MS Surface – neue Usability-Herausforderungen – Zu Tisch, bitte!

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Mit der Entwicklung des Surface Tables ist Microsoft ein Meilenstein in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine gelungen. War der Computer mit der berührungs- und bewegungsempfindlichen Bildschirmoberfläche bislang vor allem eine faszinierende Spielerei, setzt O2 den Hightech-Tisch nun als eines der ersten Unternehmen Deutschlands gezielt für Beratung und Verkauf ein. Im neu eröffneten Kölner Flagship-Store wurde das Multi-(Touch-) Talent sowohl architektonisch als auch technologisch voll in das Ladenkonzept integriert – zur weiteren Optimierung der Verkaufsgespräche.

Von Konzept über Design bis zur technischen Realisierung musste das interdisziplinäre Team seine Kompetenzen in das Projekt einfließen lassen. Die verantwortliche Usability-Expertin hat in diesem Projekt von Anfang an mit dem zuständigen Designer und dem .NET-Entwickler zusammen gearbeitet. Das Thema Gebrauchstauglichkeit hat hier eine große Rolle gespielt, denn eins war klar: der Tisch muss Spaß machen, jeder muss ihn verstehen und die Gebrauchstauglichkeit muss optimal sein!

Der sog. „Application Launcher“ und der „Handyberater“ stellten die beiden größten Herausforderungen an das Surface-Team.

Application Launcher

Mit dem Application Launcher für O2 wurde eine voll konfigurierbare Shell-Verwaltung für den Surface implementiert. Ziel war, den Standard Launcher des Microsoft Surface zu unterbinden, um jederzeit „on Brand“ zu sein. Dabei stand die automatische Aktualisierung im Vordergrund: alle Eigenschaften des Launchers wie Hintergrund, Navigationselemente und Bilder sollten online aktualisierbar sein – ohne einen USB-Stick an der Surface Unit anschließen zu müssen.

Aus Usabilitysicht stellte sich die Frage, wie optimiert man diese „Hauptnavigation“ so, dass sie dem Tisch und seinem Einsatzgebiet gerecht wird.

Die Lösung: Der Application Launcher stellt eine dynamische Navigation bereit. Navigationsführung und Orientation werden intuitiv am berührenden Benutzer ausgerichtet und steuert somit die Orientation der zu startenden Applikation.

Abb.1: ApplicationLauncher - Die Hauptnavigation richtete sich am Finger aus
Abb.1: ApplicationLauncher – Die Hauptnavigation richtete sich am Finger aus

Die im „Halbkreis“ angeordneten Menüpunkte erscheinen, sobald der Finger den Tisch berührt. Sie sind aus Nutzersicht immer so angeordnet, dass eine einfache Lesbarkeit und Bedienung gewährleistet sind. Egal wo der Nutzer steht, die Hautpnavigation erscheint nie „auf dem Kopf“.

Handy Berater

Per Fingerzeig kann der Benutzer gezielt die relevanten Geräteeigenschaften festlegen, um sich am Ende eine Auswahl passender Handys präsentieren zu lassen.

Abb.2: Der Handyberater - Einfache Auswahl nach Merkmalen und Hersteller.
Abb.2: Der Handyberater – Einfache Auswahl nach Merkmalen und Hersteller.

Wichtig für eine optimale Gebrauchstauglichkeit waren die Implementierung eines nutzerfreundlichen Filters und die Möglichkeit schnell an Informationen über das jeweilige Handy zu kommen.

Die Lösung: Mittels einfachen Fingerzeigbewegungen kann nach Hersteller und Merkmalen gefiltert werden. Mit jeder Selektion reduziert sich die Menge der auswählbaren Geräte auf dem Tisch.

Abb.3: Der Handyberater - Auswahl eines Modells.
Abb.3: Der Handyberater – Auswahl eines Modells.

Hat der Benutzer seine Auswahl getroffen, kann er sich die Endgeräte im Detail ansehen. Die Hersteller und Merkmale können per Klick ausgewählt oder auch einfach in den Filter hineingezogen werden. Um nähere Infos über ein Gerät zu bekommen berührt man es einfach mit der Hand, zieht es aus der Liste und es öffnet sich eine Übersichtskarte mir den wichtigsten Keyfacts.

Abb.4: Der Handyberater - Übersichtskarten im Überblick.
Abb.4: Der Handyberater – Übersichtskarten im Überblick.

Fazit

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine MS Surface Anwendung als Natural User Interface (NUI) andere Anforderungen an einen Usability Engineer stellt als ein herkömmliches Graphical User Interface (GUI), das mit Tastatur und Maus zu bedienen ist. Berücksichtigen muss man,

  • dass der Nutzer direkt mit den Händen interagiert.
  • dass mehrere Finger, bzw. beide Händen gleichzeitig zum Einsatz kommen.
  • dass mehrere Nutzer gleichzeitig den Tisch bedienen können und
  • dass der Tisch von verschiedenen Seiten genutzt werden kann.

4 Gedanken zu „MS Surface – neue Usability-Herausforderungen – Zu Tisch, bitte!

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  3. Martin Beschnitt

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Da werde ich wohl mal zum besagten o2-Store bei Gelegenheit pilgern – auch wenn ich erst letztens meinen Genion-Vertrag verlängert habe.
    Bzgl. der Bedienung des Surface-Tisches: NUIs sind anders zu handhaben als GUIS und somit ändern sich auch die Anforderungen an die Benutzer und uns Usability-Experten. Freue mich bereits auf weitere Entwicklungen und Anwendungsbereiche sowie weitere grundsätzliche Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet.

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