Wo steht die mobile Marktforschung? Wie wird sie sich entwickeln?

mobile

Kurzer Blick zurück:
Im Jahr 2000 hatte die Online-Marktforschung – also die Erhebung von Daten unter Einsatz des Internets / Webs – einen Anteil von 3% an den Gesamtausgaben für Marktforschung deutschlandweit. Heute, nur 9 Jahre später (2009), fließt jeder 3. Euro an Ausgaben für Marktforschung in die Online-Marktforschung (Marktanteil von etwas mehr als 30%)!

Eine rasante Entwicklung, die im Jahr 2000 nur wenige Experten vorhergesagt haben.

Wird sich die mobile Forschung, also die Erhebung von Daten unter Einsatz mobiler Endgeräte, ähnlich entwickeln?

Einige Vorteile der mobilen Marktforschung liegen geradezu „auf der Hand“:

  • mobile Zielgruppen sind gut erreichbar bzw. ansprechbar (z. B. Jugendliche, Geschäftsreisende)
  • ortsunabhängige Befragungen (z. B. Befragung von Besucher eines Events während diese vor Ort sind)
  • hohe Rücklaufgeschwindigkeit
  • große Befragungsbasis, da viele Bundesbürger ein oder mehrere Handys besitzen

Erste Erfahrungen aus Befragungsprojekten zeigen zudem, dass die Rücklaufquoten relativ hoch sind. Was aber vielleicht auch daran liegt, dass die Anzahl an Fragen bei mobilen Umfragen deutlich geringer ausfällt als z. B. bei Umfragen über das Internet / Web (ca. 50% weniger Fragen).

Jedes dritte deutsche Markforschungsinstitut hat – so das Ergebnis eine Umfrage des Unternehmens Globalpark – bereits mobile Marktforschungsprojekte durchgeführt.

Ein zentraler Vorteil wird dabei in der Schnelligkeit der Rückläufe gesehen.
Laut einer Studie der Toluna Group halbiert sich die Reaktionszeit von Nicht-Mobil- zu Mobilbefragungen von 5,3 auf 2,6 Stunden. Bereits eine SMS-Einladung zu einem Online-Fragebogen reduziert die Reaktionszeit – im Mittel um ca. 2 Stunden.

Haben wir es mit einem neuen Trend zu tun?
Vielleicht mittel- und langfristig, aktuell jedoch noch nicht.

In einer Befragung von 130 Marketing-Entscheidern hat sich gezeigt, dass nur ein Drittel mit der Bezeichnung „mobile Marktforschung“ vertraut ist. Nur 4% haben bisher mobile Marktforschungsprojekte durchgeführt, so ein weiteres Ergebnis der Expertenbefragung. Die Umfrage wurde im Auftrag der Fachzeitschirft Absatzwirtschaft durchgeführt.

Worin bestehen wesentliche Gründe für die Zurückhaltung?
Nicht zuletzt liegt es an der zu geringen „Nutzerfreundlichkeit“ von Umfragen über mobile Endgeräte.

Unterschiede Handytypen und verschiedene Größen bei den Displays machen es fast unmöglich Fragebögen so zu gestalten, dass sie bei allen Umfrageteilnehmern identisch angezeigt und auf einfache Weise bedient werden können. Zudem gibt es noch keine Standards in Bezug auf Fragetypen; und Erkenntnisse über die Erfolgsfaktoren bei der Gestaltung von Fragebogenseiten fehlen gänzlich. Viel Forschungs- und Optimierungsbedarf. Eine weitere Barriere stellen die – im Vergleich zum Web – hohen Verbindungskosten dar.

Schließlich weisen Umfragen über mobile Endgeräte – so jedenfalls die ersten Erfahrungen – Grenzen bei der Anzahl an Fragen auf.
30 Fragen sind bei Online-Umfragen „normal“. Dieser Umfang wird von Befragungsteilnehmern akzeptiert. Experten schätzen dass bei Umfragen über mobile Endgeräte 15 Fragen nicht überschritten werden dürfen. 15 Fragen brauchen in der Regel 5 Minuten, so dass es gut möglich ist an solchen „kleinern“ Umfragen teilzunehmen während man auf die nächste U-Bahn wartet. Viele Umfrageprojekte kommen aber eben mit 15 Fragen nicht aus.

Was bei mobilen Umfrage derzeit auch kaum möglich ist:
Die Einblendung von multimodalen Elemente – wie z. B. Audio- oder Videofiles.

Mein Fazit
Mobile Marktforschung wird zunehmen. Sie ist jedoch nicht für alle Untersuchungsthemen und Fragestellungen geeignet. Kommt es auf „unmittelbare Reaktionen“ an, z. B. bei einer Besucherbefragung auf einer Messe oder einem größeren Event, dann werden sich Umfragen über mobile Endgeräte schnell etablieren.
In anderen Bereichen, z. B. Werbemitteltests, Designtests, Analysen von Videos, wird die mobile Marktforschung die Online-Marktforschung auf mittlere Sicht wohl nicht verdrängen.

Mobile Marktforschung – kurzfristiger Hype und langfristiger Trend – wie ist eure Meinung?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *