Fragen an Christoph Anders: Was Sie schon immer mal über Eyetracking wissen wollten

eyetrackingGuten Tag, mein Name ist Christoph Anders. ich bin Projektmitarbeiter & wissenschaftlicher Assistent bei der eResult GmbH und beschäftige mich aktiv mit Methoden zur Untersuchung der Usability, insbesondere der Methode Eye-Tracking.
Das Verfahren der Blickverlaufsmessung mittels Augenkamera setzen wir z. B. in Verbindung mit einem Usability-Test im Labor oder Landingpage-Analyse im Labor ein.

In Kombination mit qualitativen Befragungs- und Beobachtungsdaten erhoben (z. B. durch Fokussierte Interviews und Protokolle lauten Denkens), liefern Blickverlaufsanalysen wertvolle Hinweise auf inhaltliche und gestalterische Optimierungsansätze.

In meiner täglichen Arbeit im Rahmen von Kundenprojekten beschäftige ich mich immer wieder mit neuen spannenden Fragestellungen, die mit Blickverlaufsanalysen beantwortet werden können, z. B. ob bestimmte Elemente/Bereiche einer Website vom Nutzer überhaupt wahrgenommen werden oder welche Layoutvarianten eher einem gewünschten visuellen Guiding entsprechen.

Neben der Auftragsforschung führen wir regelmäßig Grundlagenstudien durch. Ich bin zur Zeit in der Auswertung einer Blickverlaufsstudie, in der wir 30 Internetnutzer über einen Zeitraum von fast einem Monat zur Wahrnehmung von Websiteinhalten beobachtet haben. Erste Erkenntnisse werden wir im Rahmen des Usability Kongress 2009 in einem Vortrag präsentieren.

Für Ihre Fragen zum Thema Eyetracking stehe ich Ihnen gern zur Verfügung und freue mich auf rege Beteiligung.

4 Gedanken zu „Fragen an Christoph Anders: Was Sie schon immer mal über Eyetracking wissen wollten

  1. Thorsten Wilhelm

    Worin unterscheiden sich Blickverläufe auf Websites eigentlich von denen auf z. B. Anzeigen? Gibt es da gemeinsame Regeln und Erkenntnisse: Z. B. Bild zuerst und dann Text? Oder sind die Medien / Nutzungssituationen einfach zu unterschiedliche, als dass man Erkenntnisse aus der Analyse von Blicken auf Anzeigen auf Websites übertragen? LG

    Antworten
  2. Christoph Anders Beitragsautor

    Eine sehr interessante Thematik. Ich höre immer mal wieder die Meinung, man könnte auf Eyetracking bei Websites verzichten, da die Blickverläufe ähnlich wie bei Printprodukten z. B. Anzeigen wären. Dieser Meinung muss ich jedoch widersprechen. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Medien, sowohl in der Art der Gestaltung als auch in der Nutzungssituation.

    Eine Printanzeige ist meist (mal abgesehen von großformatigen Tageszeitungen, die gefaltet werden können) vollständig vom Betrachter erfassbar. An das Layout z. B. einer Zeitschrift hat sich ein Nutzer schnell gewöhnt, der Blickverlauf wird gespeichert (s. g. Scanpath). Bilder werden vor Headlines betrachtet und der Großteil der Aufmerksamkeit fällt auf Bilder. Insbesondere Gesichter ziehen Blicke an und steuern den Blickverlauf.

    Auch auf Websites ziehen Gesichter die Blicke an. Das wäre eine gemeinsame Erkenntnis, jedoch eine von sehr wenigen. Denn auch der Blickverlauf einer bestimmten Website wird vermutlich von den Nutzern gespeichert (scanpath theorie), allerdings unterscheidet sich eine Website in der Nutzungssituation grundlegend von einer Printanzeige. Auch die Gestaltung ist unterschiedlich. So kann eine Website zunächst in zwei Bereiche unterteilt werden, den sofort sichtbaren und den nicht sichtbaren Seitenbereich, der erst durch das Scrollen erreicht wird. Alles was sich unterhalb (below the fault) befindet, erhält eher wenig Aufmerksamkeit von den Internetnutzern.

    Darüber hinaus befinden sich viel mehr Elemente auf einer Website als auf einer Printanzeige, z. B. Menü- und Navigationselemente, Websitetools, Formularfelder usw. Der Textanteil ist deutlich höher und audiovisuelle Elemente wie Bewegtbilder, Videos und Interaktionselemente sind zusätzlich vorhanden. Es liegt eine High-Involvement-Kontaktsituation vor, d. h. der Einbindungsgrad des Nutzers in die kommunikative Situation mit der Website ist sehr hoch. Websites werden vom Nutzer auch viel länger betrachtet als eine Printanzeige, die Kontaktdauer ist also deutlich höher.

    All diese Aspekte beeinflussen den Blickverlauf auf Websites und machen es daher nicht möglich, die Erkenntnisse aus Blickverlaufsstudien zu Printanzeigen auf Websites zu übertragen.

    Antworten
  3. Pingback: Aufmerksamkeitsstarke HTML-Mails, Neues Abmeldeverfahren, Eyetracking… und mehr! Linktipps 107 « Direktmarketing Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *