Usability-Tests „im eigenen Haus“ durchführen – zuschauen, Probleme erkennen und lernen!

Inhouse Usability-Test

Machen Sie das auch ab und zu: Andere Menschen beobachten – im Café, beim Bummeln in der Innenstadt, auf Veranstaltungen oder beim Einkaufen?

Ich mache das eigentlich ganz gerne mal. Für mich als (neugieriger) Forscher eine Quelle für Anregungen, Ideen und neues Wissen über das Verhalten von Menschen.

Haben Sie schon mal zugeschaut wir Ihre Kunden und Besucher sich auf Ihrer Website bewegen, wo sie hinschauen und worüber sie sich ärgern?

Einige von Ihnen werden die Frage mit „Ja“ beantworten, nehmen Usability-Test im Lab doch stetig zu. Aber auch für Sie lohnt es sich weiterzulesen, denn sogenannte „Inhouse Usability-Tests“ haben andere Vorzüge und Einsatzbereiche als klassische Nutzertests in einem Usability-Labor.

Mit „Inhouse Usability-Tests“ werden zwei Ziele erreicht:

  1. Sie erhalten erste Anregungen zur Optimierung Ihrer Site – auf der Basis von Eyetracking, Beobachtungs- und Befragungsdaten.
  2. Sie und Ihr Team sind „live“ dabei während Ihre Kunden und Besucher Ihre Website nutzen, schauen diesen „über die Schulter“, erfahren wie diese Personen mit Ihrer Website umgehen, bauen Wissen über Ihre Zielgruppe(n) auf und lernen nebenbei auch wie man „gute“ Usability-Tests (selbst) durchführt.

Um diese Ziele zu erreichen, werden bei Inhouse Usabilitytests Forschungs- mit Coaching-Einheiten kombiniert.
Lassen Sie uns schauen wie das geht…

1. Tag eines Inhouse Usabilitytests – aktuelles Usability- und Methodenwissen mitnehmen!

Der erste Tag steht im Zeichen der Wissensvermittlung. In einer halbtägigen Schulungsveranstaltung übermitteln erfahrene UX (=User Experience) und Research Consultants neuestes Wissen aus Studien und Grundlagenprojekten, und gehen auf gängige Methode der Usability-Analyse ein, wie z. B. Labtests, Eyetracking, Onsite-Befragung, multivariate Tests, Kundenblog, Expert Review u.a.).

Mit Hilfe von Fallstudien wird die Vorgehensweise jeder dieser Methoden anschaulich beschrieben. Zudem werden die Einsatzbereiche der Methoden (Für welche Fragestellungen geeignet?), aber auch deren Grenzen erläutert (Welche Fragen können mit der Methode nicht beantwortet werden?).

In der zweiten Tageshäflte wird ein mobiles Usability-Lab bei Ihnen im Hause aufgebaut, inkl. Eyetracker. Sie haben die Möglichkeit zu erfahren wie sich Testpersonen in Usabilitytests fühlen, welche Erhebungsverfahren bei Usability-Tests im Lab eingesetzt werden und wie Maus- und Eyetracking im Detail funktioniert.

2. Tag – Testdurchführung

Am zweiten Tag finden die Usability-Tests statt.
Dazu werden 8-10 Personen eingeladen, ausgewählt auf Basis Ihrer Zielgruppenbeschreibung (Kunden, Site-Besucher). Idealer Weise handelt es sich dabei um so genannte Erstnutzer, also Personen aus der Zielgruppe die vorab noch niemals die zu testende Website genutzt haben.

Ablauf eines Tests: Zunächst werden die Testteilnehmer in Empfang genommen und mit einem Getränk versorgt.
In einer sogenannten Warm-Up Phase erfragen erfahrene UX Consultants die zentralen Erwartungen & Wünsche der Testpersonen an die inhaltliche und funktionale Gestaltung der zu testenden Website.

Anschließend surfen die Testpersonen „frei“ auf Ihrer Website, d.h. die Testperson können die Website erkunden, entsprechend ihren aktuellen Intentionen und Wünschen surfen. Konkrete Aufgabenstellungen werden zunächst nicht unterbreitet.
Während der freien, erkundenden Surfphase sprechen die Testpersonen ihre Gedanken und Bewertungen laut aus (Protokolle lauten Denkens). So wird deutlich welche Intentionen sie verfolgen und wie sie die dabei aufgerufenen Seiten und genutzten Funktionen Ihrer Website beurteilen.

Im dritten Teil des Tests erhalten die Testperson 2-3 konkrete Aufgabenstellen, z. B.: „Sie haben erfahren, dass Amazon eine eigene Kreditkarte anbietet. Informieren Sie sich bitte über diese Karte: Welche Vorteile biete sie Ihnen? Und falls Sie der Meinung sind dass die Karte Ihnen persönlich besondere Vorteile bietet, dann können sie diese gerne auch gleich bestellen.“

Bei der Bearbeitung solcher und anderer Aufgabenstellungen werden die Testpersonen „beobachtet“. Im Detail wird aufgezeichnet wie sie bei der Aufgabenbearbeitung vorgehen, wo sie hinschauen (Eyetracking), welche Klicks sie tätigen, wie die Maus bewegt wird und welche Probleme bei der Suche nach Informationen und der Bestellung auftreten.

Im Anschluss stellen die UX Consultants in einem strukturierten Interview einige gezielte Fragen, um die Gründe und Ursachen für beobachtete Probleme zu identifizieren, sowie Bewertungen in Bezug auf die inhaltliche und formale Gestaltung zentraler Seiten zu ermitteln.

Der komplette Test wird per Video aufgezeichnet, dokumentiert und „live“ in einen Nebenraum, den sogenannten Beobachtungsraum, übertragen.

In dem Beobachtungsraum können Sie und Ihr Team „live“ mitverfolgen welche Aussagen die Testpersonen treffen, wie sie bei der Bearbeitung der Aufgaben vorgehen, einzelne Seiten und Funktionen bewerten und welche Probleme auftreten. Sie schauen Ihren Kunden und Besuchern somit „über die Schulter“, während diese Ihre Website nutzen. Eine sehr wertvolle Quelle für Ideen, Anregungen und Erkenntnisse zur Optimierung der eigenen Website.

Jeder Beobachter dokumentiert seine Beobachtungen, Learnings und vor allem wahrgenommenen Probleme auf einfachen „Post-Its“ – kurz und prägnant bezeichnet undauf der Rückseite im Detail beschrieben. Die Post-Its werden an einer Pinnwand gesammelt. So gehen keine der identifizierten Probleme verloren.

Die Beobachtung hat einen weiteren Vortei: Sie und Ihre Team erfahren wie sich Personen aus Ihrer Zielgruppe verhalten, welche Wünsche diese an eine leicht bedienbare und funktionale Website haben. Auf diese Weise wird Ihr Verständnis für die Zielgruppe(n) geschärft und deutlich ausgeweitet. Sie können sich anschließend besser in Ihre Kunden und Site-Besucher hineinversetzen.

3. Tag – Identifizierte Probleme im Umgang mit der Website gewichten und Problemlösungen erarbeiten

Der 3. Tag eines Inhouse Usability-Tests steht im Zeichen der Datenauswertung und Herleitung von konkreten Empfehlungen zur Optimierung der getesteten Website.

Ausgangspunkt sind die Eindrücke aus dem Testtag und die auf Post-Its dokumentierten Probleme.

Die identifizierten Probleme werden zunächst kategorisiert, d.h. einzelnen Funktionen und Seiten zugeordnet (z. B. Startseite, Suche, Bestellprozess, Produktdetailseite, Mein Konto, Newsletter etc.).

Anschließend werden die Probleme je Seite bzw. Funktion klassifiziert, abhängig vom Inhalt des Problems:
Probleme zum Interface-Design (optische Gestaltung), Interaktionsdesign / Navigation (Bedienung im engeren Sinne), Wording, zur Informations-/Site-Struktur etc.
Je Klasse (Kategorie, Inhalt) findet im Anschluss eine Gewichtung der Probleme statt, in schwere, mittelschwere und kosmetische (Usability-)Probleme.

Für die schweren Probleme entwickeln erfahrene UX Consultants zusammen mit Ihnen und Ihrem Team konkrete Problemlösungsansätze und Empfehlungen. Dieser Prozess der Ideensammlung, -bewertung und Konkretisierung wird von UX Consultants moderiert.

4. Tag – Nachbereitung, Dokumentation und Visualisierung der Empfehlungen

Der letzte Tag eines Inhouse Usability-Tests steht im Zeichen der Nachbereitung.
Die UX Consultants erstellen ein Protokoll mit den identifizierten Problemen und den entwickelten Empfehlungen. Die Empfehlungen werden textliche und im Detail beschrieben, zugleich aber auch in Form von Wireframes visuell umgesetzt. Die gewonnen Erkenntnisse können somit leicht an Personen kommuniziert werden, die Tests nicht mitverfolgt haben. Zudem wird die Umsetzung beschleunigt.

Fazit – was bringt ein Inhouse Usability-Test?

Eine Vielzahl an Optimierungsempfehlungen für die getestete Website, neueste Erkenntnisse zur nutzergerechten Website-Gestaltung, tiefe Einblick in das Verhalten Ihrer Kunden und Besucher auf Ihrer Website und fundiertes Wissen über die Vorbereitung, Durchführung und Einsatzbereiche von Usability-Tests.

2 Gedanken zu „Usability-Tests „im eigenen Haus“ durchführen – zuschauen, Probleme erkennen und lernen!

  1. Pingback: Twitter Trackbacks for Usability-Tests “im eigenen Haus” durchführen - zuschauen, Probleme erkennen und lernen! | usabilityblog.de [usabilityblog.de] on Topsy.com

  2. Pingback: Live dabei, ohne vor Ort zu sein: Alternativen zum klassischen Teststudio - Usabilityblog.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.