Interview mit Matthias Helferich über Tagebuchstudien mit Smartphones

Im Zuge der Beschäftigung mit dem Thema Tagebuchmethode habe ich einen Artikel zum Thema Tagesablaufstudie Matthias Helferichmit Smartphones von Matthias Helferich entdeckt und hier im Blog darüber berichtet. Um mehr über diese Untersuchungsmethode zu erfahren, habe ich ein Interview mit Herrn Helferich geführt.

Matthias Helferich ist Gründer und Geschäftsführer der cluetec GmbH. Als ausgewiesener Experte für mobile Anwendungen bringt er seine langjährige Erfahrung in die Weiterentwicklung der mobilen Befragungssoftware mQuest, individuellen mobilen CAPI-Anwendungen sowie bei
Kundenprojekten ein.

Nun zu den Fragen:

Ihr Produkt bietet die Möglichkeit, mobil mit Hilfe eines PDAs Daten zu erheben. Nehmen wir einmal den Fall, dass die Befragten Personen das Gerät selbst mit sich führen: Für welche Zielgruppen haben Sie die Geräte schon verwendet?

mQuest® bietet die Möglichkeit mit PDAs oder Smartphones (Datenübertragung per Mobilfunk) Daten zu erheben. In unterschiedlichsten Anwendungsfällen bedienen die Befragten dabei das mobile Endgerät und die Software nach einer kurzen Einführung selbstständig. Ein typischer Anwendungsfall ist dabei die Tagebuchstudie, bei der die Probanden oder Patienten das Gerät über mehrere Tage bis hin zu mehreren Wochen mit sich führen und bspw. nach Aufforderung per Alarm einen Fragebogen ausfüllen. Zuletzt kam mQuest® bei der Studie „MindSetKids“ zum Einsatz. Bei dieser Studie haben Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6-13 Jahren teilgenommen.
Dieser Studie ging die Studie „MindSet“ voraus, bei der Personen im Alter zwischen 16 und 64 Jahren teilgenommen haben.

Bis ins hohe Alter hinein haben Probanden schon bei Studien zu Medikamenten in Tagebuchform teilgenommen und kamen erstaunlich gut sowohl mit dem Smartphone als auch der Software zurecht.

Ein weiteres Einsatzgebiet von mQuest mit Selbstausfüllern sind Produktkliniken, u.a. Car Clinics. Hierbei bewerten die Testpersonen z.B. Fahrzeuge im Wettbewerbsumfeld mit einem unter Umständen mehrstündigen Fragebogen eigenständig auf einem zuvor ausgeteilten PDA.

Welche Anpassungen nehmen Sie für verschiedene Zielgruppen vor, und warum?

Im Normalfall sind keine spezifischen Anpassungen notwendig. Je nach Einsatzgebiet kann bspw. die Schriftgröße variiert oder ein spezielles mobiles Endgerät ausgewählt werden.
Bei der Studie „MindSetKids“ wurde aber auf die speziellen Anforderungen der sehr jungen Zielgruppe eingegangen. So wurde mQuest® um eine Vorlesefunktion erweitert, so dass auch Kinder, die noch nicht lesen können, an der Studie teilnehmen konnten. Auch der Einsatz von klicksensitiven Grafiken anstelle von Antwortmöglichkeiten in Textform gestalteten den Fragebogen zielgruppengerecht.

Was können herkömmliche Befragungsarten, beispielsweise Online-Fragebögen nicht leisten, wo sehen Sie die Vorteile einer Befragung mittels mitgeführtem PDA?

Der Fragebogen läuft in einem sogenannten „Kioskmodus“, d.h. Fehlerbedienung bspw. eines Internetbrowsers oder Ablenkung durch andere Funktionen der mobilen Endgeräte sind ausgeschlossen. Zudem ist auch das Ausfüllen des Fragebogens zu jeder Zeit möglich und nicht abhängig von einer bestehenden Internetverbindung (Funklöcher).

PDAs oder Smartphones sind handlich und können überall mitgenommen werden. D.h. dass ein Fragebogen genau zu dem Zeitpunkt ausgefüllt werden kann, bei dem ein bestimmtes Ereignis eintritt oder die Erinnerungsfunktion die Testperson an das Ausfüllen erinnert. So werden Recall-Effekte durch nachträgliches Ausfüllen eliminiert.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil ggü. anderen Befragungsarten sind die vollständig integrierten Funktionen zur Audioaufnahme und Foto-/Videoaufnahme, was sich bei den o.g. Studien sehr bewährt hat.

Können Sie ein Beispiel für ein Ergebnis einer Studie mit ihren Geräten nennen, welches besonders erstaunlich war und welches mit einer anderen Methode vermutlich nie aufgedeckt worden wäre?

Ich glaube nicht, dass die Tagebuchmethode mit PDAs Ergebnisse liefert, die mit anderen Methoden nicht aufgedeckt werden können. Der Vorteil ist aber, dass die Ergebnisse sicherlich so zeitnah wie mit keiner anderen Methode und durch den Einsatz von mobilen Geräten und mQuest® unverfälscht und in besonderer Qualität erhoben werden.

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