Die Generation Plus und das iPhone – Gewinnerkonzept des Science Awards (eResult Usability Contest 2009)

Senioren?

An was denken Sie bei dem Begriff „Senioren?“ Wohl eher an Filzpantoffeln, Haftcreme und Altenheime als an Mobilität, Kommunikation und Partizipation, richtig? Doch genau dieses defizitäre Bild des Alters passt nicht mehr auf heutige ältere Menschen. Senioren von heute denken und fühlen sich jünger denn je. Noch dazu werden sie aufgrund der weltweiten demographischen Entwicklung immer zahlreicher.

Dennoch stehen bei der Konzeption aktueller Mobiltelefone die jüngeren Generationen im Fokus, abgesehen von speziellen Seniorenhandys, die ihren Besitzer jedoch eher stigmatisieren als eine einfache Bedienung zu bieten. Viele ältere Menschen besitzen zwar bereits ein Mobiltelefon, nutzen es aufgrund mangelhafter Benutzerfreundlichkeit oder stigmatisierender Wirkung (insbesondere bei speziellen „Seniorenhandys“) aber nur geringfügig oder gar nicht – trotz hohem und steigendem Kommunikationsbedürfnis.

iPlus

iPlus ist ein prototypisch umgesetztes Anwendungskonzept, das das iPhone für die „Generation Plus“, also die älteren Menschen von heute, einfacher nutzbar und leichter zugänglich macht und den Prinzipien des Universal Designs folgt.

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Dabei wurden in erster Linie grundlegende iPhone-Funktionen wie Telefon oder SMS optimiert und das Bedienprinzip sowie Begrifflichkeiten und Symboliken stark vereinfacht. So hat der Nutzer nun eine deutlich übersichtlichere Menüstruktur und kann beispielsweise Kontakte per Tastendruck auf das jeweilige Foto anrufen. Auch sieht iPlus neben visuellem und auditivem ein zuschaltbares haptisches Feedback vor, sodass bei Berührungen des Touchscreens fühlbare Vibrationen erzeugt werden.

Das finale Anwendungskonzept umfasst eine Vielzahl an weiteren Usability-Verbesserungen, wovon nicht nur ältere, sondern auch jüngere Nutzer profitieren.

Da die Menschen der Generation Plus guten und persönlichen Service schätzen, bietet iPlus zusätzlich einen exklusiv mit der Anwendung gekoppelten Telefonservice, der dem Nutzer rund um die Uhr zur Verfügung steht – egal zu welchem Anlass.

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Ein typisches Szenario des iPlus-Services wäre das Rufen eines Taxis in einer fremden Stadt: Der Nutzer holt einfach sein iPhone hervor und drückt die iPlus Service-Taste. Der iPlus-Servicemitarbeiter begrüßt den Nutzer mit seinem Namen und bekommt bereits während des Anrufs angezeigt, dass sich der Nutzer gerade am Münchner Hofgarten in der Brienner Straße 3 befindet. Der Nutzer sagt lediglich, dass er ein Taxi zum Münchner Hauptbahnhof benötigt – den Rest erledigt der iPlus-Servicemitarbeiter.

Designprozess

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Die Entwicklung von iPlus erfolgte auf Basis eines nutzerzentrierten und partizipatorischen Designprozesses, bei dem Menschen zwischen 50 und 85 Jahren von der Recherche bis hin zur Umsetzung miteinbezogen wurden. Dies erfolgte unter anderem mittels mehrerer Usability-Tests nach dem Prinzip der „Thinking-Aloud-Methode“.

Hierbei zeigte sich, dass das bisherige iPhone in vielerlei Hinsicht die Bedürfnisse und Fähigkeiten älterer Menschen vernachlässigt und selbst bei grundlegenden Funktionen und Bedienmechanismen erhebliche Nutzungs- und Verständnisprobleme bestehen.

So kam die Mehrheit der Nutzer bereits mit dem iPhone-Hauptmenü nicht zurecht. Dieses ist horizontal scrollbar, dadurch bedingt wurden anstelle eines Tastendrucks unabsichtliche Scrollbewegungen ausgeführt. Zudem empfanden viele Nutzer die Tatsache, dass erst nach Abheben des Fingers etwas passiert als unnatürlich und nicht erwartungskonform (beim iPhone wird ein Tastendruck standardmäßig erst dann erkannt, wenn der Finger wieder vom Display weggenommen wird).

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Weitere Bedienelemente wie beispielsweise die in vielen iPhone-Menüs vorhandene untere Menüleiste offenbarten ebenfalls gravierende Nutzungsprobleme. Sie wurde mehrfach versehentlich berührt, noch dazu ohne dass dies die Nutzer bemerkten (mangelnde Fehlertoleranz und geringes Feedback).

Das iPhone für die Generation Plus

Nichtsdestotrotz bietet das iPhone mit seinem Touchscreen und dem damit verbundenen geringeren Abstraktionsgrad eine erheblich intuitivere und direktere Nutzerschnittstelle als gewöhnliche Handys. Deshalb bildet es die ideale Basis für ein Mobiltelefon, das in Verbindung mit der iPlus-Anwendung die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Generation Plus berücksichtigt – ohne stigmatisierend zu wirken.

Die Diplomarbeit „Die Generation Plus und das iPhone – Nutzungsverhalten und neue Möglichkeiten“ wurde im Sommersemester 2009 im Studienfach Media System Design an der Hochschule Darmstadt von Moritz Keck (Xing-Kontakt) verfasst und von Prof. Claudia Söller-Eckert und Prof. Dr. Matthias Knoll betreut.

Veranstaltungshinweis:

Die diesjährigen Gewinner des mit 7.000 Euro dotierten eResult Usability-Contests werden auf dem 3. Usability Kongress, der am 05.-06.10.2009 in Frankfurt am Main stattfindet, geehrt. Weitere Infos zum Kongress finden Sie unter: www.usability-kongress.de

8 Gedanken zu „Die Generation Plus und das iPhone – Gewinnerkonzept des Science Awards (eResult Usability Contest 2009)

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  6. Heymer

    Ich suche ein Smartphone, Ipad oder Iphone welches leicht handhabar und für Senioren verständlich ist.
    Die Sprache soll auch für Hörgeräteträger ausreichend sein und es soll eine entsprechend große Schrift haben. gibt es so etwas?

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