohne Animation zeige demzufolge, dass ein unbewegter Hinweis auf den Ladevorgang in der rechten oberen Ecke nicht wahrgenommen wird. Überhaupt erschien der Prototyp von vornherein auf Animationen zu basieren, weshalb das Vorführen ohne Animation verständlicherweise keinen besonders nutzerfreundlichen Eindruck hinterließ. Insgesamt war aber auch dieser Vortrag ein interessanter Denkanstoß.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.