Webseitenkonzept für Reiseanbieter am Beispiel von FTI: „Damit der Urlaub bereits beim Buchen anfängt“ – Platz 2 des Design Awards (eResult Usability Contest 2009)

Das Internet ist ein schnell wachsender Dschungel mit geldgedüngtem Nährboden, in welchem nur angepasste Webseiten gedeihen können. Das sind jene Webseiten, die sich globalen und mentalen Entwicklungen unterwerfen. Nicht aus Demut, sondern aus klugem Trotz, welcher wie ein Staudamm die Flut an Informationen blockiert, die unseren kleinen Gedankenkontinent täglich 1000fach überschwemmen, sobald wir eine Webseite wie gmx.de oder reisen.de usw. anklicken.

Da die meisten gesunden, normal begabten Menschen von Geburt an leider nur über eine begrenzte Aufnahmekapazität von max. 5 – 7 Sinnesreizen verfügen, sieht sich unser Auge schnell satt, sobald es mit mehr als 5 – 7 „kaloriengeladenen Informationsbomben“ vollgestopft wird. Gebläht und müde haben wir keine Lust mehr auf weitere Informationen und steigen übersättigt aus. Und das, woran wir uns später erinnern, sind Kopfschmerzen.

Mit weniger Informationen zu arbeiten, bedeutet mehr Informationen im Gedächtnis (des Users) abspeichern zu können. Voraussetzung ist, dass die wenige Information viel Information zusammenfasst. Zum Beispiel können die Begriffe Schnürsenkel, Sohle, Absatz, Zunge, Kappe, Einfassung, Rahmen, Rist, Vorderblatt, Öse, Senkelblech, Ösenkranz zum Überbegriff Stiefel zusammengefasst werden. Es geht darum, die Information nach und nach zu erschließen, indem verständliche Schlagwörter oder Überbegriffe gebildet werden. Durch die richtige Benennung fällt eine Information erst auf. Und durch das Auffallen der Information werden Assoziationen gebildet (jeder weiß was ein Stiefel ist), die wiederum der Wissensspeicherung behilflich sind.

In der Arbeit „Webseitenkonzept für Reiseanbieter am Beispiel von FTI – Damit der Urlaub bereits beim Buchen anfängt“, befassten sich Tamara Napowanez & Max Baginskijuns mit der Usability von Online-Reiseanbietern wie Tui, Thomas Cook, FTI usw. Durch Vergleiche stellten sie fest, dass alle Webseiten von Reiseanbietern überladen, d.h. mit mehr als 5 -7 „Informationsbomben“ vollgestopft waren, was das tatsächliche Buchen einer Reise entweder unmöglich machte oder 2-3 Stunden Zeit in Anspruch genommen hätte. Die Reiseanbieter selbst gaben ihnen Auskunft darüber, dass die Online-Buchungen nicht nennenswert zum Gewinn beitragen, sondern lediglich, aus Image- und Werbegründen, auf der Internetplattform vertreten sein müssen(!).

Ihre Idee bzw. Ihren (Neu-)Entwurf – gemäß den vorangegangenen Überlegungen – setzen die beiden Studenten beispielhaft am Durchschnitts-Reiseanbieter FTI um. Auf der alten FTI-Webseite wurde bislang das Prinzip „Mehr ist Mehr“ verfolgt.

01_palmen

Jedes Element, jeder Sinnesreiz auf der Internetseite wird mit einer kleinen Palme gekennzeichnet. Sammeln sich bis zu sechs Palmen im gleichen Umfeld an, werden diese durch eine große ersetzt.

Dies führte unweigerlich dazu, dass man den Urlaub vor „lauter Palmen“ nicht mehr sehen konnte. Der neue Entwurf reduziert nicht die Information, er strukturiert sie und führt den User nach und nach durch die Menüpunkte.

02_wenigerpalmen

Nach dem „Relaunch“, in welchem alle alten Menüpunkte beibehalten und neue Menüpunkte hinzufügt worden sind, ist wieder Land in Sicht. Deutlich weniger ablenkende Sinnesreize ermöglichen die Konzentration auf die wichtigsten Menüpunkte.

04_sauber

Hier sehen Sie die Hompageabbildung, wie man sie auch im Internet abrufen könnte. Links oben befindet sich die Navigation. Diese informiert, in welchem ober- bzw. Unterpunkt sich der User gerade befindet.

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Aus dem Innenleben der Webseite. Obermenüpunkt BERATEN > COMMUNITY > URLAUB NACH MASS

Dies sind nur einige Screenshots des entwickelten Gesamtkonzeptes. Die gesamte Idee und Umsetzung der Arbeit stammt von Tamara Napowanez (26) & Max Baginskij (25). Beide studieren Gestaltung an der Mediadesign Hochschule in München. Ihre Arbeit „Webseitenkonzept für Reiseanbieter am Beispiel von FTI – Damit der Urlaub bereits beim Buchen anfängt“ entstand im Rahmen eines Studienprojektes im Jahr 2008. Momentan arbeiten Sie zusammen an Ihrer Diplomarbeit, welche Mitte Oktober 2009 abgeschlossen sein wird.

Alles in allem ein nettes und durchaus innovatives Konzept. Einzig und allein die Aussage der Reiseanbieter „dass die Online-Buchungen nicht nennenswert zum Gewinn beitragen, sondern lediglich, aus Image- und Werbegründen, auf der Internetplattform vertreten sein müssen“ finde ich höchst sonderbar. Mir waren eher Zahlen bekannt, dass man sich im Reisebüro informiert udn dann online bucht….Oder war es nun doch wieder anders herum?

Ein Gedanke zu „Webseitenkonzept für Reiseanbieter am Beispiel von FTI: „Damit der Urlaub bereits beim Buchen anfängt“ – Platz 2 des Design Awards (eResult Usability Contest 2009)

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