Warenkorb einmal anders – Gesteigerte Funktionalität erleichtert das einkaufen online

Einkaufswagen

(c) Gabi Schönemann @pixelio.de

Aus einem früheren Blogbeitrag von Thorsten Wilhelm „Schaufenster und Kasse stehen bei Online-Händlern im Fokus“ wissen wir, dass der Bestellprozess eine der Top-Prioritäten bei der Shopoptimierung für die Betreiber darstellt. Dessen Gestaltung entscheidet maßgeblich über die erreichten Konversionsraten. Hält der Kunde den Shop für unsicher oder empfindet ihn als kompliziert und schlecht bedienbar, besteht die Gefahr des vorzeitigen Abbruchs. Ein bedeutsamer Teil des Einkaufserlebnisses online fällt dabei auf den Warenkorb.

Die Gestaltungsmöglichkeiten von Warenkörben sind scheinbar endlos, wie der Beitrag „Shopping Carts Gallery: Examples and Good Practices“ zeigt. Ein weiterer interessanter Beitrag von Ralf Seybold über die „Wirkung von Warenkorb-Buttons“ macht klar, dass deutsche Warenkorbdesigns weitaus heterogener als amerikanische sind. Vom klassischen Einkaufswagen über Papiertüten und bloße Textlinks gibt es also eine große Variation an möglichen Darstellungen.

So verschieden die Designs auch sein mögen – eine grundlegende Regel gilt für alle Warenkörbe: Die hohen Ansprüche der Nutzer an deren Funktionalität. Oder würden Sie sich im realen Leben mit einem Einkaufswagen abquälen, dessen Räder blockieren, quietschen und der ständig aus der Bahn läuft – sicher nicht.

Ähnliches gilt für das digitale Pendant. So finden sich in einer Veröffentlichung der Fachgruppe für e-commerce des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft z.B. folgende hilfreiche Empfehlungen zur Ausgestaltung des digitalen Warenkorbes:

  • Der Warenkorb sollte von jeder Seite Ihres Shops erreichbar sein
  • Das Hinzufügen sollte leicht und mit einer Rückmeldung für den Nutzer verbunden sein
  • Über die im Warenkorb befindlichen Objekte sollten ausreichende Informationen abbrufbar sein
  • Die Anzahl der im Warenkorb befindlichen Objekte sollte leicht ersichtlich und veränderbar sein
  • Eindeutige Verweise auf weitere Bestellmöglichkeiten oder zum Abschluss des Einkaufes sollten gegeben sein
  • Cross-Selling-Produkte nicht zu aufdringlich präsentieren

Es gibt viele gute Warenkörbe die diese Richtlinien bereits berücksichtigen. Dennoch fällt das Warenkorbdesign von cyberport.de am stärksten auf. Insbesondere die Fülle der Funktionalität des Warenkorb beeindruckt, wobei gleichzeitig bestehende Usabilityanforderungen weiterhin berücksichtigt werden.

Betritt man den Onlineshop, so wird durch ein Pop-Up direkt auf die persönliche Shoppingleiste hingewiesen, welche neben der Vergleichsliste und dem Merkzettel auch den Warenkorb anbietet. Das ist einerseits gut so, da der Warenkorb nicht erwartungskonform platziert wurde. Weiterhin sind drei wichtige Funktionen auf einmal im Blick – eine sehr gute Lösung.

Shoppingleiste_Warenkorb

Hinweis auf Shoppingleiste mit integriertem Warenkorb, Merkzettel und Vergleichsfunktion
Warenkorb ausgeklappt

Warenkorb ausgeklappt

Was besonders gefällt, auch wenn es sich hier um ein scheinbar belangloses Detail handelt, ist die Möglichkeit, Produkte per Drag&Drop im Warenkorb abzulegen. Das vermittelt den Eindruck, man könne das Produkt tatsächlich „berühren“ und bewegen. Gleichzeitig ist es möglich, durch das ziehen eines im Warenkorb abgelegten Produktes auf die Seite diesen zu löschen. Er löst sich dann quasi „in Luft auf“. Diese Art von grafischen Rückmeldungen macht das Einkaufserlebnis recht lebendig.

Jederzeit können per Mouse Over Detailinformationen zum jeweiligen Produkt aufgerufen werden. Man ist nicht gezwungen die aktuelle Seite zu verlassen. Auch Informationen zum Wageninhalt, über die anfallenden Gesamkosten und einen Shortcut zur Kasse sind jederzeit verfügbar. Positiv fällt ebenso auf, dass auch bei längeren Seiten, auf denen u.U. gescrollt werden muss, der Warenkorb immer im sichtbaren Bereich bleibt.

Meiner Meinung nach liegt hier eine besonders gelungene Neuinterpretation des klassischen Warenkorbes in Onlineshops vor. Zwar ist seine Positionierung nicht erwartungskonform, dennoch stellt er durch seine einfache Bedienung einen interessanten Beitrag zur Ausgestaltung von Warenkörben dar.

Was halten Sie vom vorgestellten Design? Erfolgsversprechend oder zu weit ab von den Erwartungen der Nutzer? Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

3 Gedanken zu „Warenkorb einmal anders – Gesteigerte Funktionalität erleichtert das einkaufen online

  1. Theo Nohsen

    Hallo Herr Bloy, vielen Dank für den schönen Artikel. Der Cyberport-Shop bietet ja in der Tat einige bemerkenswerte Funktionen. Da er sich ja aber, wie sie auch schon geschrieben haben, relativ weit weg von den Standards bewegt käme bei mir ein Einsatz bei einem KMU mit mittleren Portfolio erst einmal nicht in Frage.
    Haben Sie denn Informationen wie das Shopsystem von den Nutzern aufgenommen wird? Das würde, wahrscheinlich nicht nur mich, brennend interessieren.

    Gruß

    Theo

    Antworten
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