Zur Gestaltung und Effektivität von Prototypen

MUC2009Der gestrige Montag auf der Mensch & Computer 2009 bot schon eine Vielzahl von unterschiedlichen Themen, wobei ich heute bei den Vorträgen zum Prototyping „hängengeblieben“ bin.

Herr Hamborg stellte zunächst eine Studie vor, die sich mit den Unterschieden von high und low fidelity Prototypen beschäftigte. Auch wenn es hierzu ja schon Untersuchungen gab, war ich gespannt auf die Ergebnisse.

Denn neben der einfachen Unterscheidung dieser beiden Arten von Prototypen, für die schon nachgewiesen wurde, dass kaum Unterschiede in der Anzahl der identifizierten Usability-Probleme zu erkennen sind, kamen nun noch mixed fidelity Prototypen ins Spiel.
Und zwar sollte einerseits untersucht werden, ob das Medium an sich (Papier vs. Computer) und anderseits die Realitätsnähe einen Einfluss auf die Anzahl der gefundenen Usability-Probleme hat.
Realitätsnähe wurde so variiert, dass der Prototyp am Computer auf jeden Klick verzögert reagierte. Ansonsten handelte es sich bei den verwendeten Prototypen um grafisch und funktional identische Untersuchungsgegenstände.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Medium einen signifikanten Einfluss auf die Bearbeitungszeit und den Explorationsumfang (Anzahl der aufgerufenen Screens) hat. Beim Papierprototypen wurde für die einzelnen Aufgaben etwas länger gebraucht. In Bezug auf die Exploration schnitt der unverzögerte computergestützte Prototyp am besten ab.
Entscheidend aber ist, dass weder die Wahl des Mediums, noch die Realitätsnähe (Verzögerung) einen Einfluss auf die Anzahl der gefundenen Usability-Probleme hat. Zwischen den drei genannten Fällen konnten hier keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden.

Ein weiterer interessanter Vortrag zum Thema Prototyping beschäftigte sich mit einem Tool, welches sozusagen die Brücke zwischen Papier- und computergestützten Prototypen schlägt.
Dieses Tool sollte die Vorteile aus beiden Varianten des Prototyping kombinieren. Als Vorteil vom Paper Prototyping wurde ein ehrlicheres Feedback vom Nutzer aufgrund eines scheinbar geringeren Entwicklungsstandes genannt. Dies haben wir ja auch hier im Blog (Beitrag: Wie muss ein Klickdummy aussehen) schon diskutiert.
Das von Daniel Herding vorgestellte Tool namens „Protoreto“ soll nun helfen, Papierprototypen weiterzuverwenden in dem man zum Beispiel handschriftliche Wireframes einscannen und weiterverarbeiten kann.
Eine weitere Neuerung ist die, dass man zwischen verschiedenen Designs für Navigation, Button, etc. wählen kann und diese Elemente bei Bedarf wie „handgezeichnet“ aussehen, also vereinfacht gesagt etwas krumm und schief. Weiterhin sind keine Programmierkenntnisse nötig, um das Tool zu bedienen, welches als Open Source Projekt angelegt ist. Nähere Infos gibt es unter folgendem Link: www.jacareto.sourceforge.net
Insgesamt ein interessanter Ansatz, wie man erste Entwürfe oder Storyboards weiterverwenden kann. Toll wäre natürlich, wenn man dieses Verfahren einmal anderen Tools (z. B. Axure) in einem Test gegenüberstellt.

2 Gedanken zu „Zur Gestaltung und Effektivität von Prototypen

  1. Martin Beschnitt

    Das Protoreto-Tool konnte ich selbst schon auf dem UXCamp bewundern (siehe meinen Erfahrungsbericht dazu: http://www.usabilityblog.de/2009/05/meine-impressionen-vom-1-uxcamp-2009-in-berlin-samstag-teil-1/). Ich frage mich jedoch immer noch, wo der Anwendungsbereich zwischen Papier Prototyp und digitalem Prototyp liegt. Ich weiß doch vorher, wo ich „hin“ möchte: Teste ich mit Papier, will ich in einer ganz frühen Phase testen. Die Digitalisierung des Prototypen wäre dann nur noch ein kleiner Schritt nach vorne. Als nächste Testphase würde ich dann schon einen grafisch ausgearbeiteten Prototypen auf dem finalen Medium vorziehen.
    Das würde ich gerne mal kontrovers diskutieren:-)

    Bzgl. der Erkentniss, dass Ergebnisse stark vom Medium abhängig sind, siehe auch diesen interessanten Artikel: „Papier oder Computer? – Eine Studie zu ihrem Einsatz bei Usability-Tests“ von Mäuselein, M.; Schäfer, J.; Machate, J.. Ist erschienen im Tagungsband der Mensch und Computer bzw. UPA 2007. Kann ggf. noch bei UID angefragt werden(?) oder halt im gedruckten tagungsband einsehen.

    Mal sehn, was die MUC dieses Jahr noch zu bieten hat. Bin gespannt.

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  2. Pingback: Faceted Search - wer suchet, der sollte auch finden | usabilityblog.de

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