Fragen an Jan P. Schultze: Was Sie schon immer mal über Eyetracking und Eyetrackingsysteme wissen wollten

Blickverlauf Guten Tag, mein Name ist Jan Patrick Schultze. Ich bin seit August 2002 bei der eResult GmbH tätig und betreue derzeit als Technischer Projektleiter die Bereiche Eyetracking, Online-Befragung und Web-Analytics. Zudem beschäftige ich mich mit der (Weiter-) Entwicklung von Befragungssystemen.

Eine meiner Hauptaufgaben liegt in der (technischen) Betreuung und Durchführung von Eyetracking-Studien. Insbesondere mit berührungslosen Eyetracking-Systemen der Unternehmen „Eye Response Technologies“ (ERICA-System) und „Tobii“ habe ich mich in den letzten Jahren intensiv beschäftigt.

Die technischen Möglichkeiten im Rahmen von Blickverlaufsmessungen haben sich in den vergangenen Jahren sehr stark weiterentwickelt. Speziell in Bezug auf die Messgenauigkeit und die Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung der erhobenen Daten (Visualisierungen, Exportmöglichkeiten etc.) haben die heutigen Systeme enorme Fortschritte gemacht. Das Bedienen und das Messens von Blickverläufen auf Websites ist mit den heutigen Hard- und Softwarelösungen relativ einfach geworden. Im Rahmen unseren Usability-Studien verwenden wir bei der eResult GmbH nahezu immer das Eyetracking, da wir hierüber wertvolle Hinweise zur inhaltlichen und gestalterischen Optimierung von Websites erhalten.

Neben der Technischen Betreuung der Systeme habe ich mich auch intensiv mit Auswertungsverfahren bzw. Analysemöglichkeiten von Blickverlaufsdaten beschäftigt. Meiner Meinung nach, steckt in diesem Bereich noch viel Potential für die Weiterentwicklung von Eyetracking-Systemen in den kommenden Jahren.

Für Ihre Fragen zum Thema Blickverlaufsmessungen (Eyetracking) oder zu Mess- bzw. Analysemethoden stehe ich Ihnen gern zur Verfügung und freue mich auf rege Beteiligung.

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5 Kommentare zu „Fragen an Jan P. Schultze: Was Sie schon immer mal über Eyetracking und Eyetrackingsysteme wissen wollten

  1. Marion UX Concept

    Vielen Dank für diese tolle Möglichkeit Fragen an Experten zu stellen. Das ist ein klasse Service, finde ich …

    Meine Frage im Zusammenhang an Eyetracking: Worin sehen Sie die zentralen Vorteile des Tobii Systems z. B. im Vergleich zu ERICA oder anderen Herstellern / Anbietern? Und: Ab wie vielen Studien im Jahr würden Sie sagen, lohnt sich die Anschaffung eines eigenen Eyetracking-Systems?

    Besten Dank!

  2. H.Leinsle

    kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen: Super Möglichkeit, hier Fragen an einen Experten stellen zu können.

    Auch meine Fragen sind ähnlich:
    - was sind die Vorteile von Tobii (X120, T120 z.B.) gegeünber den Konkurrenzsystemen (LC, SMI, Eyrespones, Eytech,…)? Ist nur das Tracking besser oder auch die Blickpunktsberechnung, sprich die Fixationsgenauigkeit?
    - Wie oft werden solche Systeme eingesetzt (Studien pro Jahr) und wann lohnt sich so etwas?
    - Werden mehrere Geräte gleichzeitig eingesetzt oder nur eines aber dafür mit höherem “Probandendurchsatz”?
    - Wie schnell amortisiert sich das Gerät in etwa?
    - Kennen Sie irgendwelche Quellen wo ich mehr über den Eyetracking-Markt (Volumen,Absatzzahlen,Firmen,Anbieter) etc. erfahren kann?

    Ich freue mich bereits auf Ihrer Antworten.

    Vielen Dank und beste Grüße.

  3. Jan Patrick Schultze Artikelautor

    Wir haben in unserem Unternehmen viele Jahre das berührungslose Eyetrackingsystem ERICA (inkl. der Analysesoftware Gazetracker) von eye response im Einsatz gehabt. Seit wenigen Jahren nutzen wir nun das Tobii-System. Im Vergleich dieser beiden Systeme liegt ein großer Unterschied in der Messmethode bzw. Messgenauigkeit. Das System von eye response verlangt eine relativ ruhige Sitzposition seitens der Testperson. Das von uns eingesetzte System „T60“ von Tobii erlaubt einen relativ großen Bewegungsspielraum seitens des Probanden. Da unsere Eyetracking-Studien schon mehrere Minuten (10-15 Minuten) andauern können, ist es einfacher genauere/präzisiere Daten mittels des “T60″ zu messen. Die Systeme von SMI und Mangold sind diesbezüglich ähnlich dem Eyetracker von Tobii. Diese Systeme unterscheiden sich wiederum in den Analysemöglichkeiten.

    Ab wie viel Studien lohnt sich ein Eyetracker?: Es ist richtig, dass solche Systeme von Tobii und SMI eine sehr hohe Investition darstellen. Jedoch muss man auch sagen, dass wir den Eyetracker intensiv nutzen. Wir verwenden Eyetracking zum einen im Rahmen unserer Usability-Studien (Kundenprojekte) aber auch für Forschungsstudie. Im Jahr sind das ungefähr 30 bis 35 Studien die wir durchführen. Auf den Monat bezogen, ist das System ungefähr 2-3 Wochen intensiv in Gebrauch. Wobei in dieser Zeit nicht nur Studien erhoben werden, sondern natürlich auch Auswertungen durchgeführt werden. Es ist schwierig eine genaue Zahl zu nennen, ab wann sich solch ein System „lohnt“.
    In meinen Augen kann man aber schon sehr interessante Erkenntnisse bezüglich der Usability von Websites ableiten. Auch das Feedback unserer Kunden ist diesbezüglich sehr positiv.
    Es gibt durchaus die Möglichkeit solche Systeme erst einmal zu Testen und auch zum Beispiel für einen bestimmten Zeitraum bzw. für ein einzelnes Projekt zu mieten. Diese Möglichkeit kann ich gut Empfehlen.

    Derzeit haben wir für die Erhebung ein einzelnes System im Einsatz. Bei der Auswertung weichen wir auch gern auf einen zweiten Rechner aus, um bei Projektüberschneidungen parallel Messen und Auswerten zu können.

    Quellen zum Eyetracking-Markt: Wir haben regelmäßig Kontakt zu Unternehmen wie eye response, tobii, SMI und Mangold. Hier kann man sich im persönlichen Gespräch über viele Neuheiten und Erkenntnisse austauschen. Auch Messebesuche diesbezüglich lohnen sich in meinen Augen. Zum Beispiel hat man auf Messen wie die „Mensch und Computer“ viele Möglichkeiten mit Eyetracking-Anbieter in Kontakt zu treten und kann sich zudem mit anderen Nutzern solcher Systeme austauschen. Auch an „World Usability Days“ (12. November 2009) wird das Thema Eyetracking immer mal wieder in Sessions aufgegriffen. Hier hat man eine sehr gute Plattform für den Wissensaustausch und den persönlichen Kontakt zu Eyetracking-Anbietern und Anwendern.

    Beste Grüße.

  4. Jan Patrick Schultze Artikelautor

    Mit den heutigen Eyetrackingsystemen können auch interaktive Websites und Applikationen sehr einfach gemessen werden. Bei der Datenerhebung (Aufnahme) wird der gesamte Surfprozess getrackt und als Video abgespeichert. Im System werden dann die Blickdaten und das „Surfvideo“ übereinander gelegt. So erhält man ein Blickvideo mit dem originalen/realen Surfprozess (inkl. den Blicken/Fixationen auf interaktive Elemente wie Maps, Video-Ads etc.) und kann sich dieses von jeder Testperson ansehen. Bei der Datenanalyse von Seiten mit sehr vielen interaktiven Elementen kann man dieses Video auch in einzelne Szenen oder Segmente teilen und anschließend mit Szenen anderer Testpersonen vergleichen oder beispielsweise Heatmaps erstellen. (Software: „Tobii Studio“)

    Speziell in diesem Bereich sehe ich noch viel Potential zur Optimierung und Weiterentwicklung der derzeitig eingesetzten Anlaysesoftware. Das Messen von interaktiven Applikationen (z. B. Instant-Messenger) ist bezüglich der Datenanalyse noch etwas aufwendig.

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