Gesundheit aus dem Internet: Chancen und Herausforderungen für Online-Apotheken

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Noch immer werden dem Pharmamarkt große Wachstumschancen zugeschrieben. Auch wenn allein in Deutschland mittlerweile schon 38 Milliarden Euro jährlich umgesetzt werden (Quelle: Internet World Business Ausgabe 26/2009), rechnet die Branche mit weiter steigenden Absatzzahlen. Die Entwicklung wurde durch die Liberalisierung des Handels mit OTC-Präparaten entscheidend beeinflusst. Denn seit 2004 sind diese Over-The-Counter-Präparate auch online verfügbar, was den deutschen Versandapotheken einen enormen, wenn nicht den entscheidenden Schub gab.

Allein im Jahr 2009 soll sich die Zahl der Kunden der Online-Apotheken um 50% zum Vorjahr erhöht haben, so der Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA). Dabei machen Versandapotheken, die den Medikamentenhandel in großem Maßstab betreiben (mehr als 1.000 Bestellungen pro Tag), nur einen sehr kleinen Teil des Geschäfts aus. Von den 2.200 deutschen Versandapotheken tummeln sich gut 10% auf Preisvergleichsseiten und etwa ebenso viele sind bei eBay registriert.
Ein Großteil des Umsatzes wird jedoch über umfangreiche Online-Shops generiert. Diese unterscheiden sich durch spezifische Anforderungen von „normalen“ Online-Shops. Beispielsweise hat man es bei einer Versandapotheke nicht selten mit über 300.000 Artikeln zu tun, was eine Optimierung des jeweiligen Shopsystems erforderlich machen kann. Dabei sind diejenigen Apotheken im Vorteil, die schon über einen lokalen Standort verfügen, da hier bereits ein funktionierendes Abwicklungssystem vorhanden ist. Eine zusätzliche Herausforderung besteht in der Bereitstellung der vorgeschriebenen (und oft sehr umfangreichen) Informationen über Inhaltsstoffe und Wechselwirkungen. Auch diese müssen meist erst in die Produktdatenbank eingepflegt werden. Insgesamt müssen viele unterschiedliche Systeme an einen Apothekenshop angebunden werden.

Daneben ist ein benutzerfreundliches Frontend unerlässlich. Gerade in Bezug auf die Eroberung der Zielgruppe 50+ ist eine gute Usability von entscheidender Bedeutung. Dass hier teilweise noch einiger Nachholbedarf besteht, stellte die eResult GmbH im vergangenen Jahr in der Studie zum Thema Seniorenfreundliche Websitegestaltungfest. Neben einer gut funktionierenden und vor allem fehlertoleranten Suchfunktion, sind erwartungskonform platzierte Buttons und Elemente sowie eine intuitive Navigation wichtige Erfolgsfaktoren.

Momentan entdecken auch die deutschen Discounter den OTC-Markt für sich, so dass zum Beispiel „Schlecker“ bald mit Mitteln unter einer eigenen Marke auf den Markt kommen will. Bestehende Kooperationen von Versandapotheken und Drogerien oder so genanntes Co-Branding durch Online-Apotheken und stationäre Partnerapotheken deuten auf einer weitergehende Liberalisierung des Marktes hin. Fraglich ist jedoch, wie der Kunde die neuen Möglichkeiten des Medikamentenerwerbs annimmt. Laut einer Studie der Internet World Business haben bisher nur 4% Medikamente im Einzelhandel gekauft. Auch spricht sich momentan noch ein Großteil der Patienten gegen die Kombination von Drogerie und Apotheke aus.
Sollten geplante Gesetzesänderungen wie beispielsweise die Lockerung des Fremdbesitzverbotes (derzeit dürfen nur Apotheker eine Apotheke besitzen) oder die Aufhebung der Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente durchgeführt werden, wird sich die Branche weiterhin rasant entwicklen.

Die Zukunft der Versandapotheken, aber auch die des stationären Medikamentenhandels, ist also noch nicht eindeutig zu prognostizieren. Wird der Online-Markt weiter wachsen oder ist der Zenit bereits überschritten? Kommt es letztendlich auf das perfekte Zusammenspiel der verschiedenen Schnittstellen an? Spannende Fragen, die es sich weiter zu verfolgen lohnt.

3 Gedanken zu „Gesundheit aus dem Internet: Chancen und Herausforderungen für Online-Apotheken

  1. Martin

    Also ich finde, das der Markt der Internet Apotheken weiter stark wachsen wird, vor allem weil viele Medikamente einfach preisgünstiger sind als in den stationären Apotheken.
    Dazu kommt, das meist ab einem bestimmten Bestellwert auch noch die Versandkosten entfallen, was die Sache nochmal günstiger werden lässt.
    Ich persönlich bevorzuge auch die Onlineapotheken für meine Einkäufe.
    Automaten wie für die Pakete halte ich für weniger lukrativ als die Online Versandapotheken.

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  2. medpex

    Ob oder wie weit der Markt des Arzneimittelversandhandels noch wachsen wird, ist bei den unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Marktes wirklich schwer abzuschätzen. Vorausgesetzt der Wachstum der Discounter im Bereich Medikamente entwickelt sich weiterhin nur langsam, kann nach meiner Einschätzung ein weiteres Wachstum erwartet werden. Der sich schon andeutende Verdrängungswettbewerb unter den Online Apotheken könnte jedoch auf ein baldiges Ende der Wachstumsphase hindeuten. Eines ist aber sicher, die klassische stationäre Apotheke wird einen immer geringeren Marktanteile einnehmen wohingegen die Discounter, bei günstigen Rahmenbedingungen, noch deutlich wachsen werden.

    Abgesehen von der Markt-Betrachtung von Online Apotheken fand ich den Hinweis auf die Usability einer Online Apotheke treffend. Hier kann wirklich noch einiges verbessert werden. Danke.

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  3. Pollmann

    Ist man nicht darauf angewiesen das Arzneimittel noch am selben Tag zu bekommen gibt es für den Kunden mehr Vor- als Nachteile bei den Versandapotheken. Der grösste Vorteil ist natürlich der Preisvorteil.Mfg

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