Kinder im Internet – wie können kindgerechte Webseitengestaltungen verwirklicht werden?

Beginnen wir mit folgender Feststellung: Das Webseitendesign ist an die Anforderungen seiner Nutzer gebunden. Sie sind es, die durch Kritik und Lob das Design einer Seite maßgeblich beeinflussen. So kennen wir recht gut die Erwartungen von Jugendlichen und Erwachsenen. Viele Seiten im Netz sind daher verständlicherweise auf diese souveränen Nutzergruppen hin optimiert.

Was aber erwarten diejenigen Anwender, deren kognitive, psychosoziale und motorische Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist? Was ist mit Kindern im Alter zwischen 6 und 12 Jahren? Welche Anforderungen an Design und Funktion ergeben sich hier? Heute wollen wir in diesem Zusammenhang auf relevante Veröffentlichungen zu diesem Thema hinweisen.

Eine bereits 2002 veröffentlichte Studie der Nielsen Norman Group erhob die Reaktionen von 55 Kindern auf 27 Webseiten. Nielsen et al. stellten fest, dass Kinder unter klassischen Usabilityproblemen leiden. Hierzu gehören eine nicht eindeutige und inkonsistente Navigation, der Mangel an leicht erkennbaren, klickbaren Content sowie eine für Kinder atypische Sprache. Weiterhin wird in der Studie auf deutliche Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern hingewiesen. Anders als Erwachsene, empfinden Kinder Animationen und Soundeffekte positiv. Sie nutzen eher grafische Metaphern zur Navigation (z.B. Bilder) und sie scrollen äußerst ungern. Auch Werbung wird von ihnen als solche nicht erkannt, sondern dem Content der Webseite zugerechnet.

Eine weitere Studie zum kindgerechten Webseitendesign wurde von Chiasson und Gutwin 2005 veröffentlicht. Ihre Arbeit zeigt die kognitiven, körperlichen und sozial-emotionalen Aspekte der Kindesentwicklung auf. Daraus leiten die Autoren wichtige Leitlinien für die Webseitengestaltung ab. So betonen sie in Bezug auf die kognitive Entwicklung des Kindes, dass bei jeder Aktion auch eine Reaktion des Systems erwartet wird. Ladevorgänge, z.B., müssen kenntlich gemacht werden. Bezogen auf die körperliche Entwicklung stellen sie heraus, dass Symbole einer kindgerechten Webseite groß zu wählen sind, da die motorischen Fähigkeiten noch nicht voll ausgeprägt sind. Bei der sozial-emotionalen Entwicklung spielen domänenspezifische Figuren eine wichtige Rolle. Sie können die geringe Konzentrationsspanne des Kindes durch Entspannung und Wiedererkennung erweitern

  • Das ganze Dokument können Sie kostenlos von der Webpräsenz der University of Saskatchewan herunterladen.

Abschließend ein interessanter Beitrag, wie eine kindgerechte Suche nach Büchern geschaffen werden kann. Die „International Children’s Digital Libary“, erreichbar aus über 150 Ländern weltweit, erhob mit Kindern im Alter von 7-11 Jahren, welche zusätzlichen Suchfunktionen neben der bloßen Textfeldeingabe durch diese erwartet werden. Die Studie zeigt: Emotionale Kategorien sowie die farbliche Aufmachung des Buchcovers sind für Kinder wichtige „Suchbegriffe“ und sollten in die Suchoptionen als klickbare Buttons aufgenommen werden.

In den folgenden Wochen werden wir auf diesem Blog zwei relevante Beispiele für die positive Umsetzung von Usabilityguidelines präsentieren. Natürlich sind wir auch auf Ihre Erfahrungen mit kindgerechtem Webseitendesign gespannt.

Veranstaltungshinweis:

Interesse an mehr Best Practises für Online-Shops?
Dann könnte für Sie der Usability-Kongress am 05. und 06. Oktober in Frankfurt interessant sein. Weitere Inforationen zur Veranstaltung erhalten
Sie auf www.usability-kongress.de

Ein Gedanke zu „Kinder im Internet – wie können kindgerechte Webseitengestaltungen verwirklicht werden?

  1. Pingback: Kinder im Internet – kindgerechtes Webseitendesign an einem Beispiel aufgezeigt | usabilityblog.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *