Bild & Content: Die richtige Balance zwischen Emotion und Information

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte… Diesen Satz hat man wahrscheinlich schon oft gehört. Dennoch sind Bilder tatsächlich das Mittel der Wahl, um dem Nutzer etwas zu vermitteln, was allein mit geschriebenem Wort nur schwer möglich ist: Emotionen.

In fast allen Branchen bzw. bei fast allen Kaufentscheidungen spielen Emotionen eine wichtige Rolle. Nicht ohne Grund wird heute im stationären Handel oft versucht, mit Hilfe von bestimmten Licht, Musik oder Farben eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Eine geeigente Ladengestaltung soll Emotionen auslösen, die das Verhalten und die Entscheidungen des Kunden positiv beeinflussen.
Bei Online-Käufen oder Buchungen stehen dem Händler jedoch begrenzte Mittel zur Verfügung, um derartige Emotionen zu wecken. Er kann beispielsweise nicht beeinflussen, wie der User sein Zimmer gestaltet hat, welche Musik er gerade hört oder was ihn vielleicht beim Surfen ablenkt. Die einzigen Möglichkeiten, den Nutzer entsprechend zu beeinflussen, sind die Gestaltung, der Informationsgehalt und auch die Usability der Website.

Exkurs: Emotion und Stimmung
Zunächst sollte jedoch eine Frage noch beantwortet werden: Was ist eigentlich eine Emotion?
Auf der einen Seite begleiten uns Emotionen jeden Tag. Wir begegnen Ihnen im Fernsehen, am Arbeitsplatz oder im Gespräch mit Freunden. Und es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem wir nicht selber Emotionen empfinden. Auf der anderen Seite gibt es in der Emotionsforschung eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen. So besteht zum Beispiel Uneinigkeit darüber, ob die begleitende physiologische Erregung Teil oder Bedingung der Emotion ist. Ein nicht zu verachtendes Problem bei der Beschreibung bzw. Messung von Emotion ist jeodch auch, dass große Anteile der innerpsychischen Zustände, die Emotionen ausmachen, bis heute nicht beobachtbar sind.
Eine grobe Annäherung soll folgende Annahme darstellen (Mau 2009):
Emotionen sind…

  • zeitlich datierte psychische Zustände
  • durch eine bestimmte Qualität, Intensität und Dauer gekennzeichnet
  • objektgerichtet
  • einhergehend mit einem bewussten Erleben
  • begleitet von physiologischen Veränderungen und Verhaltensweisen

In Abgrenzung dazu ist eine Stimmung meist länger andauernd, nicht auf ein bestimmtes Objekt gerichtet und weniger intensiv. Auch wenn diese Trennung in empirischen Untersuchung nicht immer eingalten wird, konnte festgestellt werden, dass ein positives Gefühlsempfinden die Art und Weise beeinflusst, wie Informationen verarbeitet werden, wie mit Risiken umgegangen wird und welche bzw. wie viele Argumente/entscheidungsrelevante Hinweise einbezogen werden.

Wie viel Bild ist erlaubt?
Um dem Nutzer möglichst ein „gutes Gefühl“ beim Surfen zu geben, ihn emotional auf das Thema einzustimmen und ihn möglichst lange auf der Website zu halten, wird oft stimmungsvolles Bildmaterial eingesetzt. Das folgende Beispiel (ruhr-tourismus.de) verwendet sehr große Bilder auf der Startseite, die in regelmäßigen Zeitabständen wechseln:


Startseite und Navigation auf www.ruhr-tourismus.de

Es handelt sich bei dem Ausschnitt in etwa um den sichtbaren Seitenbereich. Die Größe des Bildbereichs hat zur Folge, dass vom Content-Bereich zunächst nur ein relativ kleiner Teil sichtbar ist. Und nicht nur auf der Startseite, auch auf den Folgeseiten muss der Nutzer erst ein gutes Stück scrollen, um den Content ausreichend überblicken zu können. Natürlich sollten Website-Betreiber die Nutzungsanlässe ihrer Besucher kennen, um hier das bestmögliche Verhältnis herzustellen. Im Falle von ruhr-tourismus.de nehmen die Bilder jedoch gerade in tieferen Ebenen zu viel Raum ein, um den Nutzer optimal zu unterstützen. Auf der Startseite haben große, dominante Bilder durchaus ihre Berechtigung. Hat der Nutzer sich jedoch für ein Thema entschieden, sollte er seine Intention auch problemlos verfolgen können.
Hinzu kommt, dass die Bilder auch dann wechseln, wenn man sich mit der Maus in der Navigation bewegt (siehe obiges Video). Dies kann ablenken und sollte vermieden werden.

Fazit
Bilder mit gut gewählten Motiven sind ein sehr gutes Mittel, um Websites emotional ansprechend zu gestalten. Ein positives Beispiel zeigt die Startseite des Online-Auftrittes ruhr-tourismus.de. Mit kleinen Optimierungen kann hier der gewünschte Eindruck gut transportiert werden.
Um die optimale Balance zwischen Information und Emotion zu finden, sollte man sich stets vor Augen führen, mit welchen Zielen die verschiedenen Nutzergruppen auf das Angebot zugreifen. Bilder sollten gerade in tieferen Ebenen, wo die Information meist im Vordergrund steht, nicht zu viel Raum einnehmen. Letztendlich sollten jedoch auch andere Einflussfaktoren den emotionalen Empfindens beim Surfen nicht vernachlässigt werden. Ein wertvolles Buch zum Thema, das sogleich als Quelle dieses Beitrags genannt werden soll ist „Die Bedeutung der Emotionen beim Besuch von Online-Shops“ von Gunnar Mau (Gabler-Verlag, 2009).

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Kennen Sie vielleicht Beispiele für sehr emotional gestaltete Websites oder solche, die das Gleichgewicht zwischen Emotion und Information gut getroffen haben?
Worauf sollte beim Einsatz von Bilderwelten sonst noch geachtet werden?

4 Gedanken zu „Bild & Content: Die richtige Balance zwischen Emotion und Information

  1. Marc von Fotogeschenk.org

    Das mit den Emotionen ist einleuchtend und ist im Einklang mit unserer Festellung, dass Produktseiten mit Bildern oder Fotos besser konvertieren als einfache Beschreibungsseiten. Es ist allerdings nicht immer ganz einfach den Besucher emotional zu packen, da man selten Feedbacks bekommt.

    Antworten
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