Produktinszenierungen – alles nur heißer Dampf?

In den ersten beiden Beiträgen zum Thema Produktinszenierung (als Stimmungsmacher & als Verkaufs-Booster) wurden bereits einige Vorteile und Nutzen herausgearbeitet und diskutiert. So verwundert es nicht, dass Online-Shop Anbieter versuchen, mittels aufwendig entwickelten Bewegbildern und anderen Produktinszenierungsformen sich von ihrer Konkurrenz abzusetzen.

Die Aussagen über die Vorzüge der Inszenierungen können durchaus eine euphorische Stimmung auftreten lassen. Es gibt jedoch auch einige Nachteile von Produktinszenierungen, welche durchaus Beachtung erhalten sollten. Nicht jede Inszenierungsart ermöglicht eine Darstellung vieler Produkte, so dass diese sich in der Regel nur für die hervorgehobene Präsentation einiger Bestseller oder Produkten mit hohen Margen eignet. Ausnahme bieten hier visuelle Navigationen oder Product Clouds, welche dennoch eine Vielzahl an Produkten darstellen können.

Eine weitere Problematik ist die durchaus aufwendige und zeit- und kostenintensive Umsetzung der Inszenierungen. Videos müssen gedreht werden, Produkte in spezieller Form abfotografiert (bspw. als Material für 3D-Animationen) und Flash-Elemente programmiert werden. Dies alles bindet personelle und finanzielle Ressourcen. Für den langfristigen Einsatz von Inszenierungen besteht allerdings die Möglichkeit die Pflegeaufwände zu minimieren. Beim Einsatz von Flash beispielsweise, kann, durch die Implementierung einer Datenbank, ein Produktbild, der Text oder die Preisangaben innerhalt des Flash-Elements durch Aktualisieren der Datenbank einfach und kostengünstig ersetzt werden – ohne dass speziell in Flash geschultes Personal benötigt wird.

Produktinszenierungen bergen zusätzlich die Gefahr, dass bei zu hoher Aufmerksamkeit auf die Inszenierung, die Intension des Kaufens in den Hintergrund tritt oder im Extremfall schlichtweg vergessen wird. Der Kaufprozess könnte folglich, trotz äußerst positiv rezipierter Inszenierung, abgebrochen werden. Auch können Inszenierungen bei entsprechender Umsetzung die Usability erschweren und sie können einen gewissen Lernaufwand beim Rezipient erfordern. Dies spielt insbesondere bei Zielgruppen mit geringerer Medien- und Interneterfahrung eine Rolle.

Aufgrund dieser Kritikpunkte und möglichen Schwierigkeiten im Bezug auf Inszenierungen stellt sich die Frage: Lohnt sich der Aufwand? Wann glauben Sie erscheint der Einsatz von Produktinszenierungen als sinnvoll und unter welchen Aspekten würden Sie davon abraten? Sehen Sie ein Risiko darin, dass Inszenierungen die Aufmerksam vom Kaufprozess ablenken können? Können Ihrer Ansicht nach Produktinszenierungen auch negative Resultate hervorrufen?

Ein Gedanke zu „Produktinszenierungen – alles nur heißer Dampf?

  1. Thorsten Wilhelm

    Vielen Dank für die interessanten Überlegungen – und vor allem für die gehaltvollen Fragestellungen. Wie immer ist es wohl so, dass es Nach- aber auch Vorteile gibt. Aus meiner Sicht ist eine gute Usability nach wie vor einer der zentralen Erfolgsfaktoren eines jeden Online-Shops – vergleichbar mit den Erfolgswirkungen des Sortiments und den gebotenen Services (auf dem Shop, im Fulfillment und in der Kundenbetreuung außerhalb eines Kaufes). Das wird auch dauerhaft so bleiben. Nicht zuletzt, weil es auf Online-Shops immer mehr Anwendungen und Applikationen geben wird (Stichworte hier: augmented reality, hoch funktionale Produktsuchen, persönliche Bereiche mit vielen Funktionen etc.).
    Das Thema „Inzenierung“ von Produkten, Schaffung eines positiven Erlebnisses und auch die soziale Komponente beim Einkaufreizeit dann mit iPhone & Co. Diese Nutzer verbringen pro Woche mehrer Tage (zeitlich betrachtet) im Web – und da wollen sie sich dann auch „wohlfühlen“, emotional angesprochen werden. Dazu tragen dann u.a. „gut inzenierte“ Produkte bei.
    Daher wird dieses Thema einer der Themen für 2010 werden, da bin ich mir recht sicher. Für die nächsten 3-5 Jahre auf jeden Fall. Hoffe nur, dass die Online-Shops auch in dieses Thema investieren und entsprechende Nutzerforschung und Analysen durchführen werden. Denn so einfach ist das nicht mit den Thema „Inspiration“, Erlebnisse auf Shops und Inzenierung von Produkten.

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