Wenn Google einen „großen“ Online-Shop betreiben würde: Was wäre anders?

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Lassen Sie uns die Frage zunächst konkretisieren: Was verstehe ich unter einem „großen“ Online-Shop?
Ich denke da an einen Händler mit einem breiten Sortiment (Vollsortimentler). Dieser fiktive Händler verfügt über einen Online-Shop, mehrere Printkataloge und einige Läden im stationären Einzelhandel.

Nehmen wir nun weiter an, dass ein solcher Händler – seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich am Markt – von Google aufgekauft wird.

Im ersten Schritt widmet sich Google einer Optimierung des Online-Shops – danach sind erst die anderen Absatzwege an der Reihe.

Wie würden Google dabei vorgehen?
Was würde Google an dem Online-Shop zuerst verändern?

In diesem und weiteren Beiträgen möchte ich versuchen mich in Google „hineinzuversetzen“ und Antworten auf diese Fragen geben. Gerne zusammen mit Ihnen – vorausgesetzt Sie möchten dieses Gedankenspiel mitgehen.

Meine erste Annahme: Google würde einmaligen „Content“ bereitstellen und diesen leicht zugänglich machen!

Warum? Damit der Online-Shop gefunden wird. Klar.
Aber das ist nur ein Grund.

Viel wichtiger erscheint mir die Kundenperspektive: Google würde auf dem (gekauften) Online-Shop zusätzliche Inhalte bereitstellen, um die Nutzern und vorhandenen Kunden bei ihren Kaufentscheidungen zu unterstützen.

„So ein Quatsch!“ denken Sie vielleicht:
„Wozu noch mehr Inhalte auf Online-Shops – Webnutzer lesen die doch eh nicht. Das hat uns Jakob Nielsen schon seit Jahren gepredigt!“

Ja, richtig, hat er. Nur: Diese Annahme bzw. Aussage ist nicht mehr korrekt: Nutzer lesen immer mehr am Bildschirm.

Dazu beigetragen hat vor allem eine deutliche Verbesserung in der Gestaltung und Strukturierung von Online-Texten. Das gilt sowohl für Informations- und Nachrichtenportale (wie z. B. Spiegel.de) als auch für Online-Shops: Die Verbesserung der Präsentation von Inhalten auf Produktdetailseiten stand bzw. steht bei Online-Shops ganz oben auf der Agenda (Studie: „The State of Retailing Online 2009“ von Forrester Research & Shop.org).

Bleibt also die Frage: Wie kommt ein etablierter Händler an nützlichen und einmaligen Inhalt?

Über die Einkäufer!
Google würde umgehend die Mitarbeiter der Einkaufsabteilungen zu fähigen Bloggern ausbilden, von anderen Aufgaben „befreien“ und ihnen auf dieser Weise Zeit zum regelmäßigen Bloggen verschaffen.

Warum grad die Einkäufer?
Weil Einkäufer Produktexperten sind. Sie kennen sich in „ihrem“ Sortimentsbereich aus wie kein anderer Mitarbeiter. Einkäufer verfügen über Hintergrundwissen zu „ihren“ Produkten, erkennen Produkttrends frühzeitiger als andere, informieren sich stets über Maßnahmen der Hersteller und beobachten Veränderungen bei den Kundenbedürfnissen über lange Zeiträume.

Warum sollten Einkäufer dieses Wissen für sich behalten? Lassen wir sie doch „bloggen“.

Auf diese Weise tragen die Einkäufer dazu bei, dass die Nutzer und Kunden des Online-Shops „richtige“ bzw. „bessere“ Kaufentscheidungen treffen.
Unsicherheit in Bezug auf die Entscheidungsfindung wird reduziert, die Kunden erleben während und nach dem Kauf eine höhere Zufriedenheit und senden folglich auch weniger oft (gekaufte) Produkte zurück.

Das führt zunächst zu einer Steigerung der Kundenzufriedenheit und Kundenbindung, und mittel- bis langfristig auch zu einer deutlichen Gewinnsteigerung.

Sehen Sie das auch so?
Und: Wieso gibt es keine Einkäufer die „bloggen“? Wieso keine Online-Händler die ihre Einkäufer für die Kundenberatung „freistellen“?

5 Gedanken zu „Wenn Google einen „großen“ Online-Shop betreiben würde: Was wäre anders?

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  2. Christian

    Die Frage ist, warum Einkäufer nicht bloggen und viele Unternehmen teilweise nur wenig unique Content anbieten. Bei den großen Unternehmen liegt es meiner Meinung nach einfach an der fehlenden Zeit der Einkäufer/Mitarbeiter und oftmals am fehlenden Verständnis in den höheren Führungsebenen.
    Bei kleinen Unternehmen musste ich neben dem Zeitproblem immer wieder feststellen, dass es eine große Angst darüber gibt, dass sich auch die Konkurrenz an den Daten bereichert. Den Servicegedanken verstehen einige, aber die „Kosten“ sind den Klein- und Mittelstädnischen Unternehmen dafür zu hoch und sie erwarten zu wenig Rücklauf darüber. Diese Bedenken kann ich zum Teil auch nachvollziehen – vor allem bei Anbietern ganz spezifischer Produkte, bei denen es auf das richtige Know-How ankommt. Allerdings gillt es hier einen passenden Mittelweg zu finden. Was nicht immer leicht ist, wenn das Medium Internet zwar als wichtig, aber nicht als SO wichtig angesehen wird.

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  3. Detlef

    Wir versuchen unser Kunden nicht nur rein über den Shop anzusprechen. Dazu führen wir direkt einen News-Blog der sich dem Shop anschließt und auf dem wir versuchen Inhalt zu Produkten oder Aktionen bekannt zumachen. Aber ich muss meinem Vorredner Christian auch recht geben das dann leider kompletter Content ohne unser Wissen weiterverwendet wird.

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  4. Thorsten Wilhelm

    Vielen Dank für die interessanten Kommentare.
    Das Thema „Zeit“ ist sicherlich ganz wichtig, und wird meistens nicht beachtet. Hochwertigen Content regelmäßig bereitzustellen – das geht wirklich nicht „nebenbei“. Man muss den Mitarbeitern (z. B. Einkäufern) hierfür ausreichende Freiräume schaffen. Zudem denke ich, dass auch eine gewisse „Schreibkompetenz“ notwendig ist. Und dann natürlich eine hohe Motivation zum Bloggen. Auch das ist nicht bei allen Menschen gegeben. Viele haben interessantes zu sagen, zu berichten, trauen es sich dann aber nicht zu dieses zu veröffentlichen, weil sie denken es sei „uninteressant“.
    Also: Alles in Allem keine leichte Aufgabe einen Blog aufzubauen und zu betreiben, ohne die Unterstützung von Beratern ist das m.E. nur schwer machbar.

    @ Detlef: Wie sind Ihre Erfahrungen in Bezug auf das Thema „Abverkaufseffekte“. Fördern Beiträge zu einzelnen Produkten oder Themen den Verkauf, wirken sie sich auf den Umsatz merklich aus? Gibt es positive Beispiele dafür?

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  5. Pingback: Wenn Google einen “großen” Online-Shop betreiben würde: Was wäre anders? - Teil 2 | usabilityblog.de

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