Virtueller Rundgang – Vielfalt vs. hoher Erlebniswert

Es gibt eine gewisse Hemmschwelle beim Kauf von Möbeln im Internet. Der Nutzer hat nicht die Möglichkeit, sich die Produkte live anzusehen, anzufassen oder einmal um diese herum zu gehen. Da es sich bei Möbeln darüber hinaus um eher hochpreisige Produkte handelt, ist es wichtig, dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, sich mit den Produkten vertraut zu machen. Auch im Möbelhaus beschäftigt man sich einige Zeit mit dem Möbelstück bevor man es kauft.

Mehrere Online-Shops haben dies erkannt und bieten virtuelle Wohnwelten, virtuelle Rundgänge durch Zimmer oder gar ein ganzes Haus an. Vorteile dieser virtuellen Welten sind, dass die Nutzer einen Eindruck von den Proportionen der Möbelstücke erhalten. Weiterhin können Funktionalitäten in Form von Bildern oder Animationen dargestellt werden. Modell- und verfügbare Farbvarianten können ausprobiert werden. Dies bietet dem Nutzer einen echten Mehrwert. Es erfolgt eine Interaktion vom Nutzer mit den Artikeln und nicht nur ein starres Betrachten.

Beispiel für einen sehr hohen Erlebniswert bietet die virtuelle Welt auf becquet.fr. Hier können nicht nur Produkte betrachtet, sondern in Form eines Rundgangs durch ein Haus erkundet werden:

Becquet.fr Startansicht
Einstieg in den virtuellen Rundgang von Becquet
Becquet.fr Wohnzimmeransicht
Wohnzimmer- gestaltung
Becquet.fr Produktdetails
Detailinformationen zu Produkten
Becquet.fr Bettwäscheauswahl
Auswahlmöglichkeit für Bettwäsche

Da dieser virtuelle Rundgang sehr aufwendig ist, können nur wenige Produkte angeboten werden. Eine ganze Reihe von Online-Shops verfolgt da einen anderen Ansatz. Man verzichtet auf einen Teil des Erlebniswertes und bietet dafür eine große Vielfalt. Es werden sehr viele beispielsweise Wohnzimmervarianten „zweidimensional“ abgebildet, d.h. es ist keine Bewegung im Raum möglich. Die einzelnen Einrichtungsgegenstände und Dekorationsartikel können per Klick erkundet werden, so werden verschiedene Farb- & Modellvarianten bzw. Funktionalitäten (z.B. Bettfunktion einer Couch) visualisiert. – Handelt es sich hierbei wirklich um einen Verzicht auf Erlebniswert?

Für die Nutzer bieten solche virtuellen Welten nicht nur einen hohen Unterhaltungswert, sondern inspirieren auch. Vor allem was die Kombination von Artikeln angeht. Weiterhin werden Dekorationsideen geboten. Aber nicht nur der Kunde hat einen Nutzen davon, sondern auch der Online-Shop-Betreiber verspricht sich einen Nutzen. So sind die zentralen Ziele Imagegewinn (Anbieter ist modern, innovativ etc.) und vor allem soll Kundenbindung erreicht werden.

Die Frage, die sich deshalb stellt: Was ist wichtiger – die Vielfalt oder ein hoher Unterhaltungswert? Vielfalt bedeutet, möglichst viel des Sortiments darzustellen. Oder doch nur wenig anbieten (wie der virtuelle Rundgang von Becquet) und einen hohen Erlebniswert bieten?

Wie hoch sehen Sie eigentlich die Gefahr, dass das Kaufen von den Nutzern „vergessen“ wird?

3 Gedanken zu „Virtueller Rundgang – Vielfalt vs. hoher Erlebniswert

  1. Thomas Timmler

    Hallo Fr. Brand-Sassen,

    während sich die großen Möbelhäuser in der Offline-Welt hauptsächlich durch die Größe der Prozentzeichen und Papierprospekten differenzieren, so kann in der Onlinewelt
    meines Erachtens ein innovativer Online-Shop durchaus noch begeistern. Auch wenn der Nutzer während des ersten Erlebens der virtuellen Welt den Kaufprozess
    vergisst, so wird er sich eher an diesen Onlineshop erinnern als einen einen „08/15“-Shop der Mitbewerber.

    Gerade bei Möbeln, wo die Kaufentscheidung aufgrund des Produktpreises wohl erst nach diversen Preisvergleichen fällt, schätze ich den Differenzierungsfaktor sehr hoch ein.

    Voraussetzung für den tatsächlichen Kaufabschluss der wiederkehrenden Nutzer ist aber die passende Produktpalette, welche auf diese Art angeboten werden kann. Wenn Becquet die
    Hausaufgaben gemacht hat und die identifizierte Kundengruppe des eingeschränkten Sortiments über diverse Marketingkanäle anspricht, sollte die Abschlussrate überproportional hoch sein.
    Als reines „Abverkaufs-Portal“ funktioniert das wohl nicht, denn die schönsten virtuellen Welten nützen dem Kunden nichts, der dort nicht das findet, was er sucht…

    Viele Grüße

    Thomas Timmler

    Antworten
  2. Pingback: Top-Themen im Dezember 2010: Anforderungsanalyse, Produktbewertungen über Schlagworte und „Abbrecher-Rückgewinnung“ | usabilityblog

  3. Carola

    Ich kaufe in der heutigen Zeit sehr viel über das Internet ein, aber bei Möbeln bin ich lange Zeit skeptisch gewesen. Das hat sich aber schnell gelegt nach dem ich es einfach mal ausprobiert habe und ich muss sagen ich bin sehr zufrieden damit. Es stimmt schon das man sich die neue Couch oder Küche gerne von allen Seiten anschauen möchte und vielleicht auch anfassen, aber es ist nicht immer zwingend notwendig.

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