Symbole, Icons und Typografie auf der MUC09

IconsEine interessante Session habe ich am Dienstag auf der Praxistagung Usability Professionals 2009 im Rahmen der Mensch und Computer 2009 in Berlin besucht. Das Schreiben mit Symbolen, Typografie und Usability als auch ein Methodenansatz zur Entwicklung nicht-standardisierter Icons wurden von den Referenten vorgestellt.

Eröffnet wurde die Session durch den Vortrag von Stefan Häber mit einer sehr interessanten Frage: Was bedeuten die Symbole auf dem Bild? Nur die wenigsten Teilnehmer (mit Ausnahme von ein paar Hamburgern) kannten die Bedeutung.

Bedienfeld Fahrstuhl

Bedienfeld Fahrstuhl

Dargestellt ist das Fahrstuhl-Kontrollfeld im Hamburger Hauptbahnhof: W für Wandelhalle, B für Bahnsteig, G für Geschäfte? Vor dem Hintergrund, dass nicht nur Hamburger, sondern auch nationale und internationale Gäste auf dem Bahnhof unterwegs sind, ist
sicherlich ein hoher Abstraktionsgrad notwendig, um sich bei der Bedienung des Fahrstuhls sicher zu sein, wohin es geht.

Nur ein plakatives Beispiel, an dem Stefan Häber aufzeigte, wie wichtig es für den Designer ist, kontext- und aufgabenbezogen zu entwickeln, damit der Anwender das System versteht. In einigen Systemen muss eine gewisse Lernbereitschaft beim Anwender da sein, um Ikonen zu verstehen, die ohne einen beschreibenden Text abgebildet sind. Ein Fazit seines Vortrags: Icons funktionieren nur im entsprechenden Kontext.

Im zweiten Teil der Session referierte Silke Lotterbach zu benutzerfreundlicher Schriftgestaltung und zeigte auf, dass Typografie und Usability kein Gegensatz darstellen, sondern korrelieren. Gut lesbarer Text ist eine Grundvoraussetzung für eine gute Benutzerfreundlichkeit. Es ist wichtig, dass Schrift eindeutig ist und lesbar. Der Einsatz von Schriftarten sollte auf ein Minimum reduziert werden, um die Komplexität zu reduzieren, hier ist weniger oft mehr. „Gute Schrift passt zum Kontext und sollte diesen noch mal bestätigen“, so Silke Lotterbach. Es ist schwierig allgemeine Empfehlungen zu geben.

Die Lesbarkeit von Schrift sei von vielen Faktoren abhängig. Insbesondere 2 Faktoren sind z. B. für Geräte nicht immer erfüllt: Schriften sind in verschiedenen Größen unterschiedlich gut lesbar und es gibt darüber hinaus kaum einheitliche Schriftgrößen.

Abschließend stellte Stefanie Götzfried einen interessanten Ansatz des benutzerzentrierten Designs nicht-standardisierter Icons vor. Im Rahmen eines Forschungsprojektes im Bereich Ingenieur-Informatik wurde ein Testverfahren entwickelt, das auf den Erfahrungen von Nielsen (Sano 1994) sowie den ISO-Normen 9186-1+2 „Graphical Symbols Test Methods“ (2007, 2008) basiert, jedoch aufgrund projektspezifischer Vorgaben der beiden Verfahren (da diese insb. für das Design von Symbolen an öffentlichen Orten entwickelt wurden) modifiziert.

Das Ergebnis ist eine iterative Methode aus Judgement (eine schriftliche Befragung) und Comprehension Tests (Nutzertest), bei der im zweiten Schritt gefundene Symbolvarianten, die im ersten Teil über einer durchschnittlichen Verständnis-Wahrscheinlichkeitsrate von 60% lagen, von Nutzern erneut bewertet werden. Final werden die Ergebnis-Icons in einem Comprehension Test verifiziert, d. h. von den Nutzern in realer Umsetzung auf Verständnis geprüft und bewertet.

Generell eine sehr interessante Session, aus der man einiges zur Content Usability mitnehmen kann.

3 Gedanken zu „Symbole, Icons und Typografie auf der MUC09

  1. Christoph Anders Beitragsautor

    @Thorsten, Amandi

    So wie oben beschrieben steht das G für Geschäfte, es könnte jedoch auch für Galerie stehen. Wenn man sich den Hamburger Bahnhof vorstellt, unten die Bahnsteige, darüber die Wandelhalle und oberhalb noch eine Art Geschäftsetage, relativ klein. Und da fängt es auch schon an. Wenn der Kontext nicht bekannt ist, wird es sehr schwer die Zeichen zu verstehen. Sogar wem der Bahnhof bekannt ist, der kann immer noch nicht mit Gewissheit sagen, ob die Bezeichnung richtig ist.
    Demnach eine wichtige Aufgabe für Designer, Entwickler, Berater hier anzusetzen und darauf zu achten die Symbole verständlich zu gestalten.

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