Location-based Gaming: Ortsbezogene Dienste erobern Social Media

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2009 war die Fragestellung „Was machst Du gerade?“ (Twitter) von zentraler Bedeutung für Nutzer des mobilen Web 2.0. Im Jahr 2010 lautet die Frage dagegen „Wo bist Du gerade?“. Und darauf werden die User künftig stets eine Antwort erhalten.

Der Grund: Spannende Dienste wie die location-based social Networks Gowalla und Foursquare auf den mobilen Plattformen Apple iPhone und Google Android bringen mit der neuen Spielart location-based Gaming frischen Wind in das Umfeld der location-based Services. Die nächste Evolutionsstufe sozialer Netzwerke tritt damit auf den Plan.

Location-based Gaming sind Spiele, deren Spielverlauf durch die Veränderung der geografischen Position der Spieler beeinflusst wird.

Das Spiel begann mit Geocaching

Eine Variante dieses positionsbezogenen Spielens, die in den letzten Jahren eine gewisse Bekanntheit erlangte, ist das so genannte Geocaching, ein Geländespiel mit geografisch-elektronischer Schatzsuche. Die Spieler nutzen mehr oder weniger kostspielige Outdoor-GPS-Empfänger. Damit können Sie über im WWW veröffentlichte geographische Koordinaten die genaue Position von Verstecken (Geocaches) ausfindig machen.

2. Spielrunde: Smartphones mit GPS-Empfänger

Mit dem Aufkommen von Smartphones mit integriertem GPS-Empfänger, allen voran Apples iPhone, traten auch erste Anwendungen für diese Geräte auf den Plan. Sie boten den Nutzern so genannte location-based Services – mobile Dienste, die dem Endbenutzer mittels positions-, zeit- und personenabhängiger Daten spezielle Informationen liefern. Auch erste Geocaching-Applikationen für diese Geräte wurden vorgestellt, erfuhren aber abseits der spitzen Zielgruppe der Geocacher wenig Aufmerksamkeit.

Mobile Nutzung von Social-Media-Diensten

Mit dem Siegeszug der sozialen Netzwerke im Jahre 2009 und der zunehmenden Marktdurchdringung GPS-fähiger Smartphones auch im Privatkundensegment rücken die location-based Services nun aber wieder stärker ins Blickfeld. Die mobile Nutzung von Social-Media-Diensten kann um ortsbezogene Informationen erweitert werden.

Traditionelle soziale Netzwerke wie Facebook, MySpace oder studiVZ vernachlässigen das Thema location-based Services bisher allerdings vollständig, selbst wenn bereits eigene mobile Applikationen zur Verfügung stehen.

Location-based Services der zweiten Generation

Bei Gowalla oder Foursquare hingegen können Nutzer mit GPS-Handy an ihrem aktuellen Standpunkt „einchecken“ und ihren Freunden und Kontakten so mitteilen, wo sie sich gerade aufhalten. Die mögliche Weitergabe dieser Informationen über verknüpfte Dienste wie Twitter erhöht die „Reichweite“.

Dienste, die eine Positionsbestimmung oder das mobile Verorten von Statusmeldungen ermöglichen, gab es aber auch schon vorher: Brightkite, Plazes und Google Latitude seien als prominente Beispiele genannt. Für technisch Interessierte oder Early Adopters erscheinen derartige Anwendungen durchaus interessant. Der Mehrwert dieser Dienste mag der breiten Masse der heutigen Smartphone-Besitzer aber wohl schwer zu vermitteln sein.

Um dieses Massenpotenzial zu erschließen, bieten die Anwendungen der nun zweiten Generation einen Spielcharakter, einen anderen Einstieg und höheren Anreiz: Man nutzt die Dienste nicht, man spielt sie – ganz ähnlich wie zuvor beim Geocaching.

Einchecken und erobern

Bei Foursquare und Gowalla erhalten die Nutzer für das Einchecken an Orten Punkte. Ist eine bestimmte Punktzahl erreicht, werden Abzeichen (Badges, Stamps) verteilt. Wer innerhalb einer Woche am häufigsten an einem Ort eingecheckt hat, wird bei Foursquare zum Mayor (Bürgermeister) gekürt.

Es geht also um das Besuchen, Bekanntmachen, Anlegen und nicht zuletzt Besetzen von „Spots“ – nach dem Motto „ich war zuerst hier, ich habe diesen Spot gegründet“. Durch diese digitale Verortung weht eine sanfte Brise aus den Zeiten guter, alter Strategie-Brettspiele und Graffitis.

Schnitzeljagd 2.0

Bei Gowalla kommt eine Komponente hinzu, die Analogien zur traditionellen Schnitzeljagd, nun in der 2.0-Variante aufweist: Virtuelle Güter können gefunden, gesammelt und getauscht werden, jeweils in Verbindung mit den besuchten „Spots“. So verknüpfen diese Anwendungen geschickt die spielerische Komponente mit dem nutzergetriebenen Aufbau eines Städte- und Branchenverzeichnisses.

Zwar erscheinen die spielerischen Elemente von Foursquare und Gowalla auf den ersten Blick primitiv. Doch Facebook-Spiele wie Farmville oder Mafia-Wars haben schon gezeigt, dass auch einfache Games einen unglaublichen Erfolg haben können, sobald die kritische Masse erst einmal erreicht ist, um viral zu werden. Bei Foursquare und Gowalla entwickeln sich das Anlegen von und Einchecken in Locations zu einem bemerkenswerten Wettkampf unter Freunden und bergen einen gewissen Suchtfaktor.

Chancen für Werbetreibende

Die Möglichkeiten für Werbetreibende lassen sich derzeit nur erahnen: Kampagnen könnten an die physische Präsenz potenzieller Kunden (ermöglicht über das GPS-fähige iPhone) gekoppelt werden. Brands könnten spielerisch „erlebbar“ und bekannt gemacht werden.

Kooperationen im lokalen Bereich (Händler, Gastronomieunternehmen) bieten sich an. Vielleicht kann man Gutscheine finden, die man einlösen kann? Vielleicht muss man aber auch eine Gruppe von Menschen an verschiedenen Orten „einsammeln“, um dann gemeinsam an einem anderen Ort an einem Brand-Event teilnehmen zu können?

Herausforderungen für die Usability-Forschung und Methodik

Foursquare und Gowalla bieten Features und Funktionen, die in dieser Form noch nicht zum Standardrepertoire gehören. Zugleich werden die Anwendungen in räumlichen und sozialen Umfeldern eingesetzt, die sich nicht so einfach z. B. in einem Usability-Lab abbilden lassen.
Will man die neuen Funktionen von Foursquare und Gowalla „nutzer-/anwendergerecht“ optimieren, dann sind Usability-Tests im Lab sicherlich sinnvoll, jedoch nicht ausreichend. Es ist zusätzlich notwendig Methoden und Verfahren einzusetzen, die den Anwendern ein sofortiges Feedback in Bezug auf Nutzungsprobleme, vermisste Funktionsbestandteile und Funktionen erlauben; sofortig meint hier: im Moment der Nutzung.
Methoden wie Kunden- bzw. Anwenderblogs und Nutzertagebücher gehen bereits in diese Richtung und sind grundsätzlich hierfür geeignet. In den kommenden Jahren wird die Usability-Forschung aber gefordert sein weitere, innovative Methoden für diese Anwendungen und Anwender zu finden.

Wichtig wird – und das ist im Umfeld von Social Media 2010 längst nicht mehr neu – der intelligente, dialogorientierte und ehrliche Umgang mit Menschen sein, damit sie Marken mit mobilen Applikationen wie Gowalla und Foursquare noch unmittelbarer „erleben“ können.

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